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Bonn als Haupt- und Residenzstadt der Kölner Kurfürsten und die Kurfürstliche Galerie


Einige originale Gegenstände aus dem kurfürstlichen Schloss (heute Hauptgebäude der Universität Bonn), Schloss Clemensruh in Poppelsdorf und den leider ganz aus dem Stadtbild verschwundenen Bonner Adelspalästen ermöglichen einen Eindruck der höfischen Prunkentfaltung in der kurkölnischen Residenzstadt des 18. Jahrhunderts, die mit Kurfürst Clemens August ihren Höhepunkt erreichte, wenn auch das Vorbild Versailles, das allen deutschen Höfen vorschwebte, unerreichbar blieb.


Nach dem Rastatter Friedensschluss von 1715 konnte Kurfürst Joseph Clemens, der jüngere Bruder Herzog Maximilians von Bayern, nach Bonn zurückkehren und sich dem Neubau der Residenz widmen. Aber erst unter seinem Nachfolger und Neffen Clemens August, dem großen Mäzen und Bauherren, kam das Projekt richtig in Schwung. Begünstigt durch eine jahrzehntelange Epoche des Friedens, wurden Künstler aus vielen Ländern am Bonner Hof beschäftigt. Leider hat sich von dieser Fülle an Kunstwerken nur wenig erhalten. Vieles, darunter ein Großteil der Gemäldegalerie, Silber, Tapisserien, Porzellan und Mobiliar, wurde nach dem Tod von Clemens August zur Deckung der von ihm hinterlassenen Schulden in öffentlichen Auktionen versteigert, anderes ist beim Brand der Residenz im Jahr 1777 zerstört worden. Das zur Zeit des letzten Kölner Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich noch verbliebene bzw. neu erworbene Inventar wurde nach der Flucht des Kurfürsten 1794 vor den heranrückenden französischen Revolutionstruppen in alle Winde zerstreut. Die hier präsentierten Möbel, Bilder und kunstgewerblichen Gegenstände sind nur ein Abglanz der einst vorhandenen Pracht.

Glanzstücke der Sammlung sind die großformatigen Stilleben des Hofmalers Johann Metz von ca. 1760-1770, die ehemals in Paneelwände eingelassen waren sowie Landschaften von Jacob Manskirch. Bei den Möbeln verdient besonders die ehemalige und auch mit seinen Initialen (M H) verzierte Geldtruhe des Kurfürsten Maximilian Heinrich Erwähnung, ein aufwendig mit Intarsien gestaltetes Möbelstück, in das ehemals der eigentliche Kassenschrank aus Metall hineingestellt wurde.

Zu den Luxusgegenständen am Hof gehörte neben reich verzierten Gläsern im 18. Jahrhundert natürlich auch Meissner Porzellan, hier vertreten durch einen kunstvoll gestalteten und figurenreichen Jagdpokal, der Kurfürst Clemens August zum Geschenk gemacht worden war. Auf die große Jagdleidenschaft des Kurfürsten verweist auch die Peitsche für Parforce-Jagden, ein rares Stück aus dem Nachlass des kurfürstlichen Stallmeisters.

Die höfischen Luxusobjekte stammten meist von auswärtigen Handwerkern, weil das lokale Bonner Handwerk offenbar den Ansprüchen des Hofes nicht genügte. Eine Ausnahme bildete der Bonner Silberschmied Andreas Emmel, von dem eine große Terrine auf einer Kommode zu sehen ist.

Die in der kurfürstlichen Galerie ausgestellte Reihe der aus dem katholischen Hause Wittelsbach stammenden Kölner Kurfürsten beginnt mit Ernst von Bayern. Unter ihm wurde Bonn zur kurkölnischen Haupt- und Residenzstadt erhoben, was urkundlich 1597 zum ersten Mal belegt ist. Ernst von Bayern hatte den Krieg gegen seinen Vorgänger, den zum evangelischen Glauben übergetretenen Erzbischof Gebhard Truchsess von Waldburg gewonnen, bei dem Bonn in schwere Mitleidenschaft gezogen worden war. Ernst von Bayern, Kurfürst von 1583 bis 1612, ist auf einem großen Gemälde mit prunkvollem Lackrahmen zu sehen. Ihm folgte Ferdinand von Bayern (1612-1650), der in der Galerie leider nicht mit einem Bild vertreten ist. Nach dessen Tod regierten Maximilian Heinrich (1650-1688) und Joseph Clemens von Bayern (1688 -1723). Dieser verbrachte den größten Teil seiner Regierungszeit im französischen Exil. Beider Regierungszeit ist wie die ihrer Vorgänger von großen Kriegen überschattet, in deren Verlauf Bonn mehrfach belagert und einmal (1689) völlig zerstört wurde.

Joseph Clemens, unter dem die Ausgestaltung der kurkölnischen Residenzstadt Bonn nach seiner Rückkehr aus dem Exil 1715 mit dem Neubau des Residenzschlosses ihren Anfang nahm, ist ganzfigurig porträtiert. Im Hintergrund ist die Wallfahrtskirche auf dem Kreuzberg zu sehen, die in gerader Sichtachse mit dem Residenzschloss verbunden ist.

Der Neffe von Joseph Clemens, Kurfürst Clemens August (1723-1761) profitierte in seinem Streben nach Glanzentfaltung von einer Zeit relativen Friedens. Er ist in der Galerie mit zwei Porträts vertreten, einmal in seiner Tracht als Hochmeister des Deutschen Ordens, im zweiten Bild als Kurfürst im Hermelin. Schon aus dem Habitus lässt sich der prunkverliebte Regierungsstil dieses Kurfürsten erahnen, der stets dem äußeren Glanz den Vorzug vor einer substantiellen Politik gab. Vom Charakter war er eher empfindlich, starken Stimmungsschwankungen unterworfen, ja zu Depressionen neigend und von den Einflüsterungen seiner wechselnden Höflinge abhängig.

Noch in Teilen des originalen Paneelrahmens hat das Bildnis von Clemens Augusts Vater, Herzog Maximilian von Bayern, seinen Weg von der Ahnengalerie im Poppelsdorfer Schloss ins Museum gefunden.

Clemens Augusts groß angelegte Bauvorhaben in Bonn und Brühl verschlangen riesige Geldsummen. Nach seinem Tod mussten große Teile der Kunstsammlungen versteigert werden, um auch nur die drängendsten Schulden zu tilgen.

Sein Nachfolger Max Friedrich (1761-1784) aus dem gräflichen Geschlecht von Königsegg-Rothenfels, ist auf dem Porträtbild mit seinen signifikant buschigen Augenbrauen zu sehen. Er pflegte eine sehr viel sparsamere und prosaischere Hofhaltung, was ihn bei der an große kurfürstliche Auftragsvergaben gewohnten Bürgerschaft nicht gerade beliebt machte.

Mit dem letzten Bonner Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich (1784-1794), zu sehen auf einem kleinformatigen Porträt, kam erstmals ein vom Geist der Aufklärung geprägter Herrscher nach Bonn, was bei einem Bruder des Aufklärers auf dem Kaiserthron, Joseph II., nicht verwundern kann. Der musikliebende jüngste Sohn Maria Theresias war ein persönlich bescheidener und solider Verwalter des Staates. Sein besonderes Interesse galt der Pflege seiner Hofkapelle. Gleichwohl durchaus sparsam verzichtete er u.a. auf die Anstellung Mozarts als Musikdirektor. In seiner Amtszeit wurde die Hofkapelle zu einer der berühmtesten und qualitätsvollsten in Deutschland. Wichtig war ihm auch die grundlegende Verbesserung des Volksschulwesens wie auch der höheren Bildung. In seine Regierungszeit fällt 1786 die Gründung der ersten Universität in Bonn. In ihrer kurzen Lebenszeit (sie wurde bald nach der Einnahme Bonns durch die Franzosen wieder geschlossen) wurde sie zu einer weithin anerkannten Hochschule, deren Professoren mit den Ideen der Aufklärung und in Einzelfällen (Eulogius Schneider) mit den Idealen der Französischen Revolution sympathisierten. Hauptgebäude der Universität, die in ihrem Bildungsanspruch die viel ältere, aber in orthodoxen Vorstellungen ver- und beharrende Kölner Universität schnell überflügelte, war das ehemalige Jesuitengymnasium in der Bonngasse. Als Student der Universität in Bonn ist auch der junge Hofmusiker Ludwig van Beethoven nachgewiesen, dem ein Stipendium seines kurfürstlichen Dienst- und Landesherrn 1792 Reise und Aufenthalt in Wien zum Studium bei Joseph Haydn ermöglichte.

Über den Beginn der Regierungszeit von Maximilian Franz, der auch Ehrenmitglied der 1787 gegründeten und ebenfalls dem (Volks)bildungsgedanken und der Aufklärung verpflichteten Lesegesellschaft gewesen ist, sind wir durch eine Bildserie des kurfürstlichen Hofmalers Rousseau informiert, die in Raum 3 des Museums zu sehen ist. Sie zeigt die Ankunft von Maximilian Franz in Bonn im Jahre 1780. Noch vor seiner eigentlichen Regierungsübernahme wurde er 1784 als Koadjutor (Amtsgehilfe) des greisen Kurfürsten Maximilian Friedrich ehrenvoll empfangen und eingeführt. Als Ehrenbezeugung überreichte ihm die Bürgerschaft einen Degen, der ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.

Maximilian Franz förderte durch eigene Bestellungen auch das Kunsthandwerk. Die Goldschmiedekunst und das Können von Andreas Emmel (1759 Bonn - 1828 Wien) erreichte in diesen letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts seine höchste Blüte. Das vom Kurfürsten bei Andreas Emmel bestellte Silbergeschirr ist nicht mehr erhalten, wohl aber noch einzelne Teile des ursprünglich mehr als 300-teiligen Silberservices, das Emmel 1792 im Auftrag des kurfürstlichen Hofrats Paul Joseph Reichsfreiherr von Landsberg-Velen anfertigte. Von dem bis 1945 in Privatbesitz vollständig erhaltenen Geschirr gelangten in den zurückliegenden Jahrzehnten einige Teller, Leuchter, Terrinen, Schüsseln, Besteckteile etc. in den Kunsthandel und konnten von den Landesmuseen in Bonn und Münster erworben werden. Die verschollen geglaubten Hauptstücke des Services, sämtlich mit dem Familienwappen der Auftraggeber versehen, sind erst kurz vor 2000 auf der Kunstmesse in Maastricht wieder aufgetaucht und konnten 2001/2002 als nationales Kulturerbe mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder, des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, der Stiftung für Kunst und Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen und anderer Stiftungen bzw. privater Spender für das StadtMuseum erworben werden. Die große ovale Terrine, zwei runde Terrinen, ein Paar vierflammiger Girandolen und vier Einzelleuchter, die den zentralen Kernbestand des Services bilden, sind in einer großen Glasvitrine in der Raummitte wie auf einer festlichen Tafel aufgestellt. Die künstlerische und handwerkliche Leistung Andreas Emmels lässt sich ohne weiteres mit den Schöpfungen etwa der Augsburger Goldschmiede aus den achtziger und neunziger Jahren des 18. Jahrhunderts messen. Das Service nimmt eine einzigartige Stellung im Rheinland ein, das im 18. Jahrhundert sonst keine nennenswerten Schöpfungen auf dem Gebiet des Tafelsilbers hervorgebracht hat.
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"Gekennzeichnet von überragender Qualität der sorgfältigen Ausführung, wie sie sich speziell in der Behandlung der plastischen Elemente manifestiert, bildet der innerhalb der rheinischen Goldschmiedekunst des 18. Jahrhunderts singuläre Kernbestand des Ensembles einen kompositorisch stark gestaffelten und zugleich symmetrisch angelegten Komplex von imposanter Erscheinung, der den Glanz adeliger Tafelkultur im Umkreis des Bonner Kurfürstenhofs gegen Ende des Alten Reiches in höchst eindrucksvoller Weise veranschaulicht." (Lorenz Seelig)

Im Herbst 1794 musste Maximilian Franz vor den heranrückenden Truppen der französischen Revolutionsarmee Bonn verlassen. Ein letztes Mal segneter die Bonner von der Treppe des Alten Rathauses und kehrte nach Wien zurück. Damit endete die kurfürstliche Zeit in Bonn und die Stadt versank in Armut.



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