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Das römische Bonn
Spuren menschlicher Besiedlung in der Gegend um Bonn sind bis in die Altsteinzeit
zurückzuverfolgen. Wenige Jahrzehnte vor Christi Geburt ließ sich der Germanenstamm
der Ubier im heutigen Stadtgebiet nieder. Schriftliche Erwähnung fand "bonna"
erstmals im Jahre 11 v. Chr., als die Römer einen militärischen Stützpunkt
errichteten, welcher sukzessive ausgebaut wurde. Es begann die eigentliche Blütezeit
des
römischen Bonns, die bis etwa 250 n. Chr. andauerte und danach schleichend ein Ende fand.
Im 5. Jahrhundert n. Chr. übernahmen die Franken schließlich die
Herrschaft in der Region.
So manchem Besucher, der die beiden Stufen in den Ausstellungsraum hinabsteigt, scheint es, als ob er den rechteckigen Empfangsbereich einer Villa aus der Römerzeit beträte. Auf anschauliche Art und Weise vermitteln das abgesenkte Bodenmosaik, das an die Stirnseite des Raumes projizierte Fresko und die großflächige Fotoreproduktion einer Wandmalerei auf der rechten Seite des Raumes den heutigen Betrachtern eine Vorstellung von römischer Wohnkultur. Das Mosaik aus dem 3. Jahrhundert nach Chr. zeigt den Sonnengott auf einer Quadriga. Um dieses Motiv herum sind kreisförmig Darstellungen der zwölf Tierkreiszeichen angeordnet. Beide Wandmalereien stammen aus dem 1. Jahrhundert nach Chr. und wurden im Bereich der heutigen Altstadt entdeckt. Allerdings ist die Ausstattung der römischen Häuser in Bonn nur bruchstückhaft fassbar. Bei sämtlichen ausgestellten archäologischen Objekten handelt es sich um Dauerleihgaben aus dem Besitz des Rheinischen Landesmuseums.
Reproduktion eines römischen Bodenmosaiks aus Bonn. 3. Jh. n. Chr. Original im Rheinischen Landesmuseum Bonn
Die männlichen Porträtköpfe aus Stein, die in einer Vitrine unterhalb des Freskos aufbewahrt werden, sind nicht vollständig erhalten. Es
bedarf jedoch nur wenig Fantasie sich vorzustellen, wie sie einst das Atrium eines wohlhabenden römischen Bürgers schmückten.
Vorrömische Zeugnisse menschlicher Besiedlung in der Region um Bonn reichen von der Altsteinzeit bis in die Zeit der Germanen. Von kulturhistorisch weitreichender Bedeutung war der Fund des so genannten Hundes von Oberkassel. 1914 entdeckten Forscher in einem
Basaltsteinbruch im Stadtteil Oberkassel neben den sterblichen Überresten eines Menschenpaares aus der Mittelsteinzeit auch das rund 14.000 Jahre alte Skelett eines Hundes. Dieses gilt als eines der ältesten Beweisstücke für die erfolgte Domestikation des Wolfes. Im Gegensatz zum Gebiss seines wilden Vorfahren weist der rechte Unterkiefer des Hundes von Oberkassel, der als Replik in einem Schaukasten ausgestellt ist, eine ausgeprägtere Wölbung sowie kleiner und enger stehende Zahnreihen auf.
Terra Sigillata-Becher mit Weissbarbotine. Dauerleihgabe des Rheinischen Landesmuseums Bonn
Die eigentliche Blüte des römischen Bonn ist eng verknüpft mit der Verlegung der 1. Legion an den Rhein 43 n. Chr. und dem daraus resultierenden Ausbau des provisorischen militärischen Stützpunktes zum Kastell mit einem steinernen Befestigungswall. Es befand sich nördlich des heutigen Altstadtgebietes und hatte eine quadratische Form von 500 x 500 Metern. Genauere Auskunft über die Ausdehnung und den Aufbau des Lagers geben die drei Karten an den Wänden. Südlich des Kastells befand sich eine Zivil- und Wirtschaftssiedlung mit gemischter römischer und germanischer Bevölkerung.
Die in den Vitrinen ausgestellten Objekte aus Glas, Keramik und Bronze vermitteln einen repräsentativen Eindruck vom Alltagsleben jener Epoche. Die Vielzahl der aufgefundenen Gefäßformen sowie die unterschiedlichen Herstellungstechniken lassen Rückschlüsse auf die ethnische Vielfalt der Einwohnerschaft zu. So waren es römische Soldaten, die Terra
Sigillata, die typische rot überzogene Keramik, aus italienischen und gallischen Manufakturen mit an den Rhein brachten. Charakteristisch für die hier gezeigten Keramikgefäße ist ihre in weißen Tupfen aufgetragene Bemalung. Die ausgestellten Glasgefäße bestechen durch filigrane Details, wie zum Beispiel das Kännchen mit dem Kettenhenkel in dem linken Schaukasten.
Die Legion bestimmte nicht nur den ökonomischen Pulsschlag der Region, sondern prägte auch stark die religiösen Vorstellungen der Bevölkerung. Neben den staatlichen römischen Göttern wie Jupiter, Juno, Venus und Merkur, wurden jedoch die einheimischen religiösen Kulte nicht nur geduldet, sondern von den Römern zum Teil auch selbst angenommen. Für die alten römischen Götter sei hier auf die
Bronzestatuette der Fortuna sowie das Fragment eines Amors verwiesen, das im Hofgarten gefunden wurde.
Daneben gedieh in Bonn besonders der Kult der aufanischen Matronen. Reste eines im 2. Jahrhundert errichteten Tempels wurden in Fundamenten im Bereich des Münsters entdeckt. Einer der diesen universellen Schutzgottheiten geweihten Steine ist auf der rechten Seite des Raumes zu betrachten. Die Darstellung der Matrone findet sich auf einer Seitenfläche.
Der Beginn des Christentums in Bonn ist nicht genau datierbar, doch sind vor dem 4. Jahrhundert archäologisch keine christlichen Begräbnisse nachweisbar. Bei der Bestattung mit Grabstein handelte es sich ursprünglich um eine oberitalienische bzw. griechische Tradition. Nur wohlhabende Einwohner wie jener Offizier aus trajanischer Zeit (Anfang 2. Jahrhundert n. Chr.) konnten sich solch ein aufwendiges Grabmal leisten, wie es auf der linken Seite des Raumes ausgestellt ist. Es zeigt den verstorbenen Soldaten beim Totenmahl im Jenseits. Auf ähnliche Weise wie die Grabsteine die Erinnerung an die individuelle Existenz über die Jahrhunderte aufrecht erhielten, liefern uns die Überreste antiker Bautätigkeit im gesamten Bonner Stadtgebiet noch heute ein eindrucksvolles Zeugnis des goldenen, römischen Zeitalters.
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