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Musik in Bonn

Die Geschichte des Musiklebens in Bonn kann man in zwei Hauptphasen unterteilen: Eine höfische und eine bürgerliche. Die höfische umfasst die kurfürstliche Zeit bis 1794. Von dieser Zeit zeugen eindrucksvoll auch die zwei Pauken und die mit dem kurfürstlichen Wappen geschmückte Trommel. Es folgt die bürgerliche Phase im 19. und 20. Jahrhundert.

In der kurfürstlichen Zeit konnten sich musikalische Talente nur durch ein Engagement bei Hofe entfalten, in der Hofkapelle, in der sie als kurfürstliche Beamte und Angestellte im Orchester spielten oder in gehobener Position als Kapellmeister tätig waren. Anzahl und Qualität der Hofmusiker hing von den künstlerischen Neigungen der einzelnen Kurfürsten ab sowie vom Budget des Hofes. Wie viele andere Hofbeamte kamen auch die Hofmusiker nicht nur aus Kurköln oder anderen deutschen Staaten sondern auch aus Flandern (u.a. die Familie Beethoven) oder Italien (u.a. Luchesi). Die größte Berühmtheit in der Bonner Hofkapelle wäre Wolfgang Amadeus Mozart gewesen, wenn ihn der mit ihm gleichaltrige Kurfürst Maximilian Franz, der ihn aus Wiener Kindheitstagen kannte, als Hofkapellmeister bzw. Musikdirektor engagiert hätte. Darauf hatte sich zumindest Mozart Hoffnungen gemacht. Maximilian Franz war das Engagement aber vermutlich zu teuer.



Francois Rousseau, Maskenball im Bonner Hoftheater "Bönnsches Ballstück", 1754 Dauerleihgabe des Kölnischen Stadtmuseums




Immerhin ermöglichte der Kurfürst dem größten jungen Talent seiner Hofkapelle, Ludwig van Beethoven, 1787 eine Studienreise zu Mozart nach Wien, die der junge Musiker jedoch nach kurzer Zeit abbrechen musste, weil seine Mutter in Bonn im Sterben lag. Als Beethoven erneut nach Wien kam, wurde das ursprünglich für ein Studium bei Mozart zugedachte Stipendium des Kurfürsten für eine Ausbildung bei Joseph Haydn gewährt, da Mozart bereits verstorben war. Zu diesem Aufenthalt, von dem er nie mehr nach Bonn zurückkehrte, war Beethoven 1792 aufgebrochen, zwei Jahre bevor auch der Kurfürst selbst Bonn vor den heranrückenden französischen Revolutionstruppen verlassen und die Hofkapelle bald danach aufgelöst werden musste.

Neben der musikalischen Gestaltung der an einem geistlichen Hof natürlich obligatorischen zahlreichen Hochämter und kirchlichen Feste war es die Aufgabe der Hofmusiker, zur Unterhaltung des Kurfürsten und des Hofstaates beizutragen, besonders bei größeren gesellschaftlichen Anlässen, wie z. B. Maskenbällen. Von einem solchen Maskenball am Bonner Hof haben sich noch zwei interessante Bilddokumente erhalten: Die beiden noch vorhandenen so genannten Bönnschen Ballstücke des Hofmalers Rousseau von 1754. Ursprünglich gab es vier Gemälde, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln gemalt worden sind. Während das im Musikzimmer des StadtMuseums Bonn hängende Original als Dauerleihgabe des Kölnischen StadtMuseums den Blick von der Bühne in den Zuschauerraum wirft, geht in der Diaprojektion des anderen Bildes (das Original hängt im Brühler Schloss) der Blick vom Zuschauerraum Richtung Bühne. Auf beiden Bildern ist ohne Gesichtsmaske Kurfürst Clemens August in einem polnischen Kostüm zu sehen, eine Reminiszenz an die Herkunft seiner Mutter. Auf dem Brühler Bild trägt das neben ihm abgebildete Hündchen eine Halsschleife mit den Initialen C.A. Die beiden "Bönnschen Ballstücke" sind die einzigen Bilddokumente für das kurfürstliche Theater, das sich im Schlosstrakt direkt neben dem Michaelstor (heute Koblenzer Tor) befunden hat. Es verfügte über die technische Raffinesse, den Zuschauerraum auf eine Ebene mit dem Bühnenboden bringen zu können, um Festveranstaltungen wie das Ballvergnügen zu ermöglichen. Gleichzeitig bieten die beiden Gemälde auch die frühesten Abbildungen der Hofkapelle, deren Mitglieder jeweils unter den Seitenlogen musizieren.

Das Ende des Kurfürstentums 1794 hatte für das Musikleben in Bonn gravierende Folgen, auch für die Musiker selbst. Während einige Mitglieder der Hofkapelle wie andere Hofbeamten um ihre wirtschaftliche Existenz fürchten mussten - seit der Flucht des Kurfürsten gab es natürlich kein Monatsgehalt mehr - baute z.B. Nikolaus Simrock seinen schon existierenden kleinen Musikverlag zu einem der bedeutendsten in Deutschland aus. Andere wie die Brüder Romberg machten auf Konzertreisen im Ausland Karriere und Ferdinand Ries, der Sohn des Hofmusikers Franz Ries, machte sich in England einen blendenden Namen, bevor er nach über einem in London verbrachten Jahrzehnt wieder um 1823 nach Deutschland zurückkam und hier zum ersten Direktor der Niederrheinischen Musikfeste wurde. Von Ferdinand Ries ist in der Ausstellung ein mit seiner Signatur versehenes Klavier ausgestellt, das er vor seinem Tod der Familie seines väterlichen Freundes Nikolaus Simrock übereignet hat. Nikolaus Simrock und sein Freund Franz Ries sind in zeitgenössischen Porträts zu sehen. Daneben zeigt ein Bildnis Johanna Kinkel, eine Schülerin von Franz Ries und gleichzeitig Repräsentantin des angebrochenen bürgerlichen Zeitalters in Bonn. Johanna Kinkel war eine für damalige Zeitumstände höchst emanzipierte und musikalisch wie literarisch hochbegabte Frau, deren so genanntem Maikäferbund Professoren wie Studenten, darunter der später berühmte Jacob Burckhardt, angehörten und die mit ihrem Mann Gottfried Kinkel eine der profiliertesten Vertreterinnen der demokratischen Opposition in den Revolutionsjahren 1848/49 gewesen ist. Von ihr stammt auch das "Demokratenlied", das im Raum 6 zu sehen ist.

Johanna Kinkel um 1840


Unbekannter Maler, Bildnis Johanna Kinkel, um 1840











Dreh- und Angelpunkt des Bonner Musiklebens im 19. Jahrhunderts wurde das Werk von Ludwig van Beethoven. Dem 1827 in Wien verstorbenen Musiker, dessen Tod in Bonn erst mit Verspätung bekannt wurde, huldigte man im Nachhinein umso mehr, wobei die Verehrung für den Meister die Verehrer nicht unbedingt einte. So wurden z.B. die Vorbereitungen zum ersten Beethovenfest im Zusammenhang mit der Aufstellung seines Denkmals 1845 durch Querelen behindert, die auch nach dem Fest noch andauerten. Trotzdem war die mit viertägigen Festlichkeiten begangene Einweihung des Beet-hovendenkmals auf dem Bonner Münsterplatz der erste große Höhepunkt der Bonner Beet-hovenverehrung. Zur Sammlung hatte viele Jahre vorher Robert Schumann in der Neuen Zeitschrift für Musik aufgerufen (Monument für Beethoven). Die Finanzierung war vor allem durch das jahrelange Engagement von Franz Liszt möglich, der auch an der Gestaltung des Festes beteiligt war. Ein zeitgenössisches Klebebild von Heinrich Schneberger, das in der Ausstellung zu sehen ist, gibt den Festakt auf dem Münsterplatz detailgenau wieder. Auf dem Balkon des Fürstenbergschen Palais (heute Postamt) stehen die Ehrengäste, darunter König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen sowie Queen Victoria und ihr Mann Prinz Albert. Victoria befand sich mit ihrem Mann gerade auf Deutschlandreise und war eigentlich weniger der Denkmals- enthüllung wegen nach Bonn gekommen, sondern zur Besichtigung des Hauses am Martinsplatz, in dem ihr geliebter Gemahl Albert als Student in Bonn 1837/38 gewohnt hatte.

Das Denkmal Beethovens ist aus einem Wettbewerb hervorgegangen, den Ernst Julius Hähnel gewonnen hatte. Einer der Konkurrenzentwürfe, nämlich der von Hermann Knaur, hat sich im Bestand des StadtMuseums erhalten und ist in der Ausstellung zu sehen.

Neben Beethoven, der auch mit einigen Darstellungen und Erinnerungsgegenständen in der Ausstellung vertreten ist, und Franz Liszt sind sicherlich Clara und Robert Schumann und Johannes Brahms die berühmtesten Musiker, deren Leben und Werk zeitweise mit der Stadt Bonn verknüpft sind. Von den Schumann-Porträts, die im StadtMuseum Bonn zu sehen sind, ist sicherlich das von Ernst Rietschel geschaffene Doppelporträt von 1846 das bekannteste. Robert Schumann ist auf eher tragische Weise mit der Stadt verbunden. Er verbrachte seine letzten Lebensjahre in der privaten Nervenheilanstalt des Dr. Richarz in Bonn-Endenich, wo er recht häufig von Johannes Brahms besucht wurde, der auch später immer wieder zu längeren und kürzeren Aufenthalten nach Bonn gekommen ist.

Clara und Robert Schumann, 1846


Ernst Rietschel, Doppelporträt Clara und Robert Schumann, 1846






Die von Robert Schumann in der Endenicher Anstalt als Patient bewohnten zwei kleinen Zimmer im Obergeschoss des heute als städtische Musikbibliothek genutzten Hauses sind mit Erinnerungstücken an Robert Schumann ausgestattet und können zu den Öffnungszeiten der Musikbibliothek besichtigt werden. Robert Schumann wurde nach seinem Tod im Juli 1856 auf Veranlassung des damaligen Bonner Bürgermeisters Leopold Kaufmann in einem Ehrengrab auf dem Alten Friedhof in Bonn bestattet. 1880 wurde das Grab im Zusammenhang mit der Aufstellung eines von Adolf Donndorf geschaffenen Grabdenkmals, dessen als Muse gestaltete Frauenfigur die Züge Clara Schumanns trägt, um einige Meter verlegt.

In den Vitrinen befinden sich u.a. Erstdrucke des Musikverlegers Simrock sowie Zeugnisse von Musikern, die eine Verbindung zu anderen Musikalienherstellern in Bonn hatten. Eine umfangreiche Kladde steht Besuchern, die sich ausführlich mit dem Bonner Musikleben über die Jahrhunderte hinweg beschäftigen möchten, zur Einsicht zur Verfügung. Entwurf zum Beethoven-Denkmal.

Vergrößerte Ansicht!
Sog. "Bönnsches Ballstück". Tanzveranstaltung im kurfürstlichen Theater zu Bonn, Mitte 18. Jahrhundert. Dauerleihgabe des Kölnischen Stadtmuseums.

 

 

 

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