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Der Bonner Löwe


Standort: 2. OG, Raum 2



Grösse: Höhe 60 cm
Material: Kalkstein



Seit Jahrhunderten zeigt das Bonner Stadtwappen einen Löwen. Auch auf den mittelalterlichen Stadtsiegeln ist er zu sehen. Dies Wappentier ist keine bloße heraldische Findung, sondern geht auf ein reales Vorbild zurück: Das Bonner Löwenmonument, welches heute in der Dauerausstellung des Stadtmuseums zu besichtigen ist.
Der 60 cm hohe Löwe aus Kalkstein ist schlecht erhalten. Der vordere Teil des Kopfes ist verloren. Verwitterung und mechanische Abnutzung bzw. Beschädigung lassen nur noch die Hauptzüge erkennen. Der Löwe steht über einem von ihm geschlagenen Opfertier. Dies könnte ein Schaf oder ein Eber gewesen sein. Für Letzteres sprechen die Darstellungen der mittelalterlichen Bonner Stadtsiegel, die beim Opfertier deutlich die Hauer eines Ebers erkennen lassen.
Der ursprüngliche Standort des Löwen befand sich auf dem Münsterplatz. Hier stand er auf einem niedrigen Sockel nahe der heute noch am Ort befindlichen Prangersäule. Wie diese war er ein Rechtszeichen. Er markierte die Gerichtsstätte auf dem Münsterplatz. In diesem Zusammenhang wird er schon 1428 in einer Urkunde erstmals erwähnt, als "unter der Linde" stehend, womit die Gerichtslinde gemeint ist. Der Löwe hatte die Funktion eines Wahrzeichens des landesherrlichen Gerichts. Für diese Funktion gibt es mehrere Vergleichsbeispiele. Am ähnlichsten unter den erhaltenen Monumenten ist das Ensemble in Bari/Apulien, wo der Löwen noch auf dem Sockel vor der Prangersäule auf einem Sockel liegt. Bekanntester von allen mittelalterlichen Gerichtslöwen ist sicherlich der in Bronze gegossene in Braunschweig, der 1166 von Herzog Heinrich dem Löwen auf einem hohen Steinpfeiler im Innenhof der Burg Dankwarderode errichtet worden ist.
Vor solchen Löwen wurden Gerichtsverhandlungen abgehalten oder allgemeine Rechtsgeschäfte wie Zinszahlungen oder Käufe durchgeführt und beschworen. Die Nähe zum Münster ist nicht zufällig. Vor dem Nordportal des Münsters hatte sich einst eine Vorhalle befunden, in der die Stiftsgerichtsbarkeit ausgeübt wurde. Reste davon sind archäologisch nachgewiesen.
Während die Funktion des Löwen recht eindeutig zu bestimmen ist, herrscht über sein Alter Unklarheit. Erstmals erwähnt wird er 1428, das älteste Siegel mit der Löwendarstellung stammt von 1288. Der Löwe könnte also in Zusammenhang mit dem Um- und Neubau des Münsters Ende des 12./Anfang des 13. Jhs. entstanden sein. Aufgrund seines schlechten Erhaltungszustandes ist er stilistisch nicht mehr sicher zu bestimmen.
Einer anderen Auffassung zufolge ist er römischen Ursprungs und wurde im Mittelalter nur zweckentfremdet neu aufgestellt. Auch dafür gibt es gute Argumente. So ist der Löwe ein gängiges Motiv der römischen Grabplastik, seine Funktion ist die eines Wächters des Grabes. Eine Reihe von Stücken haben sich auch erhalten, sie zeigen aber meist eine höhere bildhauerische Qualität als der Bonner Löwe. Trotzdem wäre es nicht undenkbar, daß hier in der ehemaligen Römergarnison Bonn ein Stück antiker Plastik im Mittelalter wiederverwendet worden ist. Die Datierung des Bonner Löwen harrt weiter ihrer Klärung.
Die weitere Geschichte des Bonner Löwen ist dann wieder bewegt. Nachdem er jahrhundertelang auf dem Münsterplatz gestanden hatte wurde er in der Franzosenzeit (1794-1814) auf eine Gartenmauer südlich des Münsters verfrachtet. Um 1842 ließ ihn der Bonner Oberbürgermeister Oppenhoff auf eine Konsole gestellt in die Wand des Rathaushofes einmauern. Im Jahr 1900 stellte man ihn auf einer eigens angefertigten Säule mit neoromanischem Kapitell am Westende der Vivatsgasse auf, als Denkmal im Zeitgeschmack des Historismus. 1943 wurde er wegen der Gefahr durch Bombenangriffe in den Keller des Rheinischen Landesmuseums verbracht. Nach Kriegsende gab man dem Löwen eine repräsentative Aufstellung im Foyer des wiederaufgebauten Rathauses. Dort verblieb der Löwe, bis er 1998 in die Daueraustellung des Stadtmuseums integriert wurde. Auf die Säule in der Vivatsgasse und in das Foyer des Rathauses stellte man Abgüsse, die von vielen Besuchern für das Original gehalten werden. Nur am ursprünglichen Aufstellungsort auf dem Münsterplatz gibt es keinen Hinweis auf den Löwen mehr.

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