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Großbürgerlicher Salon um 1900 und Esszimmer der Bonner Unternehmerfamilie Tenten, um 1900


Die beiden hier präsentierten Interieurs, die nur durch einen offenen Durchgang getrennt sind, vermitteln ein Bild vom häuslichen Umfeld der gehobenen und damals im Kulturleben der Stadt tonangebenden Bonner Bürgerschicht um 1900, in deren Reihen es auch viele Mäzene gegeben hat.


Natürlich lebten bei weitem nicht alle Bürger in solch aufwendigen Räumen. Viele Menschen mussten sich sicher sogar mit sehr ärmlichen Verhältnissen begnügen. Solche Einrichtungen haben sich jedoch nicht erhalten, weil man sie entweder nicht als aufhebenswert empfand oder das Material keine lange Lebensdauer hatte.

Mobiliar und Ausstattung der beiden Räume stammen nicht aus einem einzigen tatsächlich existierenden Haushalt, sondern stellen eine idealtypische Rekonstruktion dar, die sich aus mehreren Bonner Quellen speist. Typisch für die Kaiserzeit ist das historisierende Aufgreifen von Stilrichtungen vergangener Jahrhunderte. Dabei wählte man den Stil auch mit Rücksicht auf die Funktion des Raumes aus. So zeigt das Esszimmer von ca. 1880, dessen Möbel aus einem Bonner Unternehmerhaushalt stammen, eher rustikale Renaissanceelemente und barocke Formen, während man für den Salon einen eleganten neoklassizistischen Stil bevorzugte.

Als Bilderschmuck an den Wänden finden sich dem Zeitgeschmack entsprechend Gemälde der Düsseldorfer und der Münchner Malerschule. Sie stammen aus dem Altbestand des StadtMuseums, wohin sie wiederum als Nachlass des begüterten Bonner Arztes Dr. Obernier gekommen sind. Er hatte sie für seine leider im Zweiten Weltkrieg zerstörte Bonner Rheinvilla angekauft, zum Teil noch von den Künstlern selbst.

Der Tisch ist mit einem aufwendigen Porzellanservice der Bonner Firma Wessel gedeckt, hinzu kommen zeitgenössische Gläser aus der Köln-Ehrenfelder Glasmanufaktur. Das Silberbesteck ist aufgefächert für eine Reihe von Speise- folgen, wobei immer das jeweils außen liegende Besteck für den nächstfolgenden Gang zu verwenden war. Mitten auf dem Tisch befindet sich ein prunkvoller Tischaufsatz, um der Tafel ein besonders repräsentatives Aussehen zu geben.

Im Salon sind Steingutplastiken aus der Bonner Steingutfabrik Franz Anton Mehlem nach Entwürfen des Bonner Bildhauers Karl Menser zu sehen und Jugendstilzinn der weltweit bekannten Krefelder Firma Kayserzinn. Unter den Dekorgegenständen findet sich auch edles Jugendstilglas Wiener Herkunft in Zinnhalterungen der Bonner Metall- und Glaswarenfabrik Van Hauten.

Die Wände schmücken die Wesendonckschen Familienbildnisse, darunter das Kinderbildnis von Hans Wesendonck, der als junger Student in Bonn plötzlich gestorben ist. Seine Eltern, der reichen Unternehmer Otto Wesendonck und die berühmte Wagner-Muse Mathilde Wesendonck wurden dadurch bewogen, ihre Familiengrabstätte auf dem Alten Friedhof in Bonn einzurichten. Ihre Gemäldesammlung gaben sie nach Bonn. Sie wurde zum Teil von der Stadt, zum Teil vom damaligen Provinzial-Verband übernommen. Die Altmeister-Sammlung der Familie begründete letztlich die Gemäldesammlung des Rheinischen Provinzialmuseums, das heutige Rheinische Landesmuseum.

Das Tafelklavier verweist auf die intensiv gepflegte Kultur häuslichen Musizierens in Bonn. Das Erlernen eines Instruments gehörte besonders bei Frauen zu den Standards einer gehobenen Erziehung.

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