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Inauguration des Monuments von Ludwig van Beethoven in Bonn am 12. August 1845



H(einrich Joseph) Schneberger. Farbiges Klebebild um 1845


I. OG, Raum 8. Höhe 37 cm, Breite 52,5 cm. bez. r.u.: H. Schneberger fecit. Inv Nr. SMB 1991/G 292

ANLASS: Das erste Bonner Beethovenfest im August 1845 in Zusammenhang mit der Aufrichtung und Enthüllung des Beethovendenkmals auf dem Münsterplatz

Von den Feierlichkeiten auf dem Münsterplatz, die die Einweihung des Beethovendenkmals begleiteten, gibt es keine bildlich so detailliert überlieferte Ansicht wie das von Schneberger mit naiver Akribie gestaltete Klebebild. Im Zentrum steht auf einem Sockel das damals noch von einem Zaun umfriedete Standbild des großen aus Bonn gebürtigen (1770) Komponisten, der 1827 in Wien gestorben ist. Entwurf von Statue, Postament und Sockel stammen aus der Hand des Dresdner Bildhauers Ernst Julius Hähnel (1811-1891), der als Sieger aus einer öffentlichen Ausschreibung hervorgegangen ist. Das Denkmalprojekt ging vom 1835 gegründeten "Bonner Verein für Beethovens Monument" aus und hatte in dem Komponisten und berühmten Klaviervirtuosen Franz Liszt einen besonders engagierten und großzügigen Geldgeber.

Franz Liszt, dem sein Engagement in Bonn letztlich wenig gedankt wurde, hatte auch die musikalische Organisation des ersten Bonner Beethovenfestes übernommen, das am Abend des 10. August 1845 mit einem Festkonzert - aufgeführt wurden als Bonner Erstaufführung Beethovens Missa solemnis und die neunte Symphonie - in der neu errichteten Beethovenhalle (fast am Standort des heutigen Stadt Museums) unter der Leitung von Louis Spohr begann. Der Aufbau der ca. 3000 Zuhörer fassenden ersten Beethovenhalle - ein Holzbau in Form einer Basilika - dauerte nur sechs (!) Tage, und auch der Innenausbau war so rasch vonstatten gegangen, dass nach weiteren fünf Tagen die ersten Proben abgehalten werden konnten. Die zügige Umsetzung des im September des gleichen Jahres schon wieder abgerissenen Baus war notwendig geworden, da Liszt die vor seinem Eintreffen in Bonn ins Auge gefasste Reitbahn als Veranstaltungsort gänzlich ungeeignet fand.

Während der 11. August u. a. der Taufe des Dampfschiffes auf den Namen Beethovens, Bootsexkursionen nach Nonnenwerth und einem abendlichen Volksball in der Reitbahn am Kölntor gewidmet war, fand am 12. August die im obigen Klebebild illustrierte Denkmalseinweihung statt. Das Fest nahm mit einem Hochamt im Bonner Münster seinen Anfang, um danach auf dem Münsterplatz selbst mit musikalischen Darbietungen, der eigentlichen Denkmalenthüllung, Einmauerung der Stiftungsurkunde in den Sockel und einem nachmittäglichen Festkonzert unter der Leitung von Franz Liszt seinen Fortgang zu nehmen. An der Denkmalenthüllung am Vormittag nahmen auch illustre Festgäste teil, die auf dem Balkon des Palais Fürstenberg (der heutigen Hauptpost) Platz genommen hatten. Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. hatte den Wunsch zur Teilnahme an dem Festakt sehr kurzfristig geäußert, da er wegen des Deutschlandbesuchs der englischen Königin Victoria ohnehin in seine Rheinprovinz gekommen war. Da die Aufstellung eines Ehrenpodestes mit Blick auf die Vorderseite des Künstlerstandbildes nicht mehr realisiert werden konnte, bat der preußische König seine englischen Gäste, Queen Victoria und Prinz Albert, auf den zu diesem Zweck überdachten und samtüberzogenen Balkon ins Palais seines Kammerherrn, des Grafen von Fürstenberg. Die nur knapp 1,50 m kleine englische Königin steht, vermutlich auf einem Extrapodest, in weißem Kleid und rosa Haube, vom Betrachter aus gesehen ganz rechts auf dem Balkon. Berichten zufolge war die junge Königin, die in Deutschland vor allem auf den Spuren ihres Mannes wandeln wollte, von der Denkmalsenthüllung weit weniger angetan, als von der nachfolgenden Besichtigung des Wohnhauses am heutigen Martinsplatz, in dem ihr geliebter Prinzgemahl Albert und sein Bruder Ernst als Bonner Studenten in den Jahren 1837/38 gewohnt hatten.

Auf preußischem Boden war das Bonner Beethoven-Denkmal das erste, das nach dem Luther-Denkmal von 1821 in Wittenberg für einen "Großen des Geistes" auf einem früher nur Fürsten und Heerführern vorbehaltenen öffentlichen Platz errichtet worden ist. "Als bürgerlicher Zeitgenosse und Zivilist stand Beethoven sogar im Preußen der Jahrhundertmitte allein auf seinem Sockel." (Hallensleben, in: Monument für Beethoven). Der Vater König Friedrich Wilhelms IV. hatte seine Genehmigung zur Aufstellung des (bürgerlichen) Denkmals auf dem Münsterplatz noch verweigert.

Auf der unteren Zierleiste des Schneberger'schen Klebebildes sind in stark vereinfachter Form die Postamentreliefs des Beethovendenkmals wiedergegeben, von links nach rechts: die "geistliche Musik" (auf der südlichen, dem Münster zugewandten Seite des Postaments), an einer Orgel sitzend, die "Phantasie", im Damensitz auf einem nach links springenden Sphinx, die "Sinfonie" mit einer Kithara in der erhobenen Hand und umringt von vier Putti, und die "dramatische Musik" mit einer Kithara im Hintergrund und einem Blasinstrument in der auf dem Schoß liegenden Hand.

Literaturhinweis: Monument für Beethoven. Zur Geschichte des Beethoven-Denkmals (1845) und der frühen Beethoven-Rezeption in Bonn. Katalog zur Ausstellung des StadtMuseums Bonn und des Beethoven-Hauses, hg. von I. Bodsch, Bonn 1995. Zum Klebebild vgl. ebd., S. 164, Kat. Nr. 131.

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