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 14.09.-30.10.2005
Bonn im Zeitalter der Aufklärung und Restauration
Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus Bonn in Zusammenarbeit mit der Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn im Rahmen des Beethovenfestes Bonn
06.11.05, 11.30 Uhr:Vortrag mit Musik von Yvonne Andres-Péruche Die Lese- und Erholungsgesellschaft Bonn im Wandel der Zeiten
Der weite Weg von der aufgeklärten Bürgerschaft zum geselligen Club der städt. Eliten
25.09.05: Vortrag mit Musikbeispielen von Yvonne Andres-Péruche "Der Weg von der Hofbühne zum bürgerlichen Bildungstheater und Freimaurer, Illuminaten, Lesegesellschaft"
Zwar konnte in Bonn die geplante Herausgabe eines Journals zur Verbreitung der "Lichtstrahlen der Aufklärung auch außer unsrer Vaterstadt" nicht realisiert werden, doch schon im Titel wird offensichtlich, dass man sich in Bonn ausreichend von ihnen erhellt fühlte.
Als der letzte Kölner Kurfürst, Maximilian Franz von Österreich, im Oktober 1780 - zuerst noch als Koadjutor seines greisen Vorgängers Maximilian Friedrich - nach Bonn kam, stand sein Bruder Kaiser Josef II. - von 1765 bis zu ihrem Tod am 29.11.1780 Mitregent seiner Mutter Maria Theresia - unmittelbar vor dem Antritt seiner Alleinregierung, die ganz im Zeichen des aufgeklärten Absolutismus stand. Von den gleichen Reformidealen war auch maximilian Franz beseelt, der "voller Eifer bestrebt (war), neue, gesunde Ideen in Staat, Recht und Wirtschaft zur Geltung zu brigen, dadurch dem Volk materiell zu nützen, zugleich aber auch durch gründliche Reform der Volksschulen seine Erziehung zu verbessern, durch Umbau der Gymnasien und Ausgestaltung der neu begründeten Universität in Bonn seine Bildung zu heben" (Max Braubach).
Er traf dabei in Bonn auf einen schon von den Gedanken der Aufklärung durchdrungenen Personenkreis aus Adel, Hofbeamten und Bonner bürgern, die - einige von ihnen gehörten vorher dem Geheimorden der Illuminaten an - 1787 zur Gründung der Bonner Lesegesellschaft zusammentraten. Zu den bekanntesten Mitgliedern der Lesegesellschaft zählten nicht nur die Hofmusiker simrock, Ries und Neefe, sondern auch der spätere Revolutionär und fanatische jakobiner Eulogius Schneider, der in Paris auf dem Schafott endete. Von dieser radikalen Haltung waren die übrigen reformbegeisterten Mitglieder ebenso weit entfernt wie Immanuel Kant, dessen auch in Bonn viel gelesene Schrift "Was ist Aufklärung" 1784 in Berlin erschienen ist, oder der Kurfürst selbst, dem die französische Revolution zumindest nach der Hinrichtung seines französische Revolution zumindest nach der Hinrichtugn seines französischen Schwagers König Ludwig XVI. und seiner Schwester Marie Antoinette Abscheu einflößte. Um so mehr würde es ihn - hätte er damals noch gelegt - getroffen haben, später (um 1840), als die Restauration fast alle Reformideen wieder erdrückt hatte, als mitverantwortlich für die Auswüchse der Revolution benannt zu werden: "Die Lehren, die [sie] vorgetragen hatte[n], fielen doch im tiefsten Grunde mit denen zusammen, die in Frankreich die Keime gewesen zu dem, was in so schrecklicher Gestalt sich dort entwickelte."
Kölnische Rundschau, 20.09.2005
Beethovens republikanisches Rüstzeug Beethovenfest I:
"Bonn im Zeitalter der Aufklärung"- Ausstellung im Ernst-Moritz-Arndt-Haus
von BERNWARD ALTHOFF BONN.
Man könnte sie ruhig die "Eroica-Anekdote" unter den vielen Beethoven-Anekdoten nennen. Als der Komponist Anfang 1805 in Wien von Napoleons Selbstkrönung zum Kaiser der Franzosen erfuhr, soll er in vollem Zorn die Napoleon-Widmung auf der Kopfseite der Partitur seiner soeben beendeten "Eroica"-Sinfonie zerrissen und ausgerufen haben: "Ist er doch nur ein Tyrann wie alle anderen und tritt die Menschenrechte!" Beethoven hatte zuvor in dem Korsen den Freiheitshelden und Erben der Französischen Revolution gesehen, der das verknöcherte und "verzopfte" Europa hinwegfegte. Und dann das. . . Wo hatte der "Zornnickel" Ludwig van Beethoven solcherlei revolutionären Nektar aufgesogen? Im kurfürstlichen Bonn! Eine feine Ausstellung im Arndt-Haus, der Dependance des Bonner Stadtmuseums, begleitet das Beethovenfest unter dem Titel "Bonn im Zeitalter der Aufklärung und Restauration." Eine Fülle von Original-Dokumenten und -Gemälden aus dem Bonner Stadtarchiv, der Universitäts-Bibliothek und der Bonner Lese-Gesellschaft lassen die letzten Jahre der kurfürstlichen Residenzstadt Bonn unter dem milden Regiment von Kurfürst Max-Franz, dem jüngsten Sohn von Kaiserin Maria Theresia, nochmals lebendig werden. Auf einen Nenner gebracht, wehte von 1780 bis 1794 ein Hauch von "Liberté" - dem Beethovenfest-Motto 2005 - durch die kleine Residenzstadt am Rhein. Der aufgeklärte Kurfürst aus dem Hause Habsburg ließ beispielsweise solch schillernde Freigeister wie Eulogius Schneider an der jungen Bonner Kurkölnischen Universität, der "Maxischen Akademie", gewähren. Eulogius Schneider, der aus dem Franziskaner-Orden ausgebüxt war, kam 1789 als Literatur-Professor nach Bonn und vertrat unverhüllt und öffentlich jakobinisches Gedankengut. Zu seinen Füßen saß der unbekannte 20-jährige Bonner Studiosus Ludwig van Beethoven und hörte aufmerksam zu. Die Begeisterung für die Französische Revolution und Schneiders großes Engagament für die Erste Republik später in Straßburg bewahrte diesen Feuerkopf freilich nicht vor dem Tod auf der Guillotine in Paris im April 1794. Ein anderer Hort der "Liberté" und Aufklärung war die 1787 gegründete Bonner Lese-Gesellschaft, deren Vorläufer die geheimnisumwitterte und deshalb auch verbotene "Illuminaten-Gesellschaft" war und zu deren Gründungsmitgliedern der spätere Beethoven-Verleger Nikolaus Simrock zählte. Die "Lese"- Satzung atmete schon den Geist der "Égalité": "Rang kömmt gar nicht in Anschlag!" Auf diesem Humus gedeihte das geistige Rüstzeug des jungen Beethoven. Ein wenig dieser republikanischen Gesinnung bewahrte sich Ludwig van Beethoven sein Leben lang. So mokierte er sich 1812 bei einem Kuraufenthalt in Böhmen über die katzbuckelnde Servilität des Staatsministers und Geheimrates Goethe auf der Promenade gegenüber der kaiserlichen Familie. Freilich, die "Fürsten-Knete" aus Wien nahm der Tonsetzer Beethoven gerne an! "Wes Brot ich ess. . ." Ernst-Moritz-Arndt-Haus; Adenauerallee 79; Mi-Sa 13-17 Uhr, So 11.30-17 Uhr; weitere Infos unter www.bonn.de/ stadtmuseum. Der "Geist der Aufklärung" weht derzeit durchs Ernst-Moritz-Arndt-Haus an der Adenauerallee. (Foto: Böschemeyer)
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