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Jacob Dietzler, um 1840

17. September 2006, 11.30 Uhr

Paul Gulda mit jungen Musikern aus seinem Pianistenworkshop im Rahmen des Festivals Junger Künstler Bayreuth, 2006:


Franz Liszt, Robert Schumann, Frederic Chopin u.a.

Paul Gulda, Michael Weingartmann, Vasyl Humnytskyy, Kanade Joho, Kamil Mihalov, Isil Bengi
Eine Veranstaltung des StadtMuseums Bonn in Verbindung mit dem Festival Junger Künstler Bayreuth und dem Kulturamt der Stadt Bonn im Kapitelsaal des Klosters Nonnenwerth aus Anlass des Schumannjahres 2006. Mit Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien


Am Stamm der Liszt-Platane vo rdem Kloster Nonnenwerth, stehend von li nach rechts: Vasyl Humnytskyy, Paul Gulda, Isil Bengi, Michael Weingartmann, davor kniend: Kanade Joho, Kamil Mihalov PROGRAMM

Franz Liszt Ave Maria
(1811-1886) aus: Harmonies poétiques et religieuses (1835/1853)
PAUL GULDA

Franz Liszt Liedbearbeitungen nach Franz Schubert
Ständchen: Leise flehen meine Lieder
Ständchen von Shakespeare: Horch horch die Lerch im Ätherblau
Gretchen am Spinnrad (Faust): Meine Ruh´ist hin
MICHAEL WEINGARTMANN

Sigismund Thalberg Konzertfantasie nach "La Traviata" von Verdi (1812-1871)
VASYL HUMNYTSKYY

Frédéric Chopin Ballade Nr. 3 in As-Dur, op. 47 (1841) (1810-1849)
KANADE JOHO

Robert Schumann Davidbündlertänze op. 6 , I. Heft (1834-36)
Lebhaft - Innig - Mit Humor -
Ungeduldig - Einfach - Sehr rasch (und in sich hinein) -
Nicht schnell (mit äußerst starker Empfindung) - Frisch -
Lebhaft (Hierauf schloß Florestan und es zuckte ihm schmerzlich um die Lippen)

KAMIL MIHALOV

PAUSE

Robert Schumann aus: Fantasiestücke op. 12 (1837)
Des Abends - In der Nacht -
Grillen -- Ende vom Lied
KANADE JOHO

Frédéric Chopin Scherzo Nr. 2 in b-moll, op. 31 (1837)
Franz Liszt aus: Études d´Exécution transcendante (1826/1852)
Nr. X, f-moll: Allegro agitato molto
ISIL BENGI

Franz Liszt Paraphrase auf "Rigoletto" von Verdi (1859)
VASYL HUMNYTSKYY

Franz Liszt Liedbearbeitungen nach Robert Schumann
Frühlingslied: Durch den Garten, durch die Lüfte
Widmung: Du meine Seele, Du mein Herz
MICHAEL WEINGARTMANN

Franz Liszt Notturno Nr. 3 (Liebestraum) As-Dur (1843/1850)
PAUL GULDA

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Musikfreunde,

es ist für uns eine große Freude, und auch Ehre, an einem solch außergewöhnlichen Ort wie Nonnenwerth ein Konzert gestalten zu dürfen. So hoch romantisch und malerisch, dazu spirituell und zur Besinnung auf das Wesentliche auffordernd, und mit reichen historischen und musikalischen Bezügen! Unser Dank dafür an alle Verantwortlichen, und ganz besonders an Frau Dr. Bodsch vom Stadtmuseum Bonn.
Wir präsentieren Ihnen heute einige der Werke, die während unseres Klavierseminars (oder Kollegiums, wie wir es auch gerne nennen) im Rahmen des "Festivals Junger Künstler" in Bayreuth, August 2006, erarbeitet wurden.

Man könnte jetzt auf die kulturgeschichtlichen und persönlichen Verbindungen eingehen, welche die Stadt Beethovens und Schumanns mit jener von Wagner, Liszt und Jean Paul verbinden - sie sind hinlänglich bekannt. Stattdessen möchte ich mit einem Gedanken an eines der heute gespielten Werke anknüpfen, nämlich an Robert Schumanns "Davids-bündlertänze":
Ausgehend von einer musikalischen Keimzelle, Motto genannt (es erklingt gleich zu Beginn), welches von seiner Verlobten Clara Wieck stammt, entwickelt Schumann hier ein Kaleidoskop von Tanzsätzen. Im Konzept durchaus verwandt mit Papillons op. 2 und Carnaval op. 9; hier wie da dienen die Ballszenen nicht allein dem Tanzvergnügen, sondern der Darstellung des Ball-geschehens als Brennpunkt des Lebens mit seinen vielfältigen Begegnungen, Charakteren und Beziehungen. Kein Totentanz, ein Lebenstanz...! Vielsagend das Zitat von Schumann aus einem Brief an Clara: " Wo im Carnaval Masken sind, sind hier Gesichter..." ! Die Davidsbündler nun sind Mitglieder eines von Schumann imaginierten Kreises (ohne Verein und Statut...) gleichgesinnter Musiker, wenige nur und gegenüber den "Philistern" des offiziellen und etablierten Musiklebens schwach erscheinend...und doch, wie David gegen Goliath, am Ende siegreich. Er zählte darunter neben sich und Clara auch Freunde wie Ludwig Schunke und Walther von Goethe, und auch von fern verehrte Kollegen wie etwa Chopin. Nun, Sie ahnen wohl, wie so ein Gedanke auf eine Gruppe junger Pianisten wirken kann und will: als immer noch gültige Aufforderung und Ermutigung, mit unserem Spiel nicht allein Applaus und Broterwerb zu suchen...; sondern, in brüderlichem Geist verbunden, durch die Musik menschliche und spirituelle, eben humanistische Werte zu vertreten und weiterzugeben.

Wenn auch bei einem solchen Seminar wie unserem viel an technischen, handwerklichen Fragen auftaucht und gelöst wird: das Wesentliche beginnt dahinter, und wird dennoch zu oft verdeckt. Zwei Gedichte mögen das Gesagte noch unterstreichen: das eine stellt Schumann den Davidsbündlertänzen voran:
In all und jeder Zeit / Verknüpft sich Lust und Leid: Bleibt fromm in Lust und seyd / Dem Leid mit Mut bereit. (Alter Spruch)
Das andere liegt dem 3. Notturno (Liebestraum) von Liszt zugrunde: O lieb, solang du lieben kannst! / O lieb, solang du lieben magst!....
Und sorge, daß dein Herze glüht/ und Liebe hegt und Liebe trägt, So lang ihm noch ein ander Herz / In Liebe warm entgegenschlägt! (Ferdinand Freiligrath)

So schließen die beiden Hälften unseres Konzerts, so diese kurzen Gedanken...

Paul Gulda

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