www.bonn.de/stadtmuseum

Homepage

|

Über uns

|

Index

|

Sitemap

|

Kontakt

 

StadtMuseum Bonn online


O 1 2 3 4/5 6 7 8 9/10 11 12/13 14/15 16 17 18

 

Schmidtbonn-Zimmer

Literatur in, über und aus Bonn: Von Apollinaire über Heinrich Heine und Thomas Mann bis Virginia Woolf

Bonn und die Umgebung des Siebengebirges wirkten als Motiv nicht nur inspirierend auf bildende Künstler, sondern wurde auch als Stoff in der Literatur rege verarbeitet. Mit der Gründung der Universität und der Entdeckung des Rheins als Touristenziel kamen im 19. Jahrhundert zunehmend auswärtige Schriftsteller nach Bonn. Als Bundeshauptstadt lieferte sie den Schauplatz für politische Romane. Auf Wandtafeln werden in diesem Raum Schriftsteller in Text und Bild vorgestellt, in deren Werk Bonn eine Rolle spielt, wie groß oder klein sie auch immer gewesen sein mag.

Ein Literat, der sich der Stadt Bonn so eng verbunden fühlte, dass sie Teil seines Namens wurde, war der Schriftsteller Wilhelm Schmidtbonn (1876-1952). Er widmete seiner Heimatstadt den Roman "Der dreieckige Marktplatz", der vor dem Hintergrund des Bonns der Kaiserzeit spielt. Wie die meisten seiner anderen Werke, schrieb Schmidtbonn auch diese Erzählung wohl zuhause nieder. Im rekonstruierten Schmidtbonnzimmer, welches die gesamte linke Hälfte des Raumes einnimmt, lebt nun die Atmosphäre des Dichterhauses fort. Das Mobiliar aus seinem Nachlass, der 1966 in den Besitz der Stadt kam, wurde durch passende Exponate des StadtMuseums ergänzt. Das es sich um einen Literatenhaushalt handelt, scheint der gut gefüllte Bücherschrank unmissverständlich klar machen zu wollen. Auf dem runden Biedermeiertisch finden sich drei Buchaus- gaben der Werke Schmidtbonns. Das aufgeschlagene Exemplar ist mit einer handschriftlichen Widmung versehen. Zunächst hatte Schmidtbonn als Verfasser von Schauspielen Erfolg, was ihm eine Stellung als Dramaturg am Düss-eldorfer Schauspielhaus vor 1910 verschaffte. Dort führte er einen modernen Inszenierungsstil ein, der sich vom prunkenden Naturalismus der Gründerzeit absetzte. In diesen Jahren seines größten Erfolges machte er auch wichtige Künstlerbekanntschaften. In Düsseldorf traf er den jungen August Macke, der für ihn einige Bühnenbilder entwarf. Ein Frühwerk Mackes und Geschenk des Künstlers ist das Gemälde "Schwarzwaldmädchen", das über dem Bücherschrank ausgestellt ist. Der Schriftsteller knüpfte auch Kontakte mit Künstlern der Avantgardegruppen, wie der Gruppe "Blauer Reiter" in München. Zeugnis hierfür sind die Porträts Schmidtbonns und seiner Frau von der Hand Gabriele Münters. Nach dem Ersten Weltkrieg führte Schmidtbonn ein unstetes Leben mit häufigen Umzügen. Er blieb literarisch produktiv, konnte aber nicht mehr an seine Erfolge anknüpfen. Seine letzten Jahre verbrachte er in Bonn (bzw. Bad Godesberg), wo er 1952 starb. Überregional ist Wilhelm Schmitdtbonn ein fast vergessener Schriftsteller, in Bonn hat er als Lokalautor noch eine gewisse Bekanntheit.

An dem Doppelschreibtisch an der Fensterwand wurden schon Briefe an bedeutende Persönlichkeiten des 19. Jahrhunderts geschrieben, unter anderem an Johann Wolfgang von Goethe. Er gehörte dem berühmten Kunstsammler und Kunstkenner Sulpiz Boisserée aus Köln, der zusammen mit seiner Frau Mathilde auf der Lithographie über dem Tisch zu sehen ist. Auf die Sammlung der Gebrüder Boisserée geht nicht zuletzt die Alte Pinakothek in München zurück. Seine letzten Lebensjahrzehnte verbrachte Sulpiz Boisserée in Bonn und knüpfte in dieser Zeit so enge freundschaftliche Bande zu Karl Simrock, dass diesem der Schreibtisch vermacht wurde. Die Familie des Simrock-Enkels Heinrich Reifferscheid stellte den Tisch wie auch die Aufsatzschreib- kommode in Raum 6 und weitere Teile des Nachlasses dem StadtMuseum als "ewige Dauerleihgaben" zur Verfügung.

Wilhelm Schmidtbonn, 1913


Gabriele Münter, Bildnis des Dichters Wilhelm Schmidtbonn, 1913


Wilhelm Schmidtbonn ist nicht der einzige Schriftsteller aus Bonn mit Renommee. Am bekanntesten dürfte Karl Simrock sein, dessen publizistischer Erfolg sich aber vor allem auf seine Übersetzungen der germanischen Sagen bezieht. Darüber hinaus gab es im 19. Jahrhundert eine rege literarische Szene, die sich im Maikäferbund organisierte. An erster Stelle zu nennen wäre das Ehepaar Kinkel, das sich über diesen schöngeistigen Zirkel hinaus als Kunst- und Literaturkritiker hervortat und sich politisch engagierte. Zudem ist Johanna Kinkel die einzige nennenswerte Vertreterin bönnscher Mundartdichtung im 19. Jahrhundert. Im Rückblick tritt Heinrich Zerkaulens und Hanns Heinz Ewers` schriftstellerisches Werk hinter deren unrühmliche Liaison mit dem Naziregime zurück. Dabei wurde Ewers mit seinem Alraune-Roman erst von den Nationalsozialisten gefeiert und später geächtet. Sein Hauptwerk ist gemeinsam mit anderen Büchern Bonner Provenienz in der rechten Tischvitrine ausgestellt.

Einer der größten Künstler des 20. Jahrhunderts wurde unweit von Bonn in Brühl "von einem Adler ins Nest gelegt". Dass der als surrealistischer Maler gefeierte Max Ernst auch ein Meister der Schreibfeder war, davon zeugen seine dadaistischen Gedichte und Collagenromane. Später sollte Ernst auch Bekanntschaft mit Guillaume Apollinaire schließen, der als einer der ausdrucksstärksten Lyriker des 20. Jahrhunderts gilt. Der Franzose Apollinaire hatte 1901 bereits ein Jahr als Hauslehrer im Schatten des Siebengebirges verbracht. Hierbei inspirierte ihn das Rheinland - und mehr noch seine unglückliche Verliebtheit in die junge englische Kollegin Anny - zu einer Reihe meist melancholischer Gedichte, die später zum Teil in sein Hauptwerk, die Sammlung "Alcools", eingingen.

Zwar kein gebürtiger, dafür aber ein gefühlter Bonner bekam 1934 den Nobelpreis für Literatur zuerkannt. Luigi Pirandello hat nach eigenen Angaben die glücklichsten Jahre seines Lebens in Bonn verbracht. An der hiesigen Universität promovierte er über das Thema "Laute und Lautentwicklung der Mundart von Girgenti" und wurde Lektor am romanischen Seminar. Er setzte dieser Zeit mit den "Rheinischen Elegien" 1895 ein literarisches Denkmal. Weitaus zwiespältiger dürfte Thomas Manns Verhältnis zu Bonn gewesen sein. Die Aberkennung der Ehrendoktorwürde des Nobelpreisträgers von 1929 nach dessen Ausbürgerung zählt zu einem der dunkelsten Kapitel der Bonner Universitätsgeschichte. Nach dem Ende der Nazidiktatur wurde Mann jedoch als Dr. h.c. wieder eingesetzt. Eine vom Autor gewidmete Ausgabe von "Mario und der Zauberer" findet sich mit anderen selteneren Schriftstücken in der rechten Tischvitrine.

Zu den wenigen Zeilen von literarischem Weltrang, die in der Bonner Gegend entstanden sind, gehören neben Apollinaires Rheinliedern vor allem Lord Byrons Drachenfels-Verse. Seine schwärmerischen Gedichte gelten als Inbegriff der Rheinromantik. Der Brite William Beckford hatte als einer der ersten den Reiz der Landschaft entdeckt und machte sie mit seinem Rheinreise-Tagebuch besonders für englische Reisende attraktiv. Im Zuge dieser Entwicklung kamen im 19. Jahrhundert zunehmend auswärtige Schriftsteller nach Bonn. In Briefen und Reiseberichten, in Dramen, Gedichten und Romanen verarbeiteten sie ihre Eindrücke. Meist nur in kurzen Episoden taucht das Bild einer noch recht kleinen, verschlafenen Universitätsstadt am Eingang zum romantischen Rheintal auf. Berühmte Reisende waren etwa Hans-Christian Andersen oder Mary Shelley.

Schreibtisch um 1800


Schreibtisch von Sulpiz Boisserée um 1800 Dauerleihgabe von Dr. Gerhard Reifferscheidt






Die modernen Schriftsteller der Nachkriegszeit waren weniger an der Stadt Bonn selbst, als an der neuen Bundeshauptstadt interessiert. Das Treiben der neuen politischen Klasse gab unter anderem die Anregung zu dem Roman "Das Treibhaus" von Wolfgang Koeppen und nicht zuletzt zu den Romanen "Ansichten eines Clowns" und "Frauen vor Flusslandschaft" von Heinrich Böll. Der Name des Nobelpreisträgers von 1972 ist auch schon früher mit Bonn verbunden, da er hier eine Buchhändlerausbildung begann, die er nach kurzer Zeit aber wieder abbrach. In diese Zeit fallen auch seine ersten schriftstellerischen Versuche. Eher despektierlich äußert sich der spätere Nobelpreisträger Günter Grass in seinem "Tagebuch einer Schnecke" über die rheinische Stadt, die für ihn die muffige politische Mentalität der fünfziger und sechziger Jahre zum Ausdruck bringt.

Einen anderen Aspekt des politischen Bonn spricht John le Carré in seinem Roman "Eine kleine Stadt in Deutschland" an: Den Tummelplatz der Spione aus aller Welt, der einen idealen Hintergrund für einen Agentenroman bildet. Er zeichnet ein neblig-verschwommenes Bild der Bundeshauptstadt und fixiert mit dem Bonmot "Entweder es regnet oder die Bahnschranken sind zu" ein literarisches Motiv, das in der Folgezeit immer wieder dankbar aufgegriffen wurde.

An dem Glastisch mit der kugelförmigen Stehlampe auf der rechten Seite bietet sich den Besuchern die Möglichkeit zum weitergehenden Studium der literarischen Texte aus und über Bonn. Die Besucher sind eingeladen in den ausführlichen Textsammlungen zu stöbern, die in den schwarzen Kladden auf dem Glastisch ausliegen. Einen kurzweiligen Überblick bieten die an der Wand ausgestellten Text- und Bildtafeln. Auch wenn einige Motive wie das Treibhausklima oder die geschlossenen Bahnschranken immer wieder in der Literatur auftauchen, zeigen die zusammengestellten Texte doch eine subjektive Annäherung der Autoren an die Stadt Bonn. Auf diese Weise mag sich auch bei den Besuchern beim Stöbern in den Textsammlungen ein neuer Zugang zu Bonn erschließen.



Vortrag von Pia Heckes im StadtMuseum

RUBRIKEN

 

Service

Öffnungszeiten, Lageplan, Eintrittspreise

mehr [...]

 

Führungen

Termine, Informationen

mehr [...]

 

Kinder ins Museum

Kinder entdecken das Museum

mehr [...]

 

Sammlung Delander

Die vollständige Sammlung von Kurt Delander

mehr [...]

 

Rundgang

Erleben Sie die Räume des StadtMuseums auf einem virtuellen Rundgang.

mehr [...]

 

Ernst-Moritz-Arndt-Haus

Die Dependance des StadtMuseums

mehr [...]

 

Ausstellungen und Veranstaltungen

Alle laufenden und kommenden Ausstellungen auf einen Blick

mehr [...]

 

Publikationen

Unsere Veröffentlichungen

mehr [...]

 

Bonner Köpfe

Portraits berühmter Bonner Persönlichkeiten

mehr [...]

 

Jubiläen

Wichtige Daten bekannter und berühmter Persönlichkeiten

mehr [...]

 

Highlights

der vergangenen Jahre

mehr [...]

 

Vermietung

Anmietung der Sonderausstellungsräume im Museum und des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses

mehr [...]

 

Förderverein und Stifter

Förderverein und Förderer

 

City Museen

mehr [...]

 

Galerie

Alle Abbildungen dieser WebSite auf einen Blick

mehr [...]

 

Linktipps

Ausstellungen und Museen in Bonn und Umgebung, nationale Museumslinks

mehr [...]

 

IMPRESSUM

StadtMuseum Bonn

   

Homepage

 | 

Über uns

 | 

Index

 | 

Sitemap

 | 

Kontakt

|


© 1999 StadtMuseum Bonn

Postanschrift: StadtMuseum Bonn Altes Rathaus/Markt 53103 Bonn

Tel: 0228/772094 Fax: 0228/774298