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Bonn vom ausgehenden 18. bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts

Die Bonner Stadtgeschichte jener Epoche ist eine Geschichte der Machtwechsel. Mit der Besetzung durch die Franzosen 1794 wurden zwei Jahrhunderte kurfürstlicher Herrschaft beendet. Die Franzosenzeit sollte zwar nur zwei Jahrzehnte andauern, hinterließ aber dennoch dauerhafte Spuren. In der Folge des Wiener Kongresses fiel Bonn 1815 schließlich an Preußen.


Eine gewaltige Zäsur der Bonner Stadtgeschichte lässt sich verkürzt anhand einiger Ausstellungsstücke in der Glasvitrine rechts der Eingangstür darstellen. Vom letzten Kölner Kurfürsten Maximilian Franz von Österreich (1784-1794) sind einige Porträts versammelt. Ein Zinnteller zeigt den Kurfürsten beim Ausüben seines wichtigsten verfassungsgemäßen Rechtes, der Wahl des deutschen Kaisers. Anlässlich der Kaiserwahl seines Bruders Leopolds II. in Frankfurt im Oktober 1790 trägt der im Reiterporträt dargestellte Kurfürst dem gewählten Kaiser symbolisch die Kaiserkrone an. Schon bald danach aber sollte das Kurfürstentum in den Sog der europäischen Ereignisse geraten. Die französischen Revolutionsarmeen kämpften erfolgreich gegen Europas Fürstenheere und erreichten 1794 auch Bonn. Das Gewehr über der Vitrine, die Schwerter, Dolche und der Soldatenhelm sind Ausdruck der militärischen Übermacht von Napoleons Truppen. Angesichts der bedrohlichen Lage segnete Maximilian Franz am 3. Oktober die Bevölkerung ein letztes Mal von der Rathaustreppe aus, um danach die Stadt fluchtartig für immer zu verlassen. Mit dem Zusammenbruch des Kurfürstentums endete eine der bedeutendsten Epochen der Bonner Historie.

Das wohl augenfälligste Dokument der französischen Machtübernahme ist die von François Rousseau bildlich festgehaltene Errichtung des Freiheitsbaums auf dem Bonner Marktplatz durch die Revolutionstruppen. Als Symbol der Befreiung ist der Baum von Jakobinermütze und Trikolore gekrönt. Das Militär hat zu beiden Seiten mit blank gezogenen Säbeln Stellung bezogen. Die Architekturkulisse des Marktplatzes stimmt mit der von Rousseau gewählten Perspektive anlässlich des Koadjutorempfangs vierzehn Jahre zuvor überein. Bei der Darstellung des Obelisken scheint der Maler offenbar den Ereignissen vorzugreifen, berichtet der Chronist doch erst für den 1. März 1798, dass der Kurhut abgefeilt, die Wappen abgerissen und die Schriftplatten heraus gebrochen worden waren.

In der Zeit der französischen Herrschaft wurden aber nicht nur die Relikte des "Ancien Regime" symbolisch beseitigt, sondern auch die gesellschaftliche Ordnung wurde umgestürzt. Bonn und das ganze linksrheinische Gebiet wurden der französischen Republik einverleibt und gehörten in den nächsten Jahren zum "Departement de Rhin et Moselle". Das Kurfürstentum wurde säkularisiert, die Klöster aufgehoben. Von weitreichender Bedeutung war die von den Franzosen eingeführte neue Rechtsordnung, die Protestanten und Juden Kultusfreiheit und volle Bürgerrechte brachten. Bürgermeister oder französisch "maire" der Stadt Bonn wurde der Graf Anton von Belderbusch, der auf einem großformatigen Porträt rechts der Eingangstür zu sehen ist. Er war ein derart angesehener und integerer Politiker, dass er sein Amt auch nach Ende der französischen Herrschaft weiter ausübte. Die "Galerie" der Bonner Oberbürgermeister wird an der gegen-überliegenden Fensterwand fortgeführt.

Die Zeit französischer Herrschaft bedeutete für Bonn aber auch einen wirtschaftlichen Rückschritt. Schwer lasteten die Kontributionen für die andauernden Kriege Napoleons auf der Bürgerschaft. Der korsische Feldherr, von dem eine Porträtbüste aufgestellt ist, weilte zwei Mal in Bonn, um neue Befestigungsmöglichkeiten in Augenschein zu nehmen. Innerhalb weniger Jahre verkam die ehemalige Residenzstadt zu einem bedeutungslosen Landstädtchen. Dies ging so weit, dass das Schloss sogar zeitweilig zur Zuckerrübenfabrik umfunktioniert wurde. Mit dem Hof entfiel ein wichtiger Arbeitgeber und außerdem ein wichtiger Auftraggeber des Bonner Handwerks.

Graf Anton von Belderbusch, 1827

Wilhelm Faßbender, Bildnis des Grafen Anton von Blederbusch, 1927











Vielfältige Gebrauchsgeräte aus Kupfer, Messing und Zinn sind in den beiden Glasvitrinen an der rechten Stirnseite ausgestellt. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts verdrängten industriell hergestellte Haushaltswaren aus Blech und Email sowie billige Keramik das handwerklich produzierte Küchengerät, dessen Herstellung bis dahin in den Händen weniger Spezialisten gelegen war. Beispielhaft sei hier die Zinngießerdynastie der Perettis angeführt. Wie viele andere italienische Einwanderer auch waren sie im 17. Jahrhundert ins Rheinland gezogen und hatten sich schnell in der Bonner Bürgerschaft etabliert.

Nach den Bestimmungen des Wiener Kongresses kamen die Rheinlande 1815 zu Preußen und bildeten nun die "Preußische Rheinprovinz". Nach den wirtschaftlichen Nöten der vergangenen Jahrzehnte gab die neue Staatsmacht wichtige Impulse zur Neubelebung Bonns. Am wichtigsten war die Gründung der Bonner Universität 1818, die in den Räumlichkeiten des bis dato verwaisten Residenzschlosses untergebracht wurde. An der Fensterwand finden sich ein Grundriss des neuen Universitätsgebäudes aus der Gründungszeit und Entwürfe der Fresken für die Aula, welche, an antike Vorbilder angelehnt, die einzelnen Fakultäten darstellen.








Schreibsekretär aus dem Besitz von Nikolaus Simrock, 18. Jahrhhundert, später im Besitz seines Sohnes Karl Simrock, Dauerleihgabe von Dr. Gerhard Reifferscheid






Als eine der bekanntesten Universitäten des 19. Jahrhunderts zog die Bonner Alma Mater renommierte Hochschullehrer und wohlhabende Studierende an. Dokumente der berühmtesten Vertreter sind in einer Tischvitrine zusammengestellt. Es studierten hier unter anderem Heinrich Heine, Karl Marx und Friedrich Nietzsche. Die Studenten und ihre Verbindungen waren ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Bonn. Zum einen belegten sie die Zimmer der ansässigen Gastwirte, zum anderen ließen sie bei den örtlichen Handwerkern ihre aufwendigen Geschenke fertigen. In der großen Glasvitrine an der Wand sieht man die obligatorischen Tonpfeifen, die Bierhumpen für die oft wilden Gelage sowie die Erinnerungsbecher und Teller, die mit Widmungen und Verbindungswappen versehen wurden.

Zu den bedeutendsten Professoren dürfte Karl Simrock zählen, der den Gemanistiklehrstuhl begründete und sich durch zahlreiche Übersetzungen nordischen bzw. alt- und mittelhochdeutschen Textgutes hervortat. In der mit edlem Nussholz furnierten Aufsatzschreibkommode aus seinem Nachlass sind Auszüge seines Schaffens zu begutachten.

Zeitweilig von seiner Professur enthoben wurde der gebürtige Rügener Ernst Moritz Arndt. Seine Schriften aus den "Freiheitskriegen" gegen Napoleon, die in den mittleren Tischvitrinen zu sehen sind, machten ihn zu einer Ikone der deutschen Nationalbewegung. Als charakteristischer Ausdruck des erwachenden Nationalgefühls in jener Epoche ist wohl das Rheinlied des Bonner Schriftstellers Nikolaus Becker zu lesen. Die prekären, gegen Frankreich gerichteten Zeilen "Sie sollen ihn nicht haben, den freien, deutschen Rhein ..." fanden einen öffentlichen Widerhall sondergleichen, der sich zunehmend lautstark nationalistisch und undemokratisch artikulierte. In einer Vitrine sind die Büste Beckers, ein ihm vom bayrischen König geschenkter Pokal und eine der Erstausgaben des Gedichts ausgestellt.

Viele Bürger zogen sich nach den für sie ernüchternden Bestimmungen des Wiener Kongresses, die eine Wiederherstellung der absolutistischen Herrschaft bedeuteten und jegliche politische Opposition unterdrückten, ins Private zurück. Das Möbelensemble an der linken Wand mit Spiegel, Glasvitrine, Nähtischchen und den dazugehörigen Stühlen aus Nussbaumholz entstammt einem Biedermeiersalon. Mit allerlei kleinen Gebrauchsgegenständen wie sie in der Vitrine ausgestellt sind richtete man sich in seinem trauten Heim ein, schmauchte sein Pfeifchen und harrte der Dinge.

Als Gottfried Kinkel im März 1848 auf der Rathaustreppe die schwarz-rot-goldene Fahne schwenkte, war die Revolution auch in Bonn angekommen. Zusammenn mit seiner Frau Johanna und Karl Schurz gehörte der liberale Vordenker sicherlich zu den bekanntesten Protagonisten der demokratischen Bewegung. Endlich glaubte man die ersehnte Verfassung zu bekommen. Das an der Wand gerahmte "Demokratenlied" belegt die Hoffnung jener Tage. Doch schon bald gewann die preußische Monarchie mit Waffengewalt wieder die Initiative zurück.

Ein weiterer Konflikt schwelte im Zusammenleben der Konfessionen. Die preußische Vorstellung vom Staatskirchentum und die geltenden Religionsfreiheit waren nur schwer mit der tiefverwurzelten katholischen Lebensweise der rheinischen "Urbevölkerung" vereinbar. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts hielt sich z.B. in Bonn der Brauch, ein Totenbrett vor Häuser zu stellen, in denen ein Leichnam aufgebahrt war. Ein aufwendiges Reliquienkästchen sowie das Kruzifix in der großen Wandvitrine vermitteln dem heutigen Betrachter einen Eindruck von der Frömmigkeit weiter Teile der Bevölkerung.

Von nachhaltiger Bedeutung für die Stadt Bonn war die Stationierung der Königshusaren im Jahr 1851. Ihre feldgraue Uniform ist in der großen Wandvitrine ausgestellt. Die Husaren gehörten zu den vornehmsten Kavallerieregimentern Preußens, Kommandant war der König höchstpersönlich. Das Offizierschor setzte sich aus Söhnen vornehmster Adelsfamilien zusammen. Nicht zuletzt deshalb waren die Husaren auch auf dem Bonner Heiratsmarkt eine begehrte Partie. Viele alte Bonner Familien haben einen Husaren unter ihren Vorfahren.

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