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8. Oktober 2006, 11.30 Uhr
Michael Struck: Gesprächskonzert "Der unbekannte (?!) Schumann"
Eine Veranstaltung des StadtMuseums Bonn im Schumannhaus Bonn zum Abschluss der zwei Schumannausstellungen “Zwischen Poesie und Musik. Robert Schumann – früh und spät” sowie “Schumann in den Augen der Nachwelt”, Bonn: 29. Juni – 8. Oktober 2006
Robert Schumanns Gesänge der Frühe gehören zu den relativ unbekannten Werken des Komponisten. Die fünf Stücke seines letzten „poetischen“ Klavierzyklus entstanden Mitte Oktober 1853. Mit ihrem teils feierlichen, teils enthusiastisch zukunftsgerichteten Tonfall wirken sie wie ein musikalisches Gegenstück zu Schumanns kurz zuvor geschriebenem legendärem Aufsatz Neue Bahnen über den jungen Johannes Brahms der sich gerade bei Robert und Clara Schumann in Düsseldorf vorgestellt hatte. Heute weiß man auch, dass die Gesänge der Frühe von Friedrich Hölderlins Diotima-Gestalt inspiriert wurden, von der in Gedichten und vor allem im Roman Hyperion die Rede ist. Das Gesprächskonzert skizziert die Entstehungshintergründe und verweist auf musikalische Charakteristika des Werkes, mit dem Schumann seiner Musik noch einmal neue Ausdrucksbereiche erschloss.
Verwunderlich erscheint es demgegenüber, wenn auch bei den 1839 veröffentlichten Kinderszenen vom „unbekannten“ Schumann die Rede ist. Immerhin handelt es sich um eines von Schumanns populärsten Werken, das das Schumann-Bild des 20. Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Aber wie genau kennen wir die Kinderszenen, die heute oft viel langsamer, besinnlicher, „philosophischer“ (kitschiger?) gespielt werden, als es die Metronomzahlen der Erstausgabe forderten. Allerdings sind die Metronomangaben durchaus umstritten. Unter solchen Bedingungen werden die einführenden Erläuterungen fast zu einer musikalischen Kriminalgeschichte. Diese widmet sich der ebenso spannenden wie verwickelten Frage nach den Hintergründen des Tempo-Streites und berührt auch die Frage, ob Schumanns Metronom wirklich defekt war, so dass seine Metronomzahlen angeblich nichts taugen. Abschließend werden die Kinderszenen in den zügigen „alten“ Tempi gespielt. Dabei wird sich selbst in diesem bekannten Werk zum Teil ein „unbekannter“ Schumann zeigen.
Dr. Michael Struck
geboren 1952 in Hannover;
dort Klavierunterricht bei Peter-Jürgen Hofer und Karl Lenzen.
Ab 1973 Studium an der Musikhochschule und Universität Hamburg: Schulmusik, Privatmusikerziehung, Klavier/Diplom (Werner Schröter), Musikwissenschaften (Constantin Floros) und Erziehungswissenschaft.
1984 Promotion mit der Dissertation Die umstrittenen späten Instrumentalwerke Schumanns.
1985 zunächst im niedersächsischen Schuldienst, dann Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle der neuen „Johannes Brahms Gesamtausgabe“ an der Universität Kiel (Mitglied der Editionsleitung); Herausgeber bzw. Redakteur mehrerer Bände.
Zahlreiche musikwissenschaftliche Veröffentlichungen, weitere Werkeditionen, außerdem Tätigkeit als Musikkritiker. Konzerte u. a. mit dem Vokalensemble der Universität Kiel und dem Wiesbadener Kammerchor. Gesprächskonzerte.
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