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Juni 2000

Verloschen nun die letzte Leuchte...

 

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Zwischen dem 22. und 25.Juni 2000 fanden auf der Rheinterrasse des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses und im Hörsaal des Akademischen Kunstmuseums drei musikalisch-literarische Soiréen statt. Ein Streifzug über den Alten Friedhof in Bonn mit seinen Dichtern, Musikern, Pianisten und Musen.

Die Veranstaltungen wurden vom StadtMuseum in Zusammenarbeit Jürgen Gauert und Stefan Rütter durchgeführt.


Am 19. Dezember 1854 gastierte Clara Schumann, die hochgerühmte Pianistin und Gattin des romantischen Komponisten Robert Schumann, im Zürcher Kasino. Unter den Zuhörern befanden sich Richard Wagner und Mathilde Wesendonk. Bei einem anschließenden Empfang wurden die Klaviervirtuosin und Wagners Muse miteinander bekannt gemacht, deren Biografien durchaus unterschiedlich verliefen, bis auf eine Parallele. Sowohl Mathilde Wesendonk als auch Clara Schumann wurden auf dem Alten Friedhof in Bonn zur letzten Ruhe gebettet. Clara Schumann (Leipzig 1819-Bonn 1896) hatte trotz des heftigen Widerstands ihrer Familie Robert Schumann (Zwickau 1810-Bonn 1856) geheiratet, dessen berufene Interpretin seiner Klavierwerke sie war. Als 1854 offenbar wurde, dass Robert an einer unheilbaren Geisteskrankheit litt, wurde er in einer Anstalt bis zu seinem Tod in Endenich, und schließlich in Bonn begraben. Während seines Aufenthalts in Endenich ließ sich Schumann bisweilen auf den Alten Friedhof führen, wo er gerne vor dem Grab von Charlotte Schiller (Rudolstadt 1766-Bonn 1826) verweilte, die dort zusammen mit ihrem Sohns Ernst (Jena 1796-Villich 1841) beigesetzt wurde. Friedrich Schiller hatte seine Frau 1787 in Rudolstadt kennen gelernt und mit ihr eine glückliche Ehe geführt. Da ihr gemeinsamer Sohn Ernst in Köln als Appellationsrat wirkte und in Villich wohnte, siedelte Charlotte Schiller nach dem Tod ihres Manns nach Bonn über. Mit lebhafter Anteilnahme begleitete sie bis zu ihrem Ableben das Geistesleben der Stadt. Zu ihren Lieblingsplätzen der Stadt am Rhein gehörte der Alte Zoll, dessen wunderschöne Aussicht Karl Simrock (Bonn 1802-Bonn 1876) in seinem Buch "Das malerische und romantische Rheinland" anschaulich beschrieben hatte. Simrock wurde 1853 als Professor für Germanistik an die Universität seiner Heimatstadt berufen. Zuvor hatte er als unruhiger Geist in der jungen deutschen Demokratiebewegung gewirkt und sich öfters durch kritisch-politische Gedichte den Zorn der Herrschenden zugezogen. Simrocks Interesse an deutscher Literatur war während seiner Bonner Studienzeit durch die Vorlesungen des August Wilhelm von Schlegel (Hannover 1767-Bonn 1845) geweckt worden. Gemeinsam mit seinem Bruder Friedrich gehörte Schlegel zu den Wegbereitern der deutschen Dichtkunst der Romantik. Seine mit Ludwig Tieck besorgten Übersetzungen der Werke William Shakespeares und Miguel de Cervantes waren bahnbrechende Leistungen, die noch heute Gültigkeit besitzen, und viel zum Verständnis der unvergänglichen Dramen und Komödien des großen englischen Dichters in Deutschland beitrugen. Diese Übersetzungen der Shakespear'schen Bühnenwerke wurden von Richard Wagner gerne bei literarischen Zusammenkünften in der Villa Wahnfried im privaten Kreis vor einer andächtigen Zuhörerschaft rezitiert, doch der Bayreuther Meister wusste auch die Schriften Schlegels zu schätzen. "R. liest jetzt gern in A. W. Schlegels kritischen Aufsätzen", schrieb Cosima Wagner am 14.08.1872 in ihr Tagebuch. Zu dieser Zeit gehörte die heftige Liaison Wagners mit Mathilde Wesendonk (Elberfeld 1828-Traunblick 1902), der Gattin des Industriellen Otto Wesendonk (Elberfeld 1815-Berlin 1896), längst der Vergangenheit an. Abgesehen von anekdotenreichen Verwicklungen in der persönlichen Biografie Wagners, dem das Ehepaar Wesendonk nach seiner Flucht aus Deutschland 1857 in der Schweiz ein bescheidenes Asyl in Form einer Villa gewährt hatte, blieb die unerfüllte Liebe zwischen Mathilde Wesendonk und Richard Wagner in den 1857/58 komponierten Wesendonkliedern auf Texte von Mathilde dokumentiert, die als kompositorische Vorstudien zu seinem Meisterwerk "Tristan und Isolde" zu werten sind. Als der Sohn Hans Wesendonk 1882 während seines Studiums in Bonn starb, erwarb das Ehepaar Wesendonk ein Familiengrab auf dem Bonner Friedhof, in dem beide schließlich beigesetzt wurden. Nicht weit von dieser Grabstätte entfernt krönt eine schlichte weibliche Plastik das Grab der deutsch-baltischen Komponistin, Klaviervirtuosin und Musikwissenschaftlerin Ella von Schultz-Adaïewsky (St. Petersburg 1846-Bonn 1926). Sie verbrachte nach vielen Jahren des Aufenthalts in Venedig ihren Lebensabend bei der Baronin von Loë auf dem Schloss in Neuwied. Während die Werke der Komponistin Clara Schumann Eingang in das Konzertrepertoire fanden, harren die Kompositionen von Ella von Schultz-Adaïewsky immer noch der Neuentdeckung. Diese Namen ragen aus der Fülle großer Namen der Geistesgeschichte des 19. Jh. heraus, deren sterbliche Überreste in Bonn bestattet wurden. Zur letzten Ruhe gebettet wurden auf dem idyllischen Alten Friedhof auch Ernst Moritz Arndt (Schoritz/Rügen 1769-Bonn 1860) und seine Familie. Arndt widmete seinem früh verstorbenen Sohn Willibald eine Marmortafel mit einer berührenden Inschrift, die in ihrer schlichten Versen ebenso gut die anderen Grabstätten der großen Persönlichkeiten schmücken könnte: "Gute Nacht, ihr meine Freunde, / Alle meine Lieben! / Alle, die ihr um mich weint, / Laßt euch nicht betrüben. / Diesen Abstieg, den ich tu / In die Erde nieder, - / Seht die Sonne geht zur Ruh', / Kehrt doch morgen wieder."

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