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Nikolaus Simrock
23. August 1751 (Mainz) bis 12. Juni 1832 (Bonn)
Hornist an der Kurfürstlichen Hofkapelle in Bonn und 1793 Begründer des Musikverlages N. Simrock in Bonn
Nikolaus Simrock, als Sohn eines kurmainzischen Korporals in Mainz geboren, trat noch vor Erreichen seines 16. Lebensjahres als Hornist in eine französische Militärkapelle ein, in der er neun Jahre lang blieb. Zurück im Rheinland bewarb er sich mit einer Eingabe an den Kölner Kurfürsten Maximilian Friedrich um eine Anstellung in dessen Bonner Hofkapelle, in die er mit Verfügung vom 23. März 1775 am 1. April 1775 als "Waldhornist" mit einem Jahresgehalt von 300 Gulden aufgenommen wurde. 1781 wurde ihm eine Zulage von 1000 Gulden bewilligt, und am 1. Juli 1784 wurde sein Gehalt vom neuen Kurfürst Maximilian Franz um weitere 100 Gulden erhöht. Gleichzeitig erhielt er zusätzliche 40 Gulden jährlich, um damit die benötigten Musikalien der Hofkapelle zu beschaffen, der seit 1784 auch der junge Ludwig van Beethoven - noch ohne Gehalt - angehörte.
Seit dem 11. April 1780 war Simrock mit Ottilie Franziska Blaschek aus Mainz verheiratet, mit der er 13 Kinder hatte. Den Auftrag, für die Hofkapelle die benötigten Musikalien zu beschaffen, verband er ganz offensichtlich mit dem Aufbau eines eigenen Vertriebs von Musikalien und anderen Artikeln (u. a. Wein), wie entsprechende Anzeigen im "Bönnischen Intelligenzblatt" seit 1785 offenbaren. 1790 beispielsweise offeriert er "Papiere aller Art, Couverts, Tinten, Farben, Blei- und Rothstifte, Federmesser, Papierscheren, Stimmgabeln und -hammer, alte und neue Instrumente, verschiedene Sorten Claviere, Violin- und Bassbogen, ferner Colophonium und alle Arten Musikalien [...] von bester Qualität und zu den billigsten Preisen."
Noch vor den großen politischen Veränderungen des Jahres 1794, als die Besetzung des Rheinlands durch französische Revolutionstruppen auch den Kölner Kurfürst Maximilian Franz zwangen, seine Residenzstadt Bonn auf immer zu verlassen, hat Simrock 1793 den Musikverlag N. Simrock gegründet, der trotz anfänglich schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse einen raschen Aufschwung genommen und sich bald zu einem Verlagshaus internationaler Bedeutung entwickelt hat. Der geschäftliche Erfolg basierte einerseits sicher auf Simrocks großer Geschäftstüchtigkeit, andererseits half aber gewiss auch in den Jahren der französischen Besetzung bzw. schließlichen Zugehörigkeit Bonns zu Frankreich die dezidiert profranzösiche Einstellung von Nikolaus Simrock, der auch zwei seiner Töchter mit Franzosen verheiratete.
In den Anfangsjahren des Verlages hat Joseph Haydn, der bei seinen zwei Bonn-Aufenthalten Weihnachten 1790 bzw. Sommer 1792 mit Simrock auch persönlich zusammentraf, eine wichtige Rolle im Verlagsprogramm eingenommen. Von L. van Beethoven, dem jugendlichen Musikerfreund Simrocks aus den gemeinsamen Jahren in der kurfürstlichen Hofkapelle, die Beethoven - versehen mit einem Stipendium des Kurfürsten - am 2. November 1792 Richtung Wien zum Studium bei Joseph Haydn verlassen hatte, sind 13 Erstausgaben im Verlag von N. Simrock erschienen. Von Robert Schumann hat der Verlag insgesamt 10 Werke zum ersten Mal herausgegeben - darunter die 3. Symphonie. Von Felix Mendelssohn-Bartholdy neben anderem auch so gewichtige Werke wie die "Lieder ohne Worte" für Klavier sowie die Oratorien "Paulus" und "Elias".
Das internationale Renommée des Bonner Musikverlages schlug sich auch im wirtschaftlichen Erfolg nieder. Als Simrock 1832 starb, hinterließ er außer dem Musikverlag, dessen Bonner Hauptsitz von seinem Sohn Peter Joseph (1792 - 1868) weitergeführt wurde, ein recht umfangreiches Vermögen, das auch zahlreiche Häuser und Grundstücke umschloss. Jedenfalls war das Gesamtvermögen so hoch, dass es dem jüngsten Sohn, dem später berühmten Bonner Professor und Literaturhistoriker Karl Simrock, der zum Zeitpunkt des Todes seines Vaters schon seine von Goethe hochgelobte Transkription des Nibelungenliedes herausgegeben hatte, möglich war, über lange Jahre vom ererbten Privatvermögen seinen und seiner Familie Lebensunterhalt zu bestreiten. Zu den aus väterlichem Besitz ererbten Immobilien gehörte auch das Weingut Menzenberg, auf dem Karl Simrock nach dem Tod seines Vaters sein Landhaus "Parzival" errichten ließ.
Die Erfolgsgeschichte des Musikverlages wurde von Nikolaus Sohn Peter Joseph und von dessen Sohn Friedrich August gen. Fritz Simrock (1837-1901) fortgeschrieben, wobei besonders die enge Bindung von Brahms an das Verlagshaus hervorzuheben ist. Von allen Großen der Musikgeschichte des 19. Jh. hatte Brahms die weitreichendsten und intensivsten Geschäftsbeziehungen zum Hause Simrock unterhalten, die im Falle von Fritz Simrock auch besonders enge persönlich-freundschaftliche gewesen sind. 87 zu Brahms Lebzeiten herausgegebene Erstausgaben seiner Werke wurden vom Musikverlag Simrock herausgegeben. Davon sind allerdings nur die ersten 10 dieser Ausgaben in Bonn erschienen, da Fritz Simrock den Verlagssitz 1870 von Bonn nach Berlin verlegte.
Nach dem Tod von Fritz Simrock, der seinen Freund Brahms nur um vier Jahre überlebte, ging der Musikverlag Simrock in die Hände eines Neffen von Fritz Simrock, Hans Simrock (1861-1910), der 1904 eine Niederlassung in Leipzig gründete, wo er 1907 auch den dort ansässigen Musikverlag Bartolf Senff aufkaufte. 1910 - 1920 wurde der Verlag Simrock von dem Manager Richard Chrzescinski geführt, dem mit Fritz Auckenthaler ein weiterer Neffe von Fritz Simrock nachfolgte. Dieser musste schließlich 1929 den Verlag Simrock an den Leipziger Verlag Anton J. Benjamin verkaufen, womit die bis dahin 136 Jahre alte Erfolgsgeschichte des Verlages N. Simrock Bonn-Berlin ein Ende nahm, wenn auch der Name des Hauses weiter bestand.
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