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Guillaume Apollinaire

15.09. bis 04.11.2002:

Guillaume Apollinaire


Eine Ausstellung des Rheinischen Freundeskreises Guillaume Apollinaire und dem StadtMuseum Bonn im StadtMuseum, Franziskanerstraße 9


Der französische Dichter Guillaume Apollinaire (1880-1918) hat von August 1901 bis August 1902 ein Jahr am Rhein in der Umbegung von Bonn und am Rande des Siebengebirges verbracht. An die hundert Gedichte, Erzählungen und Zeitungsartikel hat der junge Schriftsteller, der schon bald danach zu einer der Schlüsselpersonen der europäischen literarischen und künstlerischen Moderne wurde, in dieser Periode geschrieben oder vorbereitet. Sie gehören zum Besten der rheinischen Literatur. Hundert Jahre nach dem Beginn der Rheinromantik geschieht hier der wesentliche Aufbruch der Rheinlyrik in die Moderne.

Bonn hat für Apollinaire eine besondere Rolle gespielt, weil er es wegen seiner gemütlichen Innenstadt, der Universität und ihrer Bibliothek, aber auch als Verbindungspunkt für die Reisen nach Köln und Düsseldorf von seinen Wohnstätten bei Oberpleis (Villa Neu-Glück in Bennerscheid) und Bad Honnef (Villa Hölterhoff) mehr als alle anderen größeren Städte besucht hat. Ein ganz spezifischer Bezug ist der zu Heinrich Heine, einem seiner noch lange nach der rheinischen Periode auf ihn wirkenden literarischen Vorbilder, der als Student Harry Heine von September 1819 bis September 1920 ebenfalls ein Jahr in Bonn gelebt hat - eine zufällige, aber bedeutsame Parallele zum einjährigen Rheinaufenthalt des Wilhelm de Kostrowitzky, so der bürgerliche Name von Apollinaire. Dieser setzt die im Werk Heines enthaltenen rheinischen Ansätze in seinen Rheinliedern, den Rhénanes, fort.

Die Ausstellung möchte neben der allgemeinen Information zu Leben und Werk Apollinaires in Frankreich und in Deutschland einige ganz spezifische Bezüge zu Bonn und seiner näheren Umgebung herausstellen:

- zur Universität Bonn, in der er gerne selbst studiert hätte, mit derem romanistischen Professor Eugène Gaufinez ihn eine lockere Bekanntschaft verband, und dessen Kollege Professor Ernst Robert Curtius Anfang der dreißiger Jahre eine Doktorarbeit an seinen Studenten Ernst Wolf vergab, die im Jahre 1937 die erste wissenschaftliche Bearbeitung des Werkes von Apollinaire wurde.

- zu Heinrich Heine, dem er in der Kurzgeschichte vom Ewigen Juden auf der Beueler Brücke, der am Heiligen Abend an der Weihnachtsfeier der Borussia im Hähnchen teilnehmen möchte, 1902 und 1916 ein literarische Denkmal in seinem Werk gesetzt hat;

- zur Rheinromantik, die er ebenso wie sie von Heine vorausahnend behandelt wurde, liebendwürdig bis spöttisch kommentiert;

- zu Professor Heinrich Reifferscheid, einem Enkel Karl Simrocks, der in der Zeit des Aufenthaltes des Dichters dessen lyrische Landschaft in seinen Radierungen festgehalten hat, ohne dass man eine Begegnung der beiden belegen könnte. Die Gegenüberstellung dieser Graphiken, die nach dem Fin de siècle den Sprung in die Schlichtheit und Innerlichkeit einer neuen Zeit wagen, mit der Lyrik Apollinaires, der in seinem rheinischen Werk mit dem lyrischen Realismus den Bogen von der Spätromantik zur Moderne spannt, dürfte eine besondere Attraktion dieser Ausstellung sein.

(Dr. Kurt Roessler)



Veranstaltungen zur Ausstellung:


03.11.2002, 17 Uhr, StadtMuseum Bonn
"Le Rhein est ivre où les vignes se mirent ..."
Eine zweisprachige Lesung der Gedichte von Apollinaire mit Sylvie Tyralla-Noel und Peter Andersch. Musikalische Umrahmung: Britta Bauer (Flöte)
Eintritt: 9 € / 7 €


05.12.2002, 10-17 h, Institut Robert Schumann
Seminaire International Apollinaire
Vorträge und Diskussionen zu Apollinaire

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