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Freizeittips:
Eine Fahrradtour auf den Spuren der Römer
©StadtMuseum Bonn
Die Geschichte Bonns reicht zurück bis in die römische Zeit. Eine etwa 2½-stündige Fahrradrundfahrt führt zu Orten, an denen die Römer Spuren hinterlassen haben.
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Start: Vom Ernst-Moritz-Arndt-Haus (Dependence StadtMuseum Bonn) Adenauerallee 79 / Ecke Zweite Fährgasse führt der Weg hinunter zum Rhein Richtung Kennedybrücke bis zur Josefstraße.
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Nachdem Cäsar 51 v. Chr. das Rheinland erobert hatte, unternahmen römische Truppen in den darauffolgenden Jahren von dort immer wieder Feldzüge zur Eroberung des rechtsrheinischen Germaniens. Nach der verheerenden Niederlage der Römer in der berühmten "Varusschlacht" 9 n. Chr. im Teutoburger Wald mussten sie sich jedoch wieder zurückziehen. Zwischen Josefstraße und dem Universitätshauptgebäude wurde nun von den Römern ein Hilfstruppenlager für etwa 1.000 Legionäre errichtet, das zur Sicherung der Rheingrenze diente. Bei Ausgrabungen wurden Reste der Umwallung, des Grabens und von Gebäuden entdeckt, die jedoch nicht erhalten sind.
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Man fährt weiter durch die Josefstraße, dann rechts durch die Sandkaule und die Welschnonnenstraße. Kurz vor der Theaterstraße und der Beethovenhalle ist rechts ein römischer Ofen aus dem 3. Jh. n. Chr. unter einer Glasvitrine zu sehen. Er wurde bei Bauarbeiten gefunden und gehörte wohl zu einer Garküche in einem lang gestreckten Fachwerkgebäude in der Lagervorstadt. Diese war nach Verlegung des Lagers in den 40er Jahren des 1. Jh. in diesem Bereich gewachsen. Man vermutet, dass hier bis zu 10.000 Menschen lebten, Familien der Soldaten, Gastwirte, Kaufleute, Handwerker und Händler. Zu dieser sog. "Canabae legionis" gehörte auf der gegenüberliegenden Straßenseite, am Stiftsplatz, auch ein Tempelbezirk.
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Das seit 43 n. Chr. für ca. 6.000 Soldaten errichtete Römerlager "Castra Bonnensia" erreicht man, indem man der Straße nach Norden zur Römerstraße folgt. Sie war im Lager die senkrechte Nord-Süd-Achse. Zusammen mit der heutigen Nordstraße bildete sie das in allen Römerlagern zu findende Kreuz aus via principalis und via praetoria. Der Umriss des fast quadratischen Lagers ist noch heute im Stadtbild durch den Verlauf der Straßen Rosental, Graurheindorfer Straße, Wichelshof und Augustusring erkennbar.
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Hinter der Kreuzung Rosental/Römerstraße ist rechts die Kopie des Grabsteins des Pintaius aufgestellt. Die Inschrift lautet übersetzt: "Pintaius, Sohn des Pedilicius, aus dem Castell Intercatia in Sturia Transmontana, signifer (Feldzeichenträger) der fünften Asturerkohorte, dreißig Jahre alt, mit sieben Dienstjahren. Der Erbe ließ (das Grabmal) aufgrund des Testaments anfertigen." Pintaius stammte demzufolge aus Nordwestspanien. Den genauen Fundort des Grabsteins kennt man nicht. Nekropolen des 1. Jh. sind jedoch entlang der Kölnstraße und der Adenauerallee belegt.
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Ein Modell des Römerlagers befindet sich hinter der Kreuzung Rosental/ Drususstraße in einem kleinen Park auf der rechten Seite. Es zeigt die ergrabene Situation des Lagers Ende der 70er Jahre des 1. Jh.: Neben den Soldatenunterkünften gab es Wohnhäuser der Offiziere, ein Lazarett, Wirtschaftsgebäude und ein zentrales Versammlungsgebäude mit Fahnenheiligtum. Umgeben war das Lager von einer Steinmauer und einem Erdwall mit Wehrgang und Graben. Einige originale Steinfragmente aus dem Lager sind auf der gegenüberliegenden Seite aufgestellt.
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Die erhaltenen Grundmauern hinter dem Modell stammen aus der Frankenzeit. Es sind Reste der Dietkirche, die um 600 n. Chr. errichtet wurde. Es ist die älteste Pfarrkiche in Bonn. Sie gehörte zur Siedlung "Bonn-Burg", die bis zum 12. Jh. im südlichen Teil des Römerlagers bestand.
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Man fährt das Rosental zurück bis zum Rheinufer. In römischer Zeit gab es hier vor dem Lager einen Hafen, der von einem halbmondförmigen Hafenbecken umschlossen war. Die fast 500 m lange Mole muss aus einem Holzrahmenwerk erbaut worden sein, das mit Steinen verfüllt war. Die Hafeneinfahrt lag stromabwärts. Bei Niedrigwasser ist das Hafenbecken noch erkennbar.
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Entlang des Rheins geht es weiter Richtung Norden und dann links in den Augustusring. Wenige Meter vor der Römerstraße steht der Nachbau eines etwa sieben Meter hohen römischen Baukrans. Als Vorlage für diese Rekonstruktion diente die Darstellung auf einem römischen Grabrelief aus Centrocella/Italien. Betrieben wurde der Kran ähnlich wie ein Hamsterrad von 4-6 Soldaten, von denen zwei im Rad liefen und so wie mit einem Flaschenzug tonnenschwere Steine bewegten. Ein solches Baugerät war sicherlich auch beim steinernen Ausbau des Bonner Lagers für Gebäude und Mauern verwendet worden.
10 An der dortigen Straßenkreuzung Römerstraße/Augustusring war das nördliche Lagertor. Hier hat man die Kopie des Grabsteins des Publius Clodius aufgestellt. Das Original befindet sich im Rheinischen Landesmuseum Bonn. Die Inschrift lautet übersetzt: "Dem Publius Clodius, Sohn des Publius, aus dem Stammbezirk Voltinia, geboren in Alba, Soldat der 1. Legion, 48 Jahre alt, mit 25 Dienstjahren (verstorben). Er liegt hier begraben." Er stammte aus der Provence und verstarb kurz vor seiner Pensionierung im 1. Jh. n. Chr.
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Über die Römerstraße geht es weiter Richtung Norden. Kurz vor der Friedrich-Ebert-Brücke ist rechts die Auffahrt für Fahrradfahrer zur Brücke, die man auf der gegenüberliegenden Seite nach Süden verlässt. Dann fährt man über den Deich Richtung Beuel. Das linksrheinische Gebiet war für die Römer feindliches Barbarenland. Hinter der ersten Siedlung an der Arnoldstraße steht auf der rechten Seite ein Caesar-Denkmal aus dem 19. Jh. Es wurde anl. der 2000-Jahr-Feier Bonns 1989 hier aufgestellt, da man damals noch die Existenz einer Brücke in römischer Zeit an dieser Stelle vermutete. Aus diesem Grund hält Caesar auch ein Brückenmodell in der Hand, das sich zudem auf eine Textpassage aus Caesars "Gallischem Krieg" bezieht. In dieser beschreibt er detailliert die Bautechnik für Brücken. Die damals zum Beleg der Brückentheorie herangezogene Schriftquelle des römischen Schriftsteller Floris ist nach neuesten Forschungen jedoch nicht haltbar.
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Der Weg führt nun weiter Richtung Beuel und über die Kennedybrücke zurück nach Bonn. Man umfährt das dortige Hotel und gelangt über das Erzberger- und Brassertufer rechts hoch in die Rheingasse und durch die Rathausgasse zum Ostchor des Münsters. Zwei mächtige Steinköpfe erinnern an das Martyrium der römischen Soldaten Cassius und Florentius, die hier im 3. Jh. aufgrund ihres christlichen Glaubens geköpft worden sein sollen. Sie wurden seit dem 4. Jh. hier verehrt. Eine unter dem Münster gefundene Gedächtniskapelle - Cella memoriae - steht in diesem Zusammenhang.
Ältere archäologische Zeugnisse belegen zudem einen Tempelbezirk im Bereich des heutigen Münsters. Hier hat man vor allem die "Aufanischen Matronen" verehrt, was durch zahlreiche Weihesteine und Altäre belegt ist. Die bei Ausgrabungen in den Fundamenten des Münsters gefundenen Reste eines Heiligtums wurden an der Mauer des Kreuzgangs neben dem Ostchor aufgestellt. Weitere römische Steine - Spolien - wurden auch in den Mauern der Kirche verbaut: Kuriosum ist ein in etwa 2 m Höhe verbauter römischer Ziegelstein mit dem Stempelabdruck der "Legio I Minerva" (LIM) und dem wohl zufälligen Abdruck einer Hundepfote daneben. Die Legion war seit 83 n. Chr. in Bonn stationiert.
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Vom Münster fährt man durch die Straße "Am Neutor" zum Hofgartens und dahinter links zur Konrad-Adenauer-Allee, an der sich nach etwa 50 m stadteinwärts das Collegium Albertinum, ein neugotisches Backsteingebäude, befindet. Über eine Treppe vor dem Gebäude gelangt man zu den Resten einer römischen Badeanlage. Erhalten sind verschiedene Wasserbecken und Heizungsanlagen. Die Therme gehörte zu einem militärischen Gebäudekomplex, der an dieser Stelle seit dem 1. Jh. n. Chr. nachweisbar ist. Die genaue Funktion dieser militärischen Dienststelle ist unbekannt.
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Man fährt nun durch die erste Fährgasse zum Rhein Richtung Süden ins Regierungsviertel. Ausgrabungen hinter dem ehem. Bundestagsgebäude haben ergeben, dass sich hier eine ausgedehnte römische Siedlung befunden hat. Aufgrund zahlreicher Nachweise für Handwerksbetriebe (Töpfereien, Ziegeleien usw.) spricht man von einem "vicus", einer Handwerkersiedlung. Man hat auch eine Tempelanlage und gut erhaltene Thermen entdeckt.
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Im südlich an das Regierungsviertel anschließenden Rheinauenpark wurde eine römische Gräberstraße rekonstruiert. Dorthin gelangt man, wenn man hinter dem "Langen Eugen" entlang des Rheins bis zum Bismarckturm fährt. Dahinter führt eine Holzbrücke und anschließend eine langgestreckte Kurve hinauf zur Gräberstraße hinter dem "Löffelwald". Ein wichtiges römisches Zeugnis ist hier die Kopie eines Kenotaphs für den Soldaten Marcus Caelius am westlichen Zugang zur Gräberstraße. Caelius war vermutlich ein in Xanten stationierter Legionär, der in der Varusschlacht im Teutoburger Wald gefallen ist. Die Inschrift auf dem Stein war lange Zeit einziger Beleg für die Existenz dieser Schlacht der Römer gegen den Frankenfürsten Armenius. Aufgestellt wurden zudem Kopien von Grabsteinen und Altären, die man in Bonn und Umgebung gefunden hat.
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Als weitere Station ist ein Abstecher in das "Haus der Geschichte" zu empfehlen. Dazu fährt man am "Japanischen Garten" und am Rheinpavillon vorbei durch die Charles-de-Gaulle-Straße, biegt links am Langen Eugen Richtung Heussallee ab und erreicht die Willy-Brandt-Allee. Das Haus der Geschichte befindet sich stadteinwärts auf der linken Straßenseite. Während der Bauzeit des Museums wurde ein römischer Keller entdeckt, der in seiner ursprünglichen Lage rekonstruiert wurde. Er gehört zu einem Wohnhaus im römischen Vicus.
Wegweiser Innenstadt:

Wegweiser Rheinaue:

Idee: StadtMuseum Bonn
Konzeption und Text: Sigrid Lange
Fotos: Volker Freynhagen
Satz und Layout: Karin Hensel-Kleuver
© StadtMuseum Bonn, 2006
www.bonn.de/stadtmuseum
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