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Zwei Sonderausstellungen:
250 Jahre Bonner Keramik

19. Mai bis 10. Juli 2005
StadtMuseum Bonn, Franziskanerstraße 9
Mo 9.30-14 h, Do-Sa 13-18 h, So 11.30-17 h

22. Mai bis 10. Juli 2005
Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Adenauerallee 79
Mi-Sa 13-17 h, So 11.30-17 h
ab 1. Juni 2005
Ausgewählte Stücke werden in den Räumen des Bundesrechnungshofes gezeigt, der auf dem ehemaligen Firmengelände der Firma Franz Anton Mehlem steht, gezeigt.
Am 12. und 19.Juni 2005 wird Günther Herrmann all Ihre Fragen zur Bonner Keramik beantworten. Er weiss Interessantes und Wissenswertes zur Geschichte der Bonner Keramik und zur Firmengeschichte von Franz Anton Mehlem, Wessel, Villeroy+Boch zu berichten. Er wird an diesen Sonntagen jeweils für eine Stunde auf Sie warten, und zwar ab 11.30 Uhr im StadtMuseum, Franziskanerstraße 9 und ab 14.30 Uhr im Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Adenauerallee 79
Sonntag, 03. Juli 2005, ab 15 Uhr:
Rheinischer Kaffeeklatsch mit Bonner Keramik und rheinischer Literatur mit Ingrid Bodsch und Axel Schmitt
15 Uhr Führung durch die Sonderausstellung "250 Jahre Bonner Keramik" im StadtMuseum Bonn, Franziskanerstraße 9
anschliessend Spaziergang mit Ingrid Bodsch am Rhein zum Ernst-Moritz-Arndt-Haus, Adenauerallee 79 und Führung durch die Sonderausstellung "250 Jahre Bonner Keramik" im Ernst-Moritz-Arndt-Haus
anschliessend rheinische Kaffeetafel und Kuchenbuffet auf Bonner Keramik mit rheinischer Literatur (Lesung)
Preis 8 Euro pro Person
verbindliche Anmeldung erforderlich: Tel. 772094 und 772414 (vormittags)
An den Museumskasse und gegen schriftliche Bestellung im Museumsbüro ist der Katalog "Bonner Keramik. 3. Bestandskatalog. Hrsg. Dr. Ingrid Bodsch. Bearb. Claudia Haunhorst. 1999. ISBN 3-931878-11-2" zum Preis von 19,50 Euro erhältlich
19.06.2005: 250 Jahre Gründung der Fayence Manufaktur in Poppelsdorf. Festveranstaltung des Fördervereins Poppelsdorfer Geschichte e.V. im Gartensaal des Poppelsdorfer Schlosses mehr[...]
Poppelsdorfer Fayence, Ludwig Wessel,
Franz Anton Mehlem resp. - als kurzzeitige Nachfolgefirma - Villeroy & Boch, Bonn
Mit einer Auswahl aus keramischen Gegenständen Bonner Produktion - Tafelgeschirr, Waschgeschirr, Vasen, dekorativen Einzelgegenständen etc. aus eigenem Bestand sowie aus Privat-, Museums- und Firmenbesitz möchte das StadtMuseum Bonn auf einen der bedeutend-sten Bonner Industriezweige bis zum 1. Weltkrieg hinweisen, dessen Produkte nicht nur auf den großen Weltausstellungen um die Jahrhundertwende gebührende Beachtung fanden, sondern über zahlreiche Filialen und Niederlassungen in der ganzen Welt - in Europa, USA, Südamerika, Australien und Fernost - angeboten und verkauft wurden.
Eine Zusammenschau von Erzeugnissen der Bonner keramischen Industrie ist in Bonn zum ersten und einzigen Mal in den dreissiger Jahren in der Villa Obernier ausgestellt gewesen. "Aus den Sammlungen des Vereins Alt-Bonn, besonders aber aus dem Besitz ... der Familien Wessel und Guillaume konnten mehr als 120 wertvolle Poppelsdorfer Fayencen zusammengetragen werden. Eine Glanzzeit der Bonner keramischen Industrie war die Zeit der achtziger Jahre bis etwa 1900, die auch durch eine große Anzahl keramischer Erzeugnisse der Firmen Wessel und Franz Anton Mehlem ... vertreten waren. Die Ausstellung bot einen reichhaltigen Überblick über eine für die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte unserer Stadt außerordentlich bedeutsame Industrie. Damals wurde der Wunsch der Stadt ausgesprochen, diese keramische Schau ... in Form einer Dauerausstellung zu erhalten. Im künftigen Heimatmuseum, vielleicht besser noch in einem Bonner keramischen Museum, sollten die zahlreichen, prachtvollen Keramiken als beredte Zeugen der hohen Blüte der alten Bonner keramischen Industrie einmal zusammengefaßt werden".
Was davon übrig blieb, bildet den Grundstock der Keramiksammlung des 1989 gegründeten StadtMuseums Bonn, das den Bestand durch Ankäufe und großherzige Schenkungen auf heute knapp 900 Objekte vergrößern konnte, die bis zum Erwerbsdatum 1998/99 im 1999 erschienenen Bestandskatalog des StadtMuseums Bonn vorgestellt werden.
Davor hatten die Erzeugnisse der Firmen Wessel und Mehlem (inkl. Villeroy & Bock, Bonn, als Nachfolger von F. A. Mehlem) lediglich seitens des Freilichtmuseums Kommern in den beiden vorzüglichen Monografien und Bestandskatalogen 1980 und 1984 eine grundlegende Würdigung erfahren, wobei sich Michael Weisser schon zuvor wegweisend mit der Poppelsdorfer Fayencerie beschäftigt hat, die seit 1755 auf Veranlassung von Kurfürst Clemens August produziert worden ist.
Das in Bonn (von 1905 - 1959 kam noch die Firma "Rhenania" dazu) produzierte Steingut - Wessel stellte daneben allerdings auch Ware aus Porzellan her - hatte für den Endverbraucher viele Vorteile. Es war nicht so teuer wie Porzellan, konnte den wechselnden Deko-rationswünschen des Bürgertums gerade durch die industrialisierte Fertigung schneller entsprechen und bot den vorher im Haushalt vorherrschenden Holz-, Ton- und Metallwaren gegenüber eine verbesserte Haltbarkeit und Hygiene. Die Hersteller versuchten, dem Material durch verbesserte Massen eine porzellanerne Qualität abzugewinnen, und die Bonner Firmen Mehlem und Wessel, die sich bei in der Nachfolge der 1755 von Kurfürst Clemens August begründeten Poppelsdorfer (Fayence-) Manufaktur gesehen haben, waren zwischen 1880 und 1910 damit ungemein erfolgreich und technisch auf der Höhe ihrer Zeit. Um 1830 wird bei Wessel das Kupferumdruckverfahren zur Dekoration der Ware verwendet. Die Firma Mehlem benutzte Druckverfahren offensichtlich von Anfang an, wobei die Drucktechniken immer weiter verfeinert und vereinfacht wurden. Die Druckereien für diese Dekore waren bei beiden Firmen eigene Abteilungen. Sie druckten auch Dekore nur in Umrissen, die später von den "Ausmalern" von Hand fertiggestellt wurden. Die "Maler", die freihändig Gefäße, hauptsächlich Vasen, nach eigenen Ideen oder Vorlagen bemalten, bildeten wiederum eine eigene Abteilung. Ihr Selbstverständnis war nicht das eines Künstlers, sondern eines Arbeiters, weshalb es nicht verwundert, erst ab ca. 1900 - und auch da nur bei Franz Anton Mehlem - signierte Arbeiten zu finden. Manchmal arbeiteten die Firmen im Auftrag oder nach Entwürfen von Künstlern oder Lehrern der großen Kunstgewerbeschulen wie Ernst Aufseeser, Wilhelm Neuhäuser oder Peter Behrens, der die Ausstattung seines Hauses auf der Mathildenhöhe in Darmstadt bei Mehlem in Auftrag gab. Als weiterer, bekannter Künstler arbeitete zeitweilig sogar August Macke selbst in der Malerei der Mehlem'schen Fabrik. In der Natur der zerbrechlichen Ware ist begründet, daß das heute noch Erhaltene häufig aus dem künstlerischen Bereich stammt, während von der typischen, und natürlich in viel größerem Umfang produzierten Gebrauchsware, darunter beispielsweise die Waschgarnituren als wahrer Verkaufsschlager der Bonner Firmen Franz Anton Mehlem und Ludwig Wessel, weniger erhalten geblieben ist.
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