www.bonn.de/stadtmuseum

Homepage

|

Über uns

|

Index

|

Sitemap

|

Kontakt

 

StadtMuseum Bonn online
francais nederlandse english


Thomas Mann


6.6.1875 Lübeck - 12.8.1955 Kilchberg-Zürich
deutscher Schriftsteller


Am 3.8.1919 verlieh die Rheinische Friedrich Wilhelms-Universität dem Verfasser der Buddenbrooks anläßlich ihrer 100-Jahr-Feier die Ehrendoktorwürde. Am 19.12.1936 erhielt der inzwischen zu Weltruhm gelangte und in die Schweiz emigrierte Autor durch den Dekan der Philosophischen Fakultät die Mitteilung, dass ihm dieselbe wieder aberkannt sei. Dieser Akt der nationalsozialistisch regierten Universität erregte weltweit unerhörtes Aufsehen und stellt bis heute den größten Skandal innerhalb der Bonner Universitätsgeschichte dar. Die Beziehung zwischen Thomas Mann und der Universität, von der höchsten Würdigung bis zum schmachvollen Ausschluss und dem Wiedergutmachungsversuch nach dem Krieg, spiegelt in prägnanter Weise ein Stück Zeitgeschichte. Es stellt sich zunächst die Frage, warum gerade der Lübecker Patriziersohn und Wahlmünchner zu dieser seltenen Auszeichnung einer rheinischen Hochschule kam, mit der er weder biographisch noch von seiner Themenwelt her verbunden war.

Nach dem Tod seines Vaters, Senator Manns, hatte sich der junge Literat 1894 in München, der leuchtenden Stadt der Künste, niedergelassen. Seine Novellen, die unter dem Einfluss Schopenhauers und Wagners von Geist und Leben, von Künstler- und Bürgertum handelten, und der große Roman vom Niedergang einer hanseatischen Patrizierfamilie (Die Buddenbrooks, 1901), hatten den jungen Mann bald bekannt gemacht. 1905 heiratete er in München Katharina (gen. Katia) Pringsheim, Tochter aus reichem jüdischen Hause. In diese ästhetisch-großbürgerliche Welt, die Thomas Manns geistigen Hintergrund prägte, brach der 1. Weltkrieg ein, Zeitenwende und einschneidendes persönlichen Erlebnis zugleich. Seine schriftstellerische Reaktion auf die tiefgreifende Erfahrung ist sein großer "Rechenschaftsbericht", die Betrachtungen eines Unpolitischen vom Oktober 1918. Just diese Schrift, in der Thomas Mann als Verteidiger der deutschen Kultur und Geistesart gegenüber derbloß rational begründeten "Zivilisation" der westlichen Siegermächte auftritt, ist es, die ihm letztendlich den Ehrendoktorhut der Bonner Universität einbringen sollte.

Doch so sehr auch diese Betrachtungen den Nerv vieler konservativer Gebildeter in Deutschland treffen mochte, sie alleine hätte die Fakultät wohl nicht zu diesem Schritt veranlasst. Die Wertschätzung Thomas Manns an der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität ist viel älter als diese Huldigung und eng mit dem Namen des Bonner Litera-turhistorikers Berthold Litzmann verbunden. Litzmann und sein Schülerkreis hatten sich von anfang an mit dem Werk Thomas Manns beschäftigt und Bonn damit zur frühesten Thomas Mann-Forschungstätte gemacht. Das literaturwissenschaftliche Interesse an Mann in Bonn hatte also schon eine feste Tradition, die den Boden für die Ehrenpromotion vorbereitet hatte. Die in national-konservativem Kulturgeist vorgetragenen Betrachtungen, die Thomas Mann übrigens in heftigen Gegensatz zu seinem sozialistisch orientierten Bruder Heinrich brachten, waren nur noch direkter Anlass. Thomas Mann propagierte Deutschlands geistiges Erbe, das er in kulturpolitische Spannung zu den westlichen Demokratien setzte. Jenen geistigen in der Fakultät, die sich wie Thomas Mann noch stark im Bannkreis des wilhelminischen Bildungsbürgertums befanden, schien seine Abhandlung vor dem Hintergrund von Deutschlands Niederlage und ihren Folgen als wichtige kulturpolitische Botschaft. So feierten national-konservative Kreise im Dichter der Betrachtungen einen der ihren. Doch als Thomas Mann am 3. August 1919 die Ehrendoktorwürde verliehen wurde, bahnte sich bei ihm bereits ein geistig-politischer Umschwung an. 1922 hatte die nationale Front Grund zur Verärgerung - bekannte sich doch der Protegierte öffentlich zu republikanischer Staatsform, trat ein für die SPD und zeigte Sympathie für Reichspräsident Ebert.

Die Bonner Universität selbst, einschließlich ihrer Studentenschaft, war vorwiegend liberal gesonnen und daher nicht unbedingt ein Bollwerk der erstarkenden nationalsozialistisch und antisemitisch gefärbten Bewegung. So war denn auch Thomas Manns Ernennung zum Nobelpreisträger im Jahre 1929 für die Bonner Alma mater, die diesen Mann zu ihren Ehrendoctores zählen konnte, ein Tag der Freude und des Stolzes. Im November, auf dem Weg nach Stockholm, wurde er durch einen überwältigenden Festakt gefeiert. Wenige Jahre später aber begann das dunkle Kapitel in dieser bisher so glänzenden Beziehung zwischen Dichter und Universität. 1932 kamen die Nazis an die Macht. Die von Himmler und Heydrich abhängige Bayerische Politische Polizei hatte schon 1933, als Thomas Mann nicht mehr von einer Vortragsreise ins Ausland zurückgekehrt war, seine Ausbürgerung betrieben, war aber auf Widerstand des Propaganda- und Außenministeriums gestoßen. Ein weiterer Vorstoß, diesmal von dem Bonner Chemiker Andreas v. Antropoff, strammer Nazi und Vorsitzender der Naturwissenschaftlichen Sektion, war 1935 erfolgt, damals aber noch vom Innenministerium gestoppt worden. Die Fakultät selbst, die erst im nachhinein von Antropoffs Schreiben erfuhr, hatte jedoch nichts mit dieser Aktion zu tun.

Thomas Manns Bücher erschienen bis Ende 1936. Zum Weihnachtsgeschäft war eben der dritte Band seiner Josephs-Tetralogie ausgeliefert worden und sofort vergriffen. Noch schonte man den berühmten Dichter. Als die obersten Behörden jedoch von seiner Annahme der tschechischen Staatsbürgerschaft (19. November 1936) erfuhren, war die Schonfrist zuende. Man erkannte Thomas Mann im Gegenzug die Deutsche ab, wodurch er nach der neuen nationalsozialistischen Universitätsverfassung automatisch auch seiner Ehrendoktorwürde verlustig ging. Die Abstrusität dieses Aktes gipfelt darin, dass mit der Tatsache der vorher erworbenen tschechischen Nationalität sowohl die Ausbürgerung als auch der Formalgrund für die Entziehung der Ehrendoktorwürde gar nicht rechtskräftig waren. Der Text des knappen Schreibens, das Thomas Mann als "Weihnachtsgeschenk" in das Küsnachter Domizil flatterte, lautete folgendermaßen: "Im Einverständnis mit dem Herrn Rektor der Universität Bonn muß ich Ihnen mitteilen, dass die Philosophische Fakultät sich nach Ihrer Ausbürgerung genötigt gesehen hat, Sie aus der Liste der Ehrendoktoren zu streichen. Ihr Recht, diesen Titel zu führen, ist gemäß § VIII unserer Promotionsordnung erloschen." Unterzeichnet war diese rein formaljuristisch gehaltene Deklaration von Dekan Obenauer, dessen Namen Thomas Mann nicht entziffern konnte. Rektor (der Mediziner Karl Schmidt) und Dekan (Walzels Nachfolger auf Litzmanns Lehrstuhl) waren allerdings weder am Ausbürgerungs- noch am Aberkennungsverfahren aktiv beteiligt, folgten aber gehorsam den Anordnungen der Behörden. Schmidt bekundete später, er habe zweimal telefonisch versucht, das Reichministerium für Erziehung und Wissenschaft umzustimmen. Ein Widerspruch erfolgte jedoch nicht. Thomas Mann, den dieser Brief schwer traf, erkannte gleichwohl, dass die Bonner Universität hier "nur" einen von oben aufoktroyierten Verwaltungsakt vollzog und sollte später, nach dem Krieg, Verständnis für diese Stituation zeigen.

Zwei Tage nach Weihnachten begann er, den berühmt gewordenen Antwortbrief an die Bonner Universität zu schreiben, geistig geleitet von Jacob Grimms Flugschrift "Über meine Entlassung" von 1837. Gegen seine sonstige Art ging er direkt in medias res. Er weist bereits im zweiten Satz auf die schwere Mitschuld der deutschen Universitäten am gegenwärtigen Unglück hin, die ihm ohnehin "die Freude an der ... einst verliehenen akademischen Würde" verleidet habe. Zudem führe er auch jetzt noch den Ehrentitel eines Doktors der Philsophie - nämlich an der Harvard-Universität, die ihre Entscheidung damit begründet habe, dass er "zusammen mit ganz wenigen Zeitgenossen die hohe Würde der deutschen Kultur bewahrt habe". Nun folgen die Sätze, die wohl zu den häufigst zitierten von Thomas Mann gehören:

"Ich habe es mir nicht träumen lassen, es ist mir nicht an der Wiege gesungen worden, dass ich meine höheren Tage als Emigrant, zu Hause enteignet und verfehmt, in tief notwendigem politischen Protest verbringen würde. Seit ich ins geistige Leben eintrat, habe ich mich in glücklichem Einvernehmen mit seelischen Anlagen meiner Nation, in ihren geistigen Traditionen sicher geborgen gefühlt. Ich bin weit eher zum Repräsentanten geboren als zum Märtyrer, weit eher dazu, ein wenig höhere Heiterkeit in die Welt zu tragen, als den Kampf, den Haß zu nähren. Höchst Falsches mußte geschehen, damit sich mein Leben so falsch, so unnatürlich gestaltete. Der einfache Gedanke daran, wer die Menschen sind, denen die erbärmlich-äußerliche Zufallsmacht gegeben ist, mir mein Deutschtum abzusprechen, reicht hin, diesen Akt in seiner ganzen Lächerlichkeit erscheinen zu lassen ... Deutschland soll ich beschimpft haben, indem ich mich gegen sie bekannte! Sie haben die unglaubwürdige Kühnheit, sich mit Deutschland zu verwechseln!"

Der Brief, den Mann mit dem ironischen Vorschlag würzt, ihn am Schwarzen Brett anzu-schlagen, wurde von der Universität strikt unter Verschluss gehalten. Dennoch werden einige Bonner Hochschullehrer durch die Auslandspresse von Manns Ausbürgerung erfahren haben. Es gab sogar eine öffentliche Missbilligung - und zwar von einer Seite, von der man sie am wenigsten erwartet hätte: Der Germanist Hans Naumann, Redner bei der Bücherverbrennung am Bonner Marktplatz 1933 und seit 1932 Befürworter des Nationalsozialismus, sprach in einem Interview mit der dänischen Presse von einer Tragödie und bedauerte Thomas Manns Ausbürgerung.



1938 verließ die Familie Mann die Schweiz und emigrierte nach Amerika. Erste Station war Princeton, wo Thomas Mann eine Gastprofessur bekleidete. 1942 ließen sich die Manns in Pacific Palisades, Kalifornien, nieder, das sie 1952, in der Mc Carthy-Ära wieder verließen. In die alte, vom Krieg zerstörte Heimat wollte Thomas Mann dauerhaft nicht mehr zurück, und so wählte man das vertraute Zürich zum nunmehr letzten Domizil. Gleich nach dem Krieg, in der allerersten Sitzung, setzte das tagende Gremium der Bonner Universitäts-Verwaltung den hochnotpeinlichen Fall Thomas Mann als Punkt 1 auf die Tagesordnung. Wieder entscheidungsfähig verfügte man sofort die Rückgängigmachung des finsteren Nazi-Aktes und übersandte Thomas Mann das erneuerte Diplom nach Kalifornien. Dieser machte die Universität nicht für seine "nationale und akademische Exkommunikation" verantwortlich. Schon in seinem Schreiben vom 28.1.1947 hatte er von einem "erzwungenen Schritt von damals" gesprochen und damit die Universität rehabilitiert.

Die Frage war nun, ob Thomas Mann die Ehrendoktorwürde, die ihm unter so ehrverletzenden Umständen aberkannt worden war, wieder annehmen würde. An den ehemaligen, 1939 nach England emigrierten Bonner Universitätsprofessor und Historiker Wilhelm Levison wurde 1946 die Bitte herangetragen, in dieser schwierigen Frage zu vermitteln. Thomas Mann antwortete umgehend. Er erklärt sich zur Annahme bereit - unter der Bedingung, "dass es sich um den freien, spontanen und einhelligen Wunsch der Fakultät handelt, und dass diese gewiß ist, mit der Wiederverleihung des Ehrendoktorats an mich der Stimmung in der Universität überhaupt zu entsprechen und die Gesinnung der großen Mehrheit der Studentenschaft zum Ausdruck zu bringen." Noch vor Weihnachten 1946 konnte man Thomas Mann das von dem noch lebenden Dekan des akademischen Jahres 1918/19 unterzeichnete Diplom aushändigen. In seinem Dankesbrief zeigt sich der Dichter gerührt. Erfreut darüber, nun wieder mit einer deutschen Hochschule verbunden zu sein, bedauert er den hohen Preis, der zu zahlen war, ehe "Ihre berühmte Hochschule in die Lage kam, den erzwungenen Schritt von damals zu widerrufen." Der britischen Kontrollbehörde begründete Thomas Mann seinen Entschluss damit, dass der Entzug unter Zwang erfolgt und somit niemals als rechtsgültig anzusehen war.

1955 wollte die Universität des Dichters 80. Geburtstag zum Anlaß nehmen, ihm, verbunden mit einer Vortragseinladung, einen ähnlichen Festakt zu bereiten wie damals 1929. Die Anfrage vom Januar 1955 beantwortete Thomas Mann folgendermaßen: "Gern und gleich und unbedingt" würde er die Einladung annehmen, müsse sie aber wegen anderer Verpflichtungen noch "in hoffnungsvoller Schwebe" halten. Trotz des vorschlagsweise genannten Termins Ende des Sommersemesters (als Vortragsthema bot er einen Festvortrag über Kleistsche Erzählkunst an) sollte sich die halbe Zusage nicht erfüllen. Zum Geburtstag Thomas Manns muß sich die Bonner Literaturwissenschaft damit begnügen, ihrem "berühmtesten Ehrendoktor" und "dem größten lebenden deutschen Dichter" ... "dankbare und bewundernde Glückwünsche" zu senden und auf "sturmerprobte Treue" hinzuweisen. Am 8. Juni muß Thomas Mann endgültig absagen: "Es wird mir wirklich sehr schwer, Sie zu enttäuschen, und herzlich möchte ich hoffen, dass ich bei einer anderen Gelegenheit bei Ihnen zu Gast sein darf." - Diese Gelegenheit sollte sich nicht mehr bieten. Thomas Manns baldiger Tod vereitelte die Möglichkeit, den greisen Dichter noch einmal zu feiern und so ein glanzvolles Schlusslicht hinter ein dunkles Kapitel zu setzen.

Das Todesjahr von Thomas Mann, in dem es ihm nach Aussage seiner Frau Katia so gut ging wie lange nicht mehr, war erfüllt von Jubiläen (eigenen und dem 150. Todestag Friedrich Schillers) und Ehrenbezeugungen:

11.2.1955 Goldene Hochzeit (50jähriges Ehejubiläum)
8.5.1955 Schillerrede in Stuttgart (gekürzte Fassung seines Essays "Versuch über Schiller")
14.5.1955 Schillerrede in Weimar (gekürzte Fassung seines Essays "Versuch über Schiller")
15.5.1955 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Friedrich Schiller-Universität, Jena
20.5.1955 Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Lübeck
Juni 1955 Druck seines Essays "Versuch über Schiller"(S. Fischer-Verlag, Frankfurt/Main)aus Anlaß des 150. Todestages von Friedrich Schiller
6.6.1955 Feier seines 80. Geburtstags mit großen Ehrungen
30.6.1955 Abreise nach Holland
18.7.1955 Beginn der Erkrankung
23.7.1955 Überführung ins Kantonsspital nach Zürich
12.8.1955 Tod Thomas Manns
16.8.1955 Beisetzung auf dem Friedhof in Kilchberg.


Zu Thomas Mann und Friedrich Schiller vgl. "Thomas Mann und Friedrich von Schiller"

RUBRIKEN

 

Service

Öffnungszeiten, Lageplan, Eintrittspreise

mehr [...]

 

Führungen

Termine, Informationen

mehr [...]

 

Kinder ins Museum

mehr [...]

 

Veranstaltungen

Eine Übersicht über unsere Veranstaltungen finden Sie hier

mehr [...]

 

Ausstellungen

Eine Übersicht unserer zukünftigen Ausstellungen auf einen Blick

mehr [...]

 

Sammlung Delander

Die vollständige Sammlung von Kurt Delander

mehr [...]

 

Rundgang

Erleben Sie die Räume des StadtMuseums auf einem virtuellen Rundgang.

mehr [...]

 

Ernst-Moritz-Arndt-Haus

Die Dependance des StadtMuseums

mehr [...]

 

Publikationen

Unsere Veröffentlichungen

mehr [...]

 

Bonner Köpfe

Portraits berühmter Bonner Persönlichkeiten

mehr [...]

 

Jubiläen

Wichtige Daten bekannter und berühmter Persönlichkeiten

mehr [...]

 

Highlights

der vergangenen Jahre

mehr [...]

 

Vermietung

Anmietung der Sonderausstellungsräume im Museum und des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses

mehr [...]

 

Förderverein und Stifter

Förderverein und Förderer

 

City Museen

mehr [...]

 

Galerie

Alle Abbildungen dieser WebSite auf einen Blick

mehr [...]

 

Linktipps

Ausstellungen und Museen in Bonn und Umgebung, nationale Museumslinks

mehr [...]

 

IMPRESSUM

StadtMuseum Bonn

   

Homepage

 | 

Über uns

 | 

Index

 | 

Sitemap

 | 

Kontakt

|


© ´2011 StadtMuseum Bonn

Postanschrift: StadtMuseum Bonn, Bundesstadt Bonn, Amt 41-5, 53103 Bonn

Tel: 0228/772094 Fax: 0228/774298