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Luigi Pirandello



28.6.1867 Girgenti, Sizilien
10.12.1936 Rom
italienischer Dichter

Pirandello, einer der berühmtesten italienischen Dichter des 20.Jh. hat in Bonn nicht nur studiert - vom WS 1889/90 bis zum SS 1892 - und promoviert (1891), sondern seiner rheinischen Zeit in den "Elegie renane" (Rheinische Elegien) auch ein literarisches Denkmal gesetzt. Noch heute erinnert eine Tafel im Romanistischen Seminar an sein Wirken.


Der Sohn eines Schwefelgrubenbesitzers wuchs in der Nähe von Agrigent (Sizilien) auf und schrieb schon während der Schulzeit Gedichte und Erzählungen. 1886 nahm er in Palermo, dann in Rom das Studium der Philologie und Jurisprudenz auf und ging im Wintersemester 1889/90 nach Bonn, damals das Mekka der romanistischen Philologie. 1891 legt er eine Dissertation über seinen Heimatdialekt vor - der Thesenverteidigung, die damals zum Promotionsverfahren gehörte, erinnert er sich in einer amüsant-skurrilen Studie. 1892 kehrt er nach Rom zurück und heiratet 1894 die Tochter eines reichen Geschäftsfreundes. 1904, als ihm erster literarischer Erfolg zuteil wird, treffen ihn zwei Schicksalsschläge von weitreichenden Auswirkungen: Bei seiner Frau bricht eine Geisteskrankheit aus, und der Verlust seines Vermögens durch ein Grubenunglück zwingt ihn zum Broterwerb. Von 1897-1921 arbeitet er als Dozent für italienische Literatur am Istituto Superiore di Magistero (Pädagogische Hochschule) in Rom.

Schon seine 1908 erschienene Schrift über den Humor, in der sich Pirandello als von der Bergsonschen Lebensphilosophie, der deutschen Philosophie und vom italienischen Verismus beeinflusst zeigt, schlägt Grundtöne seines Werks im Kampf gegen Formalismus und Konvention an. Pirandello zeigt den Dichter als Humoristen, der "zerlegen, verwirren, durcheinanderwerfen" muss. Es gibt keine absolute Wahrheit, und das Innen, das sich hinter einer Maske verbirgt, und das Außen fallen auseinander.

Nachdem die ersten Dramenversuche keinen Erfolg hatten, gelangt Pirandello mit dem Stück "Sechs Personen suchen einen Autor" (1921) zu Weltruhm. Es gilt noch heute als Meilenstein für die moderne Dramentheorie. Sechs Figuren, vom Dichter erdacht, dringen auf die Bühne und fordern Leben. Um das Thema der Maske und das Problem des Auseinanderfallens von Sein und Schein geht es auch in der Tragödie "Enrico IV." (1922), die Pirandello für sein bestes Stück hielt. Der Protagonist, in einem Maskenzug als Heinrich IV. verkleidet, stürzt vom Pferd und verfällt dadurch dem Wahn, wirklich der deutsche Kaiser Heinrich zu sein. Sein großer Reichtum ermöglicht es ihm, diese Rolle inmitten eines zeitgemäß kostümierten Hofstaates auch dann noch weiterzuspielen, als er sich seiner Identität längst wieder bewusst geworden ist. Wie auch sonst in Pirandellos Werk erweist sich die Rolle, die Maske, als Abwehr gegen eine als unerträglich empfundene Wirklichkeit, und wird so zum Ingebriff des Widerspruchs von Kunst und Leben. 1924 tritt Pirandello aus Enttäuschung über den Liberalismus B. Croces in die faschistische Partei ein und arbeitet mit am faschistischen Manifest. Verstärkt widmet er sich dem Theater: 1924 gründet er das Teatro d' Arte di Roma, und reist 1925-27 mit seiner Truppe durch Europa und Südamerika. 1934 erhält er den Nobelpreis.

Neben seinem dramatischen Werk ist vor allem Pirandellos Novellensammlung "Novelle per un anno" (dt. Novellen für ein Jahr) bekannt geworden. Ursprünglich auf 365 Novellen konzipiert, enthält sie 246 Erzählungen von erstaunlicher thematischer und formaler Geschlossenheit. In der "Nachfolge des Veristen Verga" erzählt Pirandello hier Geschichten von Menschen, die dem Alltag zu entfliehen versuchen. Weniger bekannt dagegen ist Pirandellos Romanschaffen. Auch in seinem berühmtesten "Il fu Mattia Pascal" geht es um Identitätskonflikte, um die Suche nach dem Sinn und die Unmöglichkeit absoluter Freiheit. Der Titelheld, für tot geglaubt, flieht aus seinem Leben, um ein zweites zu beginnen. Als er schließlich in das frühere zurückkehren will, ist er aus dem Leben der anderen herausgefallen; er ist ein Gewesener: Il fu M. Pascal. Wie in vielen anderen seiner Werke finden sich auch in diesem teilweise autobiographisch motivierten Roman Reminiszenzen an Bonn und das Rheinland.

Auf Anraten seines römischen Hochschullehres hatte Pirandello die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität bezogen. Er lernte fleißig Deutsch, übersetzte Goethes Römische Elegien, und schrieb, davon inspiriert, seine Rheinischen Elegien, die er bei ihrem Erscheinen 1895 mit der Anmerkung "Bonn, 1889/90 .. Zur Erinnerung an die in Deutschland, im Rheinland verbrachten Jahre..." versah. Zusammen mit Studienfreunden zog Pirandello in ein Haus am Neutor, und als er sich in Jenny Schulze-Lander verliebte, in das Haus ihrer Mutter in der Breitestraße, wo heute eine Gedenktafel an den berühmten Gast erinnert. Jenny widmete er den Gedichtband Pasqua di Gea, unter denen sich auch ein Gedicht über das Melbtal findet. Die o.g. 16 Rheinischen Elegien sind eine Art dichterisches Tagebuch der rheinischen Zeit, in denen er seine Stimmungen und Eindrücke poetisch verarbeitet. Zentrum der Gedichte aber ist die Bonner Jugendgeliebte, die er dort Johanna nennt. Schon in seinem ersten Roman L'esclusa (dt. Die Ausgestoßene) und in der Novelle "Vexilla Regis" (1897), die er 1893, bald nach seiner Rückkehr aus Deutschland, in den Bergen der Castelli Romani schrieb, finden sich zahlreiche rheinische Ortsnamen wie Bonn, Bad Godesberg, Beuel, Köln, Düsseldorf, Neuwied und deutsche Personennamen - oft mit persönlichem Hintergrund. Und wieder ist es Jenny, deren er sich erinnert: "Dreizehn Jahre waren seit seiner Deutschlandreise verflossen, die nun wie ein stürmischer Traum in seiner Erinnerung wiedererwachte. Keine Spur von ihr ... Aber dennoch, wieviele Nachrichten hatte er gesammelt und welchen Anteil an Annys Leben in Bonn genommen! Er hatte sogar das verlassene Haus in der Wenzelgasse wie jeden anderen Ort in der Stadt besuchen wollen, um nach ihrem früheren Leben zu forschen ... Da, durch die Poppelsdorfer Allee, war sie sicher mit ihren Freundinnen spazierengegangen ..." (aus: Vexilla Regis).

Auch in dem wichtigen Gedicht "Convegno" (Zusammenkunft, 1901), in dem sich verschiedene Erinnerungsbilder einer Person in Form von Schatten aussprechen, entwirft er ein Selbstporträt der Bonner Studentenzeit und holt den Schatten Jennys hervor. In der "Novelle I pensionati della memoria" (Die Pensionäre der Erinnerung, 1913) macht der Dichter den Hutmacher Anton Herbst, der am Markt wohnte, zum Gegenstand seiner Reflexionen über den Tod und die verschiedenen Arten von Wirklichkeit. Vergessen hat Pirandello die Jugendgeliebte nie. Wiedergesehen hat er sie jedoch nicht mehr. Jenny war kurz nach seinem Abschied von Bonn mit ihrer Mutter in die Vereinigten Staaten ausgewandert. Als sie 1935 durch die Zeitung von Pirandellos Amerikabesuch erfuhr, bat sie ihn um ein Wiedersehen. Der alternde Dichter aber, der sie so in Erinnerung behalten wollte, wie er sie in seiner Jugendzeit erlebt hatte, wollte sich und auch ihr eine Wiederbegegnung ersparen und schrieb ihr nur.

Mit Bonn allerdings war es anders bestellt. Als Pirandellos Theatertruppe 1925 auf seiner Deutschlandtournee in Bonn gastierte, bekennt er den gratulierenden Studentenkorps zu Tränen gerührt, dass er seinen ganzen Ruhm, sein ganzes Werk hingeben würde, um noch einmal der zu sein, der er damals in den glücklichen Bonner Jahren war.

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