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 20. Juni 2004, 11.30 Uhr:
Bayreuth in Bad Godesberg:
August Bungert
Ein vergessener Komponist der Gründerzeit
musikalisch-literarische Matinee auf der Rheinterrasse des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses
Tenor Dominik Worig
Sopran Nicola Müllers
Rezitation Ralf Sassen
Musikalische Leitung Stefan Rütter
Moderation Jürgen Gauert
Im Jahr 1897 schrieb der in Mülheim an der Ruhr 1845 und dem Rheinland Zeit seines Lebens verbunden gebliebene Komponist August Bungert einen Brief an den damaligen Godesberger Bürgermeister Anton Dengler mit einem aussergewöhnlichen Vorschlag:
"Hochverehrter Herr Bürgermeister! Vielleicht ist Ihnen durch die Presse bekannt geworden, dass vor einigen Monaten im Königl. Hoftheater zu Dresden "Odysseus Heimkehr" mit beispiellosem Erfolge, wie alle Blätter ohne Ausnahme berichten, in Scene gegangen ist. Das Werk wurde seitdem in Dresden stets mit gleicher Begeisterung aufgeführt, und mit gleichem Jubel des Publikums, bei stets überfülltem Theater gegeben. Indem ich nun in letzter Zeit in Godesberg verkehrte, ist ein Lieblingsgedanke, den ich seit Jahren hege: Am Rhein, in Godesberg, dort wo wie man mir mitteilt, die Bürgerschaft die Absicht hat, öffentliche Gartenanlagen zu machen, ein Festspielhaus ersten Ranges zu bauen, mit der Aussicht auf den Rhein, mit dem Blick auf das Siebengebirge, dicht an der Haltestelle der Dampfschiffe. - In diesem Festspielhause, erbaut im Inneren nach Art des Festspielhauses in Bayreuth sollen dann in den Sommermonaten vom 15. Juni bis 15. September meine Werke sowohl, wie die Werke der besten Meister in möglichst idealer Weise zur Aufführung kommen."
Warum sich diese Pläne für ein "Bayreuth in Bad Godesberg" nicht realisieren liessen und wieso August Bungert heute zu den völlig vergessenen Komponisten der Gründerzeit gehört - alles das wird das neue Programm der Projektgruppe Bonner Kulturgeschichte in Zusammenarbeit mit dem StadtMuseum Bonn und gefördert durch das Bonner Kulturamt näher beleuchten.
Schon zu Lebzeiten bekam August Bungert nicht die uneingeschränkte Anerkennung, die er sich als Komponist erhofft hatte. Der von Kritikern mit Verrissen versehene Opernzyklus Homerische Welt mit den Teilen Kirke, Nausikaa, Odysseus Heimkehr und Odysseus Tod verschwand schon nach wenigen Aufführungen in Dresden, Hamburg und Köln für immer von den Spielplänen.
Doch nicht nur Homer inspirierte Bungert zu einer Vertonung sondern auch Texte der Königin von Rumänien, die sich als Schriftstellerin Carmen Sylva nannte, und mit der er im engen Austausch stand. Sie empfing Bungert häufig in Neuwied und der Komponist selbst berichtete einst anschaulich darüber: "Ich sitze mit der Königin in der Musikhalle im Vorderraum des Hauses, der nur durch ein eisernes Gitter vom Gartenvorplatz getrennt ist. Die Königin, wie immer, einen Schreibblock auf dem Schoß. Gerade als sie die zwei ersten Strophen des obigen Gedichtes niedergeschrieben, und während ich die Hände über die Tasten gleiten lasse, reißt sie die Seite ab und stellt das Blatt vor mich hin auf den Flügel. Ich lese die Verse. Da meldet der Diener Besuch, - einen Goldschmied aus Frankfurt; sie geht, den Herrn im Nebenzimmer zu empfangen. Sofort singe ich das Gedicht in den zwei ersten Strophen herunter; dann höre ich die Dichterin laut rufen von drüben, erfreut über die bereits gesungenen Verse. Nach einigen Minuten kommt sie zurück, und während ich am Flügel weiter phantasiere, schreibt sie in fliegender Eile den dritten und vierten Vers auf. Sie verschwindet wieder, indessen ich, auch diese Strophen hinzufügend, weiter singe. Sie kehrt dann zurück; laut jubelnd, schreibt sie die letzte Strophe auf und jubelnd singen wir beide hochbeglückt zusammen das ganze Lied von Anfang bis zu Ende."
Carmen Sylva schenkte Bungert eine noch heute bewohnte, im griechisch-antiken Stil erbaute Villa im idyllischen Leutesdorf am Rhein, in der er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Von dort aus versuchte er mit Hilfe eines eigens gegründeten Bungert-Bundes die deutsche Musikszene nicht nur für seine Opern, sondern auch für seine Tongemälde Auf der Wartburg und Zeppelins erste große Fahrt zu interessieren, was aufgrund seiner mangelnden Qualität als Komponist für großformatige Orchesterwerke und Opern, zu denen er selbst die ungelenken Verse schrieb, nicht gelang.
In Erinnerung blieb der 1915 verstorbene August Bungert aber durch eine Reihe von gelungenen Kunstliedern, in denen er in vielfältiger Weise den Rhein und die ihn umgebende Landschaft pries. Jürgen Gauert wird Leben und Wirken von August Bungert nachzeichnen, Ralf Sassen wird ergänzend dazu Briefe von Carmen Sylva, Kritiken und Gedichte lesen. Aus Bungerts musikalischem Nachlass werden der Tenor Dominik Wortig und die Sopranistin Nicola Müllers Auszüge aus seinen Opern und ausgewählte Lieder vorstellen. Die musikalische Leitung hat wie schon in den vergangenen Jahren Stefan Rütter.
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