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Spaziergang durch die Altstadt:

Auf der Suche nach den Spuren des Mittelalters

Das Bonner Münster

Die Stadtstruktur der heutigen Bonner Innenstadt ist im Mittelalter entstanden. Trotz weitgehender Zerstörung der mittelalterlichen Bebauung sind noch vielfältige Spuren zu erkennen. Vorgeschlagen wird eine Wanderung im Altstadtbereich. Wer mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann auch leicht bedeutende mittelalterliche Denkmäler in den Vororten erreichen.


Die Tour beginnt am Bonner Münster vor dem Ostchor. Das Münster ist das mit Abstand wichtigste mittelalterliche Denkmal in Bonn. Auf einem antiken Gräberfeld liegend, entstanden hier seit dem 6. Jahrhundert immer größere Kirchengebäude, denen ein Klerikerstift zugeordnet war. Ältestes zu sehendes Bauteil ist der Langchor aus der Mitte des 11. Jahrhunderts Die Apsis und den Kreuzgang ließ der Münsterprobst Gerhard von Are um 1140 errichten. Seine endgültige Gestalt erhielt das Münster in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Die Querschiffe, das Langhaus und der alles überragende Vierungsturm entstanden zu dieser Zeit

ehem. Pfarrkirche St. MartinVor dem Münster ist im Straßenbelag der Grundriß der ehemaligen Pfarrkirche St. Martin durch rotes Pflaster markiert. Da das Münster eine Stiftskirche war, nahm St. Martin die Pfarrfunktion für den Stiftsbezirk Poppelsdorf und Kessenich wahr.

Wendet man den Blick nach Osten zum Universitästgebäude und der anschließenden Buchhandlung Behrendt, so kann man sich in diesem Bereich den mittelalterlichen Palast des Kölner Erzbischofs vorstellen. In den Fundamenten ist er archäologisch nachgewiesen.

Einige Meter entfernt in der Straße Am Hof liegt der Eingang zur einzigen erhaltenen romanischen Privatkapelle, der sogenannten Helena-Kapelle. Sie könnte um 1160 vom Münsterprost Gerhard von Are erbaut worden sein.

Von der Straße Am Hof biegt man dann auf den Remigiusplatz ab. Hier stand die mittelalterliche Hauptpfarrkirche St. Remigius. Sie wurde 1806 abgerissen.

Gleich hinter St. Remigius lief die erste Bonner Stadtmauer aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Ihr weiterer Verlauf ist durch die anschließende Acherstraße markiert (Acher=achter="hinter" der Mauer gelegen). Diese Mauer umschloß das Münster und die engere Stiftssiedlung.

Von dort aus geht es auf den Marktplatz, der ursprünglich außerhalb der Stadtmauer lag. Hier siedelten sich gewerbetreibende Bürger an. Der Platz ist in seinem Grundriß noch erhalten.

Vom Marktplatz geht es in die Brüdergasse zur ehemaligen Dominikanerkirche (Minoritenkirche). 1274 wurden sie durch den Erzbischof in Bonn angesiedelt. Der klare und einfache Baustil ist typisch für die auf architektonischen Prunk verzichtende Bettelordensgotik. Nach Abriß der alten Hauptpfarrkirche St. Remigius wurde deren Patrozinium auf die Dominikanerkirche übertragen.

Von der Dominikanerkirche geht es zurück über den Marktplatz in die Sternstraße. Hier sind noch die engen mittelalterlichen Grundstücksgrenzen und die kleinteilige Bebauung an den heutigen Gebäuden abzulesen, auch wenn deren Bausubstanz inzwischen vollständig aus der Neuzeit stammt.

Am Ende der Sternstraße, kurz vor dem Friedensplatz geht der Blick nach rechts in die Kasernenstraße. Sie markiert den Verlauf der zweiten Stadtmauer von 1244, die bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Grenze der Stadt markierte. Hier am Ende der Sternstraße, auf Höhe der Kasernenstraße befand sich das Sterntor. Es wurde als letztes mittelalterliches Stadttor 1898 abgerissen.

Nach links in die Vivatsgasse setzte sich die Stadtmauer fort. Hier hat sich auch der einzig sichtbare Rest Mauer erhalten. Nach dem Abriß des Sterntores baute man Teile daraus an diesen originalen Rest heran. So kann man das Gesamtmonument eher als Beispiel für das historistische Mittelalterbild sehen.

Gleich neben dem Mauerrest steht rechts auf einer Säule der Bonner Löwe. Er stand ursprünglich auf einem flachen Sockel auf dem Münsterplatz. Er war ein Rechtszeichen, das die Gerichtsstätte markierte. Erst im Jahr 1900 wurde er auf den Sockel in der Vivatsgasse gestellt. Seit dem 2.Weltkrieg ist auf der Säule nur noch ein Abguß. Das Original steht jetzt im Stadtmuseum.

Der Weg folgt jetzt ungefähr dem Verlauf der Stadtmauer weiter über den Bottlerplatz und den Mülheimer Platz. Der Name Mülheim erinnert an das hier befindliche Mülheimer Tor der Stadtmauer. Wenige Meter vor dem Mülheimer Tor lag die Siedlung Mülheim, die nur aus ein paar Häusern bestand, etwa im Bereich, wo heute der Hauptbahnhof liegt.

Der Weg führt weiter an der Cassius Bastei vorbei über die Poststraße hinweg. Anschließend geht es in die Sürst Richtung Münster. Dort vor dem Westportal geht es nach recht die Gangolfstraße ab. Der Name erinnert an die vor dem Westportal gelegene Pfarrkirche St. Gangolf, die 1806/07 abgerissen worden war. Sie war die Pfarrkirche für das Dorf Mülheim.

Der Weg führt jetzt wieder auf den Münsterplatz. Hier steht die Prangersäule. Die Basis stammt wohl aus romanischer Zeit, während es sich bei der Säule um eine wiederverwandte römische Säule handeln könnte. Ganz in ihrer Nähe stand ursprünglich auch der Bonner Löwe.

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