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Englischer Reisender um 1845
Standort: 2. OG, Raum 6
Grösse: Höhe 12,9 cm, Breite 2.9 cm, Tiefe 5,7 cm
Material: Terracotta
1816, im gleichen Jahr, als George Lord Byron auf dem Weg in die Schweiz und nach Besichtigung des Schlachtfeldes von Waterloo mit dem Schiff rheinaufwärts fuhr und ihn der Drachenfels zu seiner hymnischen Huldigung (Childe Harold, 3. Gesang) inspirierte, setzte auch der englische "Massentourismus" am Rhein ein. 1816 nämlich legte der erste Dampfer vom Londoner Themseufer ab, um englische Touristen ins Rheinland zu bringen, ein Vorgang der sich Jahr für Jahr zur Zeit der englischen Parlamentsferien wiederholen sollte, und bald so viele Engländer an den Rhein führte, dass sich gelegentlich Mißmut bei der einheimischen Bevölkerung breitmachte. Mit den Dampfschiffen kamen nicht mehr nur die "gebildeten und vornehmen Engländer" sondern suchte nach zeitgenössischen Klagen "auch der ungebildete und unwissende auf dem Festlande ein wohlfeiles üppiges und prahlerisches Leben", weshalb Ernst Moritz Arndt 1843 in der Blüte- und Endzeit des englischen Rheintourismus beklagte, dass die Gastgeber die "rohe und plumpe Matrosennatur der unteren Grade oft mehr als (ihnen) lieb wäre" zu spüren bekämen.
Die von der Rheinromantik angezogenen Engländer, die reiz- und geheimnisvolle Uferlandschaften ebenso goutierten wie sagenumwobene Burgruinen, verschlossen dabei zwar häufig die Augen vor der Armut der Landbevölkerung, den schlechten Straßen, den ungemütlichen und unpünktlichen Postkutschen sowie teuren aber mangelhaften Unterkünften, vergaßen dabei aber trotzdem nicht, ihr Eigentum sorgsam im Auge zu behalten: "one eye on an ruin, and the other on his [bulky] luggage", wie William Makepeace Thackeray (1811 - 1863), Autor u. a. der "The Kickleburys on the Rhine", der selbst im Juli 1830 als 19jähriger in 36 Stunden mit dem Dampfboot von Rotterdam nach Köln reise, spöttisch bemerkte.
Thackerays Charakterisierung entspricht auch der typisierend dargestellte englische Reisende aus der Reihe der Zizenhausener Figuren, die seit dem frühen 19. Jahrhundert in der dortigen Manufaktur als Souvenirartikel hergestellt worden sind. Die farbig gefasste und nur knapp 13 cm hohe Figur aus Terracotta mit der rotschwarzen Reisetasche in der rechten und dem roten Reiseführer in der linken Hand (Baedeker oder Murray) karikiert die frühen englischen Touristen, die bis zur Mitte des 19. Jahrhundert den Hauptteil der Rhein-Reisenden stellten, wobei sich nicht wenige - angezogen von den für sie günstigen wirtschaftlichen Verhältnissen - u. a. in der Universitätsstadt Bonn niederließen und dort - wie die Grabsteine auf dem Alten Friedhof beweisen - auch bis zu ihrem Lebensende geblieben sind.
Eine deutsche Satire über die "Engländer am Rhein" von 1846, die - verfasst vom ehemaligen Bonner Studenten Heinrich Hoffmann von Fallersleben (1798 bis 1874) - die Stationen einer Rheinreise von Düsseldorf bis Constanz Revue passieren lässt, hält den Bonn-Aufenthalt eines englischen Landadeligen mit folgenden, nicht gerade blühenden Witz verratenden Worten fest:
"Sir Shropshire steigt in Bonn ans Land
Mit seiner Gemahlin an der Hand.
Sie gehen zu Beehthovens [sic!] Monument,
Den er aus dem Quarterly Review kennt.
Sie kehren zurück in vollem Trab,
Doch schon ist der Dampfer gefahren ab.
Ein Schiffer will sie bringen an Bord
Und als er fährt, will nicht zahlen der Lord.
Sir Shropshire stehet wie Robinson
Und kehrt ganz gebildet zurück nach Bonn."
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