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Entstehungsgeschichte des StadtMuseums

 

Obwohl sich schon 1886 in Bonn ein Verein historisch interessierter Bürger unter dem Namen 'Bonnensia' mit der Zielsetzung konstituierte, durch Erwerbungen und Ankäufe eine Sammlung zusammenzutragen, die zur Einrichtung eines Stadtmuseums durch die Stadt Bonn führen sollte, sollte es mehr als ein Jahrhundert dauern, bis dieser Wunsch mit der Eröffnungs des StadtMuseums am 15. Januar 1998 in Erfüllung ging.

 

Der Bonner Verein, dessen Nachfolger heute im übrigen der Mitglieder-starke Bonner Heimat- und Geschichtsverein ist, stand damals keineswegs allein, denn im ausgehenden 19. Jahrhundert kam es in vielen deutschen Städten zu Vereinsgründungen mit demselben Zweck, der zum Teil - z. B. in Köln oder München - nur viel früher erreicht wurde. Auch in Bonn gab es immer wieder vielversprechende Anläufe, so sollte u. a. noch vor dem Krieg der später zerstörte Boeselager Hof und nach dem Krieg das ehemalige Fürstenbergische Palais am Münsterplatz Standort des Stadtmuseums werden, in das die alten Sammlungen - neben der Vereinssammlung noch der Nachlaß des Bonner Medizinprofessor Obernier - Eingang finden sollten. Daß es nie dazu kam, hatte vor allem finanzielle Gründe, die die Stadt immer wieder zurückscheuen ließen, und als es nach dem Krieg tatsächlich zu einem hauptamtlich geleiteten Städtischen Museum kam, gab man - im Zusammenhang mit der neugewonnenen Rolle von Bonn als Bundeshauptstadt - neben der Sammlung Rheinischer Expressionismus vor allem der neuen Gegenwartskunst in Deutschland konzeptionellen Vorrang.

 

Im Zusammenhang mit der 2000-Jahr-Feier endlich fielen die Würfe zugunsten der Einrichtung eines historischen Stadtmuseums durch einen entsprechenden Ratsbeschluß. Daß trotz der mittlerweile schwierigen Finanzsituation der Kommunen daran festgehalten wurde, ist eine besondere Leistung und ein spezielles Angebot an die Bonner Bürger, sowohl an die, die so lange dieses Ziel - vertreten durch die Arbeitsgemeinschaft der Bonner Heimat- und Geschichtsvereine - vertreten haben, wie auch an diejenigen, die sich anhand des Stadtmuseums mit der Geschichte ihrer Stadt vertraut machen wollen, die so viele bedeutende Epochen hinter sich - vor ihrer Rolle als Bundeshauptstadt war sie immerhin über ca. 300 Jahre Haupt- und Residenzstadt der Kölner Kurfürsten - , und mit neuen Zielen und Perspektiven vor sich hat, wobei auch ihre Lage vor dem Panorama des Siebengebirges, die schon in den vergangenen Jahrhunderten viele Reisende entzückt hat, ein nicht unerhebliches Gewicht hat.

 

Als sich im Jahre 1886 Bonner Bürger zur Gründung des Vereins "Bonnensia" zusammentaten, geschah dies mit dem Ziel, für die Gründung eines Stadtmuseums tätig zu werden. Nur wenige Jahre vorher - 1882 - war der Stadt per Vermächtnis die Kunstsammlung des Bonner Medizinprofessor Dr. Franz Obernier samt Villa und einem Barvermögen in Höhe von 130000 Mark übereignet worden, aus deren Zinsen die Villa Obernier als städtisches Museum unterhalten werden sollte. Obwohl die Villa als Städtisches Museum 'Villa Obernier' 1884 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, konnte man sich - mangels professioneller Leitung - zu keinem Konzept durchringen, weder zum Ausbau der hauptsächlich Düsseldorfer und Münchner Malerschule nebst einigen frühen Niederländern und Italienern bestehenden Sammlung Oberniers, noch zum Ausbau einer Sammlung Alter, was mit der angebotenen Übernahme der Wesendonckschen Sammlung möglich gewesen wäre, aber auch nicht zur Öffnung für die zeitgenössische bildende Kunst. Genauso wenig sollte die begonnene Sammeltätigkeit des 1886 gegründeten Museumsvereins 'Bonnensia', die sich hauptsächlich auf Zeugnisse der kurfürstlichen Zeit richtete in den Räumen der Villa Obernier außer einem kleinen Magazinraum eine Heimstatt finden.

 

In Bonn gab es zu dieser Zeit nur das schon 1819 gegründete Akademische Kunstmuseum und das "Königliche Museum Vaterländischer Alterthümer der Rheinlande und Westphalens, das durch die Gründung des "Vereins von Alterthumsfreunden im Rheinlande" neuen Schwung bekam, der letztendlich auch für die Ansiedlung des Rheinischen Provinzialmuseums in Bonn entscheidend war, das 1889 unter Übernahme der Vereinssammlungen in der Colmantstraße eröffnet wurde.

 

Geringe Geneigtheit und finanzielle Probleme ließen ein entsprechendes Vorgehen der Stadt hinsichtlich der heimatgeschichtlichen Sammlung des Museumsvereins 'Bonnensia', der bald darauf in 'Alt-Bonn' umbenannt wurde, und heute als "Bonner Heimat- und Geschichtsverein" immer noch vitalen Anteil am Stadtgeschehen nimmt, nicht zu. Nach Auslagerung der Sammlungsbestände des Vereins in den späten 30er-Jahren nach Köln, wo sie in das projektierte "Haus der Rheinischen Heimat" integriert werden sollten, Kriegsverlusten und Rückführung in den Nachkriegsjahren nach Bonn, entschloß sich der Verein am 22. Januar 1957 die Sammlung der Stadt Bonn zu schenken, natürlich mit der Bestimmung, sie so bald wie möglich in einem Historischen Stadtmuseum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit 1947 gab es ein Städtisches Museum unter professioneller Leitung, das sein Domizil in einem umgebauten Bürotrakt in der Rathausgasse 7 gefunden hatte, da die Villa Obernier im Krieg zerstört worden war. Doch obwohl die ersten Direktoren sich noch von den Sammlungsschwerpunkten 1. Rheinischer Expressionismus, 2. Ergänzung der Sammlung Oberniers und Alt-Bonn und 3. Anlage einer Sammlung deutscher Kunst nach 1945 leiten ließen, war bald klar, daß die historische Sammlung der Neukonzeption im Wege stand, weshalb sie bald wieder ein 'Bunker-Dasein' fristete.

 

Sowohl in den 60er und 70er Jahren machte sich deshalb der Bonner Heimat- und Geschichtsverein weiterhin für die Gründung eines Stadtmuseums stark, und immer mal schienen entsprechende Pläne auch Erfolg zu haben, bevor sie wieder aus finanziellen Gründen scheiterten. Die anläßlich seines 100. Jubiläums vom Verein veranstaltete große Ausstellung im Landesmuseum "Bonn zur Kaiserzeit" hatte so großen Erfolg, daß sich im gleichen Jahr auch der "Förderverein Historisches Stadtmuseum" gründete, um sich dem jahrhundertealten Anliegen des Bonner Heimat-und Geschichtsverein nachdrücklich anzuschließen. Und tatsächlich schien diesmal die Ausgangslage günstig: Bonn bereitete sich auf seine 2000-Jahr-Feier vor und hatte sich als Bundeshauptstadt fest etabliert. Im Jahr der 2000-Jahr-Feier wurde der Ratsbeschluß zur Einrichtung eines Historischen Stadtmuseum unter Übernahme der alten Bestände getroffen, und die Stelle für den Aufbau und die Leitung des Museums ausgeschrieben, die zum Jahresende auch besetzt wurde. Der Bundestagsbeschluß mit der Entscheidung für Berlin als Bundeshauptstadt im Jahre 1991 schien wieder alles ins Wanken zu bringen, doch das Engagement der beiden aufeinanderfolgenden Stadtoberhäupter - Oberbürgermeister Dr. Hans Daniels und Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann - war so groß und nachhaltig, daß man auch in den Zeiten sparsamster Finanzverwaltung an der Realisierung festhielt. Von seiner Seite wußte sich das Stadtmuseum neben den langwierigen und mühsamen Bestandserfassungen mit Sonderausstellungen ins Bewußtsein der Öffentlichkeit zu bringen, die im Ernst-Moritz-Arndt-Haus ausgerichtet wurden, das seit 1991 als Dependance zum Stadtmuseum gehört, und auch weiterhin die kunst-und kulturhistorischen Ausstellungen des Stadtmuseums speziell zu Themen des 19. Jahrhunderts aufnehmen wird. Mit seinen Ausstellungen, u. a. "75 Jahre Bauhaus", "Der Lauf des Rheins", "Robert Schumann und die Dichter", "Clara Schumann" und "Heinrich Heine als Bonner Student" konnte das Stadtmuseums nicht nur überregional Besucher ansprechen, sondern ging es auch bewußt einen Weg der Kooperation mit anderen rheinischen Museen, so dem Kölnischen und dem Düsseldorfer Stadtmuseen, dem Heinrich-Heine-Institut und dem 'Künstlerverein Malkasten' in Düsseldorf, aber auch mit Museen und Forschungsstellen der neuen Bundesländer, u. a. mit dem Robert-Schumann-Haus in Zwickau und der Staatlichen Kunstsammlung in Weimar.

 

Mit der Eröffnung der Dauerausstellung am 14. und 15. Januar im ehemaligen Sauna- und Reinigungstrakt des Viktoriabades bezieht das Stadtmuseum Bonn einen Standort innerhalb der alten Stadtmauern der Stadt, unmittelbar vis à vis von der alten Residenz der Kurfürsten, der heutigen Universität, was auch dem Sammlungsschwerpunkt - die kurfürstliche Zeit im 18. Jahrhundert - insofern zugute kommt, da die entsprechenden Räume den Blick auf die Außenfassade der Universität freigeben.

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