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Lady Katharina Brandis

13. Oktober 2010 bis 27. Februar 2011

Lady Katharina Brandis (Greifswald, 1841 -
Bonn, 1928)

Das außergewöhnliche Leben einer Bonner Bürgerin und Malerin


Ausstellung des StadtMuseum Bonn in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Ursula Brandis im Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Adenauerallee 79

 

Begleitbuch zur Ausstellung: Im Auftrag des Fördervereins StadtMuseum Bonn e.V. mit großzügiger Unterstützung aus privater Hand.
Hrsg. und bearb. von Ingrid Bodsch. Text von Ursula Brandis. Redaktion Ingrid Bodsch und Sigrid Lange. 144 S. ISBN 978-3-931878-30-9. Preis 12 €.


Das außergewöhnliche Leben einer Bonner Bürgerin und Malerin, die mit 25 Jahren die damals etwa 30000 Einwohner zählende Universitätsstadt verließ, um mit ihrem Mann fast zwei Jahrzehnte in Indien zu leben - ein Thema wie geschaffen für das StadtMuseum Bonn, zumal bisher unbekannte private Quellen aus Familienbesitz auch das Leben der Bonner Professorenschaft im 19. Jahrhundert intensiv beleuchten.

Katharina Brandis, 1841 in Greifswald als Tochter des Theologieprofessors Friedrich Rudolf Hasse und seiner Frau Caecila geb. Poelchau, geboren, kam als Kleinkind nach Bonn, als ihr Vater einen Ruf an die Universität Bonn annahm. Das einzige Kind der Eheleute Hasse - die Mutter Katharinas war eine Tochter des Musikers und berühmten Musikaliensammlers Johann Daniel Poelchau, dessen Sammlung heute eine der Herzstücke der Musiksammlung der Berliner Staatsbibliothek ist - wuchs in einem sehr religiös bestimmten Haushalt auf, durfte aber ihre künstlerische Begabung im Zeichnen durch Unterricht bei Nikolaus Christian Hohe schulen. Gegen den Wiederstand ihrer verwitweten Mutter, die ihre Tochter bei sich bzw. zumindest in Bonn behalten wollte, heiratete Katharina Hasse 1867 den siebzehn Jahre älteren Bonner Professorensohn Dietrich Brandis, der sich im Herbst 1866 auf Heimaturlaub in Bonn aufhielt. Der an der Bonner Universität promovierte und habilitierte Botaniker war seit 1856 als Leitender Beamter in britischen Diensten für das Forstwesen in Indien zuständig gewesen und im Frühjahr 1862 zum ersten Generalforstinspektor der gesamten indischen Staatsforstes ernannt worden. Kurz nach der Hochzeit am 11. Januar 1867 verließ Katharina mit ihrem Mann Bonn, um mit ihm - unterbrochen von einzelnen, zum Teil dem Auskurieren schwerer Krankheiten geschuldeten Europaaufenthalten - in den nächsten 20 Jahren in Indien zu leben, und ihn auf vielen seiner anstrengenden dienstlichen Inspektionsreisen zu begleiten, auf denen die begabte und an Land und Leuten interessierte Zeichnerin eine Vielzahl beeindruckender Pflanzen- und Landschaftsaquarelle herstellte. Kurz vor seinem Ruhestand wurde Dietrich Brandis von der englischen Königin zusammen mit seiner Frau in den Adelsstand erhoben. Als Sir Dietrich und Lady Katharina Brandis kehrte das Ehepaar 1887 nach Bonn zurück, wo es - wechselnd mit dem Zweitwohnsitz London - bis zum Tod von Dietrich Brandis 1907 lebte. Katharinas gerade für ihre Zeit ungewöhnliches Leben blieb aber trotzde ein Frauenleben, denn sie brachte insgesamt sieben Kinder zur Welt, von denen nur Joachim und das jüngste Kind, der musikalisch hoch begabte Sohn Rolf, in Bonn geboren wurden. Als Lady Katharina Brandis, die in ihren letzten Lebensjahren in der Bonner Kaiserstraße ein gastliches Haus führte, sich um den wissenschaftlichen Nachlass ihres Mannes kümmerte, aber immer noch viel und gerne reiste, 1927 in Bonn gestorben ist, war nur noch eines ihrer Kinder, ihr Sohn Bernhard, am Leben.

Die außergewöhnliche Lebensgeschichte von Katharina Brandis erschließt sich nur aus den in der Familie erhalten gebliebenen Dokumenten. Diese Arbeit und die Erstellung der Biographie, die sie in Form einer Rückschau der verwitweten Lady Brandis auf ihr Leben gestaltet, übernahm mit großem Engagement und viel Empathie Frau Dr. Ursula Brandis, Witwe von Prof. Dr. Henning Brandis, dem Enkel Katharinas, wofür ihr die Herausgeberin, die sich um die ergänzenden Angaben und den Anmerkungsapparat kümmerte, ganz herzlich dankt.


Ingrid Bodsch

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