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Bonn und Umgebung in zeitgenössischen Ansichten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert


Der so genannte Topographieraum vereint Bonner Stadtansichten aus verschiedenen historischen Epochen. Aus unterschiedlichen künstlerischen Perspektiven bietet sich eine Chronik der Entwicklung vom ausgehenden 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart. So dokumentieren die Gemälde, Stiche und Fotografien die Veränderungen im Stadtbild von der barocken Pracht der Kurfürstenzeit über die Verwüstungen der beiden Weltkriege bis hin zum Bauboom der Hauptstadtzeiten. Im Mittelpunkt steht das Stadtmodell aus Holz. Das ausgestellte Andenkenporzellan aus der Bonner Umgebung verdeutlicht aber auch einen Wandel in der Wahrnehmung der Stadt und die Entdeckung des romantischen Rheins als Reiseziel.


"Fahnen fliegen, Salutschüsse donnern: Max Franz kommt". Man fühlt sich nahezu als Betrachter in das Jahr 1780 und in die am Rheinufer wartende Menschenmenge zurück versetzt, so detailliert und lebendig schildert der Bonner Hofmaler François Rousseau das Eintreffen des letzten regierenden Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich (1784-1790). Einer Bildreportage gleich dokumentieren sieben Gemälde (ursprünglich umfasste die Serie dreizehn Ölbilder, ergänzt durch Radierungen) den feierlichen Empfang des Regenten an verschiedenen Schauplätzen.

Francois Rousseau um 1780



Francois Rousseau, Die Ankunft des Koadjutor Maximilian Franz in Andernach, um 1780





Die großformatige Ankunftsszene in Andernach dominiert die linke Längsseite des Raumes. Vor der (topographisch verfremdeten) Kulisse der südlichen Grenzstadt des kurkölnischen Territoriums erwartet bereits eine Delegation des alten Kurfürsten Max Friedrich (1761-1784) seinen Nachfolger. Dieser kam samt seinem Gefolge von Wien per Schiff angereist. Auf dem Zweimaster zuvorderst steht Max Franz in einen schlichten schwarzen Reiseanzug gekleidet. Auf seiner Brust glänzt das Kreuz des Deutschen Ritterordens, zu dessen Hochmeister er kurze Zeit zuvor bestellt worden war. Weitaus farbenprächtiger wird in naiv anmutenden Szenen die Landung des Habsburgers in Bonn geschildert. Unter den Bürgern herrscht Volksfeststimmung. Fahnengeschmückte Barkassen begleiten den kurfürstlichen Tross; eine Abordnung der Kavallerie hat sich am Ufer aufgebaut. Die Begrüßung durch die Honoratioren der Stadt jedoch vollzieht sich noch auf dem Wasser. Die prunkvollen Bauten am Ufer bilden die angemessene Kulisse für den Empfang: Das stattliche Josephstor mit der goldenen Marienstatue und die barocke Bastion des Alten Zolls sind im Hintergrund erkennbar. Ein zwanzig Jahre zuvor entstandenes Kleinformat hält das Rheinufer aus ähnlicher Perspektive fest. Hierauf ist noch, am heutigen Standort der Oper, das feudale Gästehaus Clemenshof zu sehen. Einen nachhaltigen Eindruck von der Wohlhabenheit Bonns vermittelt auch das Bild, welches das Eintreffen des Festzugs mit der goldenen Prunkkutsche auf dem Marktplatz zeigt. Im Unterschied zu heute erstrahlt das Rathaus in einem zarten Gelb. Der Obelisk ist zur Feier des Tages mit dem goldenen Kurhut geschmückt. Der Abschluss der Bild-reihe ist der Ankunft von Max Franz im Ehrenhof der Residenz gewidmet. Im Mittelpunkt des Gemäldes steht die Begegnung der beiden Regenten. Um einen reibungslosen Thronwechsel zu gewährleisten, wurde Max Franz noch vor seiner eigentlichen Regierungsübernahme 1784 dem greisen Vorgänger als Koadjutor (Amtsgehilfe) beigeordnet. Mit dem Sohn Maria Theresias kam erstmals ein vom Geist der Aufklärung beeinflusster Herrscher nach Bonn. Er war nicht nur ein solider Verwalter des Staates, sondern auch ein Anreger des Geisteslebens und Förderer der Künste. In seine Regierungszeit fällt die Gründung der ersten Universität in Bonn im Jahre 1786. Den "Zeitschlag" jener Epoche vermitteln auch die beiden Standuhren, welche im 18. Jahrhundert von Jakobus Poletnich in Bonn gefertigt wurden. An der hinteren Stirnwand des Raumes aufgestellt rahmen sie den gläsernen "Will Kom" - Pokal der Stadt Bonn und das Gemälde "Das Rheinufer bei Bonn" von Abraham Storck aus dem Jahr 1674. Es handelt sich dabei um die früheste Ansicht der Stadt im Bestand des Museums. Sie zeigt noch das alte Zollgebäude, einen prachtvollen Renaissancebau, der leider restlos verloren ging.

Abraham Storck, 1674



Abraham Storck, Das Bonner Rheinufer, 1674






Ausgestellt sind auch ältere Stadtpläne und Kupferstiche aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Vom Residenzschloss existieren Ansichten des 18. Jahrhunderts. Erst in der langen Friedenszeit unter den Kurfürsten Joseph Clemens und Clemens August wurde die Festungsstadt zur Barockresidenz umgebaut. François Rousseau, dem sämtliche Ansichten zugeschrieben werden, zeigt das kurfürstliche Residenzschloss in seiner ursprünglichen Farbgebung. Die goldene Figur der Regina Pacis und die zahlreichen vergoldeten Tor- und Fenstergitter stehen in starkem Kontrast zur weiß-grau gehaltenen Fassade. Der Hofgarten, als barocker Ziergarten angelegt, wird durch einige Spaziergänger belebt. Interessant nicht nur aus städtebaulicher Perspektive ist die Sichtachse über die Poppelsdorfer Allee hin zum Schloss Clemensruhe sowie zum Kreuzberg mit der heiligen Stiege im Hintergrund. Vor dieser Kulisse hält Rousseau auch das bunte Jahrmarkttreiben der Poppelsdorfer Kirmes fest, die der Kurfürst Clemens August anlässlich der Weihe der Schlosskapelle im Juli 1746 und in den drei darauf folgenden Jahren ausrichten ließ.

Aufgrund der großen Erzählfreude seiner Werke gilt François Rousseau auch als "Bonner Berichterstatter". Durch seine kleinteiligen, detailfreudigen Bilder sind uns viele Ereignisse der kurfürstlichen Zeit überliefert. Von besonderer Dramatik war der Brand der Residenz am 15. Januar 1777, der in einer Serie von fünf Bildern aus verschiedenen Blickwinkeln wiedergegeben ist. Einem Augenzeugenbericht gleich werden die verschiedenen Phasen der Katastrophe dargestellt: Die zunehmende Heftigkeit der auflodernden Flammen, die vergeblichen Rettungsversuche der Umstehenden und schließlich die weitgehende Zerstörung der Residenz, von der sie sich bis zum Ende der Kurfürstenzeit 1794 nicht mehr völlig erholen konnte.

Als Konsequenz aus dem verheerenden Brand von 1777 wurden Steuererhebungen durchgeführt, bei denen jedes Haus nach Höhe und Bauweise klassifiziert wurde. Dieses Quellen- material bildete die Grundlage für das Stadtmodell aus Holz in der Mitte des Raumes, das der Bonner Heimat- und Geschichtsverein dem Museum zur Eröffnung stiftete. Es ermöglicht einen fundierten Überblick über Bonn gegen Ende der Kurfürstenzeit um 1790. Man sieht die von den geschleiften Resten der barocken Befestigungsanlagen umgebene Stadt, dominiert von dem breit angelegten Residenzschloss. Viele Strukturen sind noch heute erkennbar: Marktplatz mit Rathaus, Münsterplatz mit Münster, einige Straßenzüge der Innenstadt. Andere Bereiche sind durch die Expansion der Stadt im 19. Jahrhundert und durch die Zerstörungen im 2. Weltkrieg völlig verändert. So steht z.B. die Bonner Hauptpfarrkirche St. Remigius heute nicht mehr. Verloren sind auch die Klöster mit ihren großen Gärten. An der Stelle des Franziskanerklosters befindet sich heute ungefähr das StadtMuseum. Vollständig zerstört sind leider auch die großen Adelshöfe am Rhein, der Boeselagerhof und der Metternicher Hof. Das gleiche Schicksal widerfuhr der Gertrudiskapelle, dem Rheinkran und der Windmühle. Von der mittelalterlichen Stadtmauer mit den markanten Toranlagen - wie Sterntor oder Kölntor - ist nur noch ein versetzter kläglicher Rest des Sterntores in der Innenstadt erhalten. Das Modell in der Vitrine vermittelt einen Eindruck von der ursprünglichen Größe des Sterntores, hinter dessen trutzigen Wehrtürmen die angrenzenden Wohn- und Geschäftshäuser fast verschwinden.

Im 19. Jahrhundert wandelte sich die Wahrnehmung der Stadt. Nach dem Ende des Kurfürstentums verlor die Malerei ihre Aufgaben bei der höfischen Repräsentation. Neu ist die Entdeckung des "romantischen Rheins", der idyllischen Landschaft, die zunehmend als Reiseziel in Mode kam. Besonders aus England kamen früh Touristen nach Bonn, das eine wichtige Station auf der Reise rheinaufwärts war. Der romantische und touristische Blick auf die Landschaft führte zur Herausbildung von gewissen Lieblingsmotiven: Drachenfels, Rolandseck und Nonnenwerth waren die bevorzugten Sujets, schier endlos ist die Zahl der Bilder. Als exemplarisch für den spätromantischen Zeitgeist gilt die "Lustige Rheinfahrt" des bekannten rheinischen Landschaftsmalers und späteren Professors der Düsseldorfer Kunst-akademie Caspar Johann Nepomuk Scheuren. Das kleinformatige Ölgemälde zeigt eine ausgelassene Gesellschaft auf einer girlanden-bekränzten Barke vor dem Hintergrund des Siebengebirges mit dem Drachenfels.

Caspar Johann Nepomuk Scheuren, 1839


Caspar Johann Nepomuk Scheuren, Lustige Rheinfahrt, 1839





Das neue Interesse an der Rheinlandschaft blieb nicht auf die klassischen Kunstgattungen beschränkt. In den Vitrinen ist Andenkenporzellan des 19. Jahrhunderts ausgestellt. Es zeigt zwar Motive aus der Umgebung, wurde aber nur in seltenen Fällen in den Bonner Keramikfabriken gefertigt und kam als Andenken nur für betuchte Touristen in Frage.

Aus den Impressionen des 20. Jahrhunderts seien zwei Gemälde von Carl Nonn von Rathaus und Marktplatz herausgegriffen, die einmal einen sonnigen Markttag in den zwanziger Jahren zeigen und zum Vergleich das kriegszerstörte Bonn in harten Grautönen.

Mit realistischer Unerbittlichkeit zeigen die großformatigen Fotoabzüge im Flur die Verwüstungen des Zweiten Weltkrieges. Zum Vergleich sind Fotografien vom ursprünglichen Zustand und vom Zustand nach dem Wiederaufbau ausgestellt. Auf eindrucksvolle Weise wird so auch der städtebauliche Wandel im 20. Jahrhundert dokumentiert. So ist das Viertel der rheinseitigen Innenstadt um die Rheinbrücke herum heute nicht mehr wieder zu erkennen. Breite Autostraßen und der Neubau der Bonner Oper setzen nun die Akzente.

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