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Bonns berühmter Sohn
Ludwig van Beethoven
(1770-1827)
Büste Beethovens im StadtMuseum Bonn
Er ist wohl Bonns berühmtester Sohn: Ludwig van Beethoven,
geboren am 17.12.1770 in der Bonngasse, einer kleinen Seitenstraße
zum Bonner Marktplatz. Schon als Kind lernte der Sproß einer aus
dem Flämischen eingewanderten Musikerfamilie das Klavier- und Geigenspiel
und wurde schließlich 1783 Bratschist und Cembalist im kurfürstlichen
Orchester in Bonn.
Einer ersten Reise nach Wien im Jahre 1787, wo er Mozart
begegnete, folgte die endgültige Übersiedlung in die Musikmetropole
an der Donau. Seine Heimatstadt Bonn hat er seitdem nicht wieder besucht.
Als Schüler Haydns, Salieris und Albrechtsbergers
und durch erste Auftritte als Pianist trat der junge Beethoven erstmals
öffentlich in Erscheinung. Wesentliche Förderung wurde ihm seitens
des Wiener Hochadels zuteil, so dass erste eigene Kompositionen entstanden.
Auch als Lehrer wurde Beethoven in diesen Kreisen geschätzt. Seine
größte Schaffensperiode hatte der Komponist zwischen 1802 und
1812.
Ein schweres Hörleiden machte sich erstmals 1802
bemerkbar und führte um 1819 zur völligen Taubheit. Beethoven
zog sich zurück und vereinsamte zusehends. 1827 starb er an den Folgen
eines Leberleidens.
In Bonn erinnern das Beethovendenkmal auf dem Münsterplatz
und das zum Museum umgebaute Wohnhaus der Familie Beethoven in der Bonngasse
an den weltbekannten Komponisten.
> Monument für Beethoven
(Publikation)
>
Das Beethovenhaus
> Internationales Beethovenfest
2004
Beethovens letzte Magd
eine historische Reminiszenz
Im Juli 1900 begegnete ich in Salzburg bei der Trödlerin Kathi Spahnbauer, in deren staubfarbenen Händen schon Millionenwerte gelegen waren, meinen Freund Hofrat A. M. Pachinger aus Linz, einen sehr merkwürdigen Sonderling, der einem E. T. A. Hoffmann alle Ehre gemacht hatte. Er war gleich mir ein leidenschaftlicher Sammler, und da er weit alter als ich war, auch bedeutend erfahrener.
Mit der zunehmenden Erfahrung und Reife des, echten Sammlers war er schon auf Gebiete vorgeprescht, in die ich ihm nicht folgte noch jemals folgen werde . . . Er sammelte auch wahren Dreck, geradezu abstruse Dinge. So begegnete ich ihm einmal in einer regnerischen Sturmnacht in München, wo ihm ein Paket von Boreas entrissen wurde, in dem sich ein ausgestopfter Mops befand.
»Laß den Mist liegen«, riet ich ihm.
»Wos? dees Prachtstück liegen lassen? ean Mops von der Fanny Elßler gottselig! Dees is ja ein vatterländisches Monument ersten Ranges für an jeden Österreicher. . . möcht wissen, wie der nach München kommen is . . . seit Jahren stell idem Mops nach . . . hat an alten Mutterl ghört . . . hat 'n nit hergehm wolln. . . nit hergehm wollen . . . aber vor aner Stund is gstorm, . . . 's alte Weiberl . . . und die jammernden Hinterbliebenen ham ean billig hergebm. . . an Mops. Jo. Die amtliche Beglaubigung hab i auch. Jo.«
»Heiftig findst« - so fuhr er fort - »in so an ausgstopften Mops an Liebesbrief! Vielleicht sind gar in dem da unbekannte Alterstorheiten vom Gentz verborgen! Weißt, so a Mops is eigentlich a Dokuman hümain ...« Ein vorübergleitender Tramwaywagen ließ den pritschnassen Hofrat in teuflischem Rot aufleuchten. Und vor Befriedigung seufzend verschwand der beneidenswerte Sammler mit dem his zur Unkenntlichkeit verdreckten Prachtstück im Finstern.
Der Mann, der so geme auf den Seitengeleisen des Kunstmarktes wandelte, besaß aber auch wahre Zymelien, Schatze, um die ihn jedes Museum beneidete. Daneben - wie eben erwähnt - auch Dinge, die jeder normale Mensch geekelt wegwirft. So nannte er einen »Schlapfen« Grillparzers sein eigen. »Leider bloß einen rechten . . . ein Manderl . . . die Genoveva ist draufgestickt. . . wie s' d' Hirschkuh um a bisserl Milch für ihren Bamperletschn angeht . . . war a Geschenk van der Kathi Fröhlich. . . der Schlapfen . . . dees haben mehrere Fachgelehrte festgestellt. Jo, und dann hätt i da - i tragn heut - an verschwitzten Hosenträger vom Dostojewski gottselig. . . a sehr a seltenes Stück. . . werd viel darum beneidet!«
»Geh hor mir auf mit deinem unappetitlichen Glumpert!« unterbrach ich ihn. »Wenn du sonst nix Gescheites weißt . . .«
»I wüßt schon was. . . verdienst es eigentlich gar nicht, daß ich dir's sag. Denn du hast keine Ehrfurcht vor den Reliquien großer Männer . . . aber, wen wir schon beieinander sind, i nimm dich zu einem sehr merkwürdigen Besuch mit . . . sehr an merkwürdigen . . . bin halt a guter Tschapp . . . Mußt nämlich wissen, hier in der Altstadt wohnt ein uraltes Weiberl, die wo 's letzte Dienstmadl vom Beethoven war. Rosalia Himmelfreundspointner schreibt sie sich. Gehen wir hin - tun wir s' interwihuhen, dieselbige. Unterwegs kaufen wir ihr an Schnaps, an süßen. Und zehn Gulden lassen wir auch springen für die Alte. «
Und wir gingen. Ein finsteres Winkelwerk. Noch gotische Bauformen. Eine Menge Katzen begegnete uns auf den durcheinandergeschachtelten Stiegen aus dreckigem roten Marmor. Irgendwo prügelte sich ein Ehepaar. Tannenzapfen waren auf den Stiegen verstreut.
Im fünften Stock, wohin man uns gewiesen hatte, stand eine Türe offen. Dort trafen wir eine vogelscheuchenartige Figur, einen wahren Fetzenpinkel mit blutunterlaufenen Augen. Das Schnäpslein machte sie zutraulich. Pachinger, der wegen seiner Sammlerleidenschaft für alte Wasche van Geistesriesen, historische Gebisse, die im Munde aller waren, und dergleichen, viel mit Leichenfrauen scharmuzierte (»A bissel a scheener Maan muß ma halt auch sein.« Versonnen blickte er in die Ferne.), fand sogleich den richtigen Ton für die wüste Popelmannfigur. »Alsdann, Fräuln Sali«, begann er gewandt und plusterte animiert seinen Schnurrbart, »alsdann, wie war denn der Meister, der Herr von Beethoven?«
»War kein Meister«, murmelte bös die Alte. »Is nix als a Musikant gwest. . . a Bratlgeiger. . . Und zwoa Klafier ohne Füß hat er ghabt, und an halben Tag hat er mit an Prügel auf an Tisch getrischakt, dass mir ane Kündigung nach der andern kriegt ham, und i hab die Arbeit ghabt . . . weil 's wahr is . . .«
Wir sahen uns verstört an.
»Haben S' koane Brief von eam?« erkundigte sich der mit allen Salben geschmierte Hofrat, der sich unter dem herumliegenden Dreck sichtlich wohl fühlte. »Hat der Selige Ihnen nie alte Stiefel gschenkt . . . oder sonst was zum Abtragen? . . . koane Gattiahosn für'n Winter? Denken S' gut nach, Fräuln Sali!«
Dann zu mir gewendet: »0 mei! grad nur Dane Gattiahosn vom Olympier, wann i hätt. . . was die wert wär. . . i hält ausgsorgt, hatt ausgsorgt . . .«
»No, und wie war ER denn, so im Verkehr?« wollte ich wissen.
Die Himmelfreundspointner blickte mich lange blutig an. Dann kam es dumpf von den Lippen der Alten: »A rechter grausliger Grantscherbn, is er gwesn . . .«
Das war das letzte Wort, das man aus ihr herausbrachte. Dann versank sie in mürrisches Schweigen.
Vortrag zu Fritz von Hermanovsky-Orlando
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