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Zum 70. Jahrestag
- 10. Mai 1933 -
der Bücherverbrennung in Bonn



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Trotz Regen versammeln s ich am späten Abend des 10. Mai 1933 gemäß des Aufrufs der Bonner Studentenschaft vom 8. Mai 1933 in der örtlichen Presse tausende Bonner auf dem Marktplatz, um an der angekündigten Bücherverbrennung teilzunehmen.

Der "Verbrennungsakt" sollte der "Höhepunkt" der vom "Hauptamt für Presse und Propaganda der Deutschen Studentenschaft" ins Leben gerufenen Aktion "Wider den undeutschen Geist" sein. Zuvor, am 8.4.1933, waren die örtlichen "Einzelstudentenschaften" an den deutschen Hochschulen zu "Aufklärung" (Aushang und Veröffentlichung der "12 Thesen" bzw. entsprechender Plakate) und zur Sammlung "von zersetzenden Schriften, Reinigung von Bibliotheken usw." aufgefordert bzw. sind per Rundbrief vom 9.5.1933 über die "Feuersprüche" informiert worden, wobei den "örtlichen Vertretern [...] dabei jegliche Freiheit" eingeräumt wurde. Hauptschauplatz der für den 10. Mai angesetzten Bücherverbrennungsaktionen (die aber teilweise auch davor oder danach veranstaltet wurden) war Berlin, wo der am 13. März 1933 zum Minister für Volksaufklärung und Propaganda ernannte Joseph Goebbels als "Feuerredner" aufgetreten ist.

In Bonn übernahm diesen Part der außerordentliche Professor für Kunstgeschichte an der hiesigen Universität, Eugen Lüthgen, nachdem der Führer der Bonner Studenten, Walter Schlevogt, zur "Ausrottung aller undeutschen Geistesproduktion" aufgefordert, und der Bonner Ordinarius für Deutsche Philologie, Hans Naumann, an die "akademische Jugend deutscher Nation" appelliert hatte, "[...] heute zur mitternächtlichen Stunde an allen Universitäten des Reichs" zu verbrennen, was "sie gewiß bisher nicht angebetet" habe, aber was sie doch "wie uns alle verführen konnte und bedrohte".
Der Scheiterhaufen auf dem Markplatz brannte schon, als Lüthgen von der Freitreppe des Alten Rathauses, die als Rednerbühne diente, dazu aufrief, neben denen, die das "kostbarste Gut unseres Volkes, die deutsche Sprache dünkelhaft verschmutzen", auch diejenigen "mit (ihrem Werk auf diesen Scheiterhaufen zu werfen, die in anmaßender Frechheit Wert und Würde des deutschen Volksgeistes antasten". Welche Autoren dazu zählten, war durch den Aushang und den Vertrieb von sog. "schwarzen Listen", die immer umfangreicher wurden und deswegen sogar den deutschen Buchhandel zu "beunruhigen" begannen, bekannt. Als die "eigentlichen Schädlinge", die auch bei den Bücherverbrennungen am 10. Mai 1933 die "Hauptrolle" spielten, galten laut "Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel" vom 16. Mai 1933 die Schriftsteller Lion Feuchtwanger, Ernst Gläser, Arthur Holitscher, Alfred Kerr, Egon Erwin Kisch, Emil Ludwig, H einrich Mann, Ernst Ottwalt, Theodor Plivier, E.M. Remarque, Kurt Tucholsky und Arnold Zweig. Die Wirkung der "schwarzen Listen", die alle Themengebiete umfaßten, war besonders im Schulbuchbereich von trauriger Dauerhaftigkeit.

Am 10. Mai 1934 wurde in Paris von einem Initiativkomitee, dem u.a. Alfred Kantorowics, André Gide, Lion Feuchtwanger, Romain Rolland und Heinrich Mann angehörten, die "Deutsche Freiheitsbibliothek" gegründet. Ihr Ziel war vorrangig die Sammlung "aller im Dritten Reich verbotenen, verbrannten und totgeschwiegenen Werke".

In der Bundesrepublik Deutschland vergingen nach dem Krieg Jahrzehnte, bis man sich der Erinnerung stellte. Erst im Jahre 1979 wurde vom P.E.N.-Zentrum, dem Verband deutscher Schriftsteller und dem Börsenverein des deutschen Buchhandels der 10. Mai zum "Tag des Buches" aufgerufen, was Oskar Maria Graf schon 1943 gefordert hatte, als er es als Gebot der "ganzen gesitteten Welt" bezeichnete, diesen Tag "in einen Tag des Nie-wieder-Vergessens und in einen Tag der Manifestation für die Freiheit des Geistes" zu verwandeln.

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