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Bonner Firmen
Dieser Raum zur Bonner Firmengeschichte zeigt, dass Bonn im 19. und frühen 20.
Jahrhundert nicht nur Universitäts- und Rentnerstadt war, wobei als Rentner
keine im heutigen Sinne gemeint waren, sondern begüterte Leute, die von den Zinsen
ihrer ererbten und erworbenen Vermögen leben konnten und häufig großzügige
Gebäude in der Stadt oder am Rheinufer errichteten. Die häufig nur in der Sommersaison genutzten Villen
Kölner Bankiers oder Unternehmer aus dem Bergischen Land und dem Ruhrgebiet säumten das Rheinufer bis
nach Remagen. Zu den in Bonn tätigen Unternehmern zählten die Besitzer der beiden Feinsteingutfabriken
Franz Anton Mehlem und Ludwig Wessel, die teilweise über tausend Arbeiter beschäftigten und damit bis
zum ersten Weltkrieg die größten Arbeitgeber in Bonn gewesen sind.
Die keramische Industrie, die in ihren Anfängen auf die kurfürstlichen Initiativen zur
Porzellangewinnung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zurückgeht, entwickelte sich in den
1820er/30er Jahren und spaltete sich in zwei Unternehmen: Die Porzellan- und Steingutfabrik Ludwig Wessel
und die Steingutfabrik Franz Anton Mehlem. Der Neubau der Mehlemschen Fabrik wurde am heutigen Standort
des Bundesrechnungshofes an der Zweiten Fährgasse errichtet, und zwar noch zu Lebzeiten des gegenüber
wohnenden Ernst Moritz Arndt. Wessel blieb an seinem Standort in Poppelsdorf.
Beide Firmen hatten eine ähnliche Produktpalette. Sie umfasste drei Hauptbereiche:
Gebrauchsgeschirr für Haus und Küche, Sanitärkeramik (Waschgarnituren etc.) und so genannte Artistische
Erzeugnisse. Die beiden ersten Bereiche waren die bei weitem wichtigsten Stützen des Umsatzes.
Es waren größtenteils Massenprodukte, die in fast allen Schichten der Bevölkerung Verbreitung fanden
und um 1900 auch in die ganze Welt exportiert wurden, wie entsprechende Handelsniederlassungen von New
York über Havanna, Südafrika und Südamerika etc. belegen.
Zu den kunsthandwerklich anspruchsvollen Erzeugnissen, die sich nur finanziell besser gestellte Personen
leisten konnten, zählen viele der in den Vitrinen ausgestellten Dekorationsobjekte, u.a. Vasen, Schalen
und Lampenuntersätze. Am teuersten waren die per Hand bemalten Schaustücke, die je nach Zeitgeschmack
mit dem Dekor der Gründerzeit aufwarten, sich historisierend an die Delfter Keramik anlehnen bzw. ganz
dem Jugendstil verhaftet sind. Ein weiterer lukrativer Geschäftszweig war die Fabrikation von Wandfliesen,
für die in den 1890er Jahren Wessel eine eigene Fabrik errichtete.
Die Bonner Keramikindustrie hatte ihre Blüte in der Kaiserzeit. Unter den wirtschaftlich schwierigen
Bedingungen der 1920er Jahre mit dem Niedergang der Wirtschaft und Inflation konnte sie sich nicht
mehr behaupten. Die Bonner Fabriken wurden geschlossen und abgerissen. Einzig die Wandplatten- und
Fliesenproduktion von Wessel blieb noch lange Jahrzehnte im Geschäft.
Ein anderer Bonner Großbetrieb war die Bürogerätefabrik Friedrich Soennecken, 1875 gegründet. Anfangs
ein Kleinbetrieb, expandierte die Firma in atemberaubendem Tempo und erweiterte ihre Produktpalette
laufend. Von 105 Arbeitern im Jahre 1895 wuchs sie auf 981 Arbeiter im Jahr 1913 an. Hergestellt wurde
Bürogerät aller Art: Federhalter, Tintenfässer, Locher und Hefter. Hinzu kam bald die Fabrikation von
Büromöbeln. Einige kleinere Büroartikel sind in der Ausstellung zusammen mit alten Musterbüchern der
Firma ausgestellt, dazu ein Büroschreibtisch und ein Stuhl aus der Produktion von Soennecken um 1910.
Auch Soennecken exportierte die Produkte weltweit, und der Name ist, obwohl es die alte Firma schon lange
nicht mehr gibt, auf Büroartikeln auch heute noch präsent.
Ein weltweit bekanntes und weltweit exportierendes Unternehmen ist die Orgelbaufirma Klais. Die früheste
in Bonn hergestellte Klais- Orgel (mit z.T. noch aus England gelieferten Teilen) ist im Treppenhaus des
Museums auf der zweiten Etage zu sehen. Die Firma wurde 1889 von Johannes Klais (sen.) gegründet und
befindet sich bis heute in Familienbesitz. Einige Orgelbauwerkzeuge sind in einer Tischvitrine ausgestellt.
Alle Inhaber der Firma haben das Orgelbauhandwerk gelernt und dem Orgelbau jeweils neue Impulse gegeben.
Klais-Orgeln finden sich in Kirchen und Konzertsälen in aller Welt, z.B in Reykjavik, Manila, Singapur und
Sydney. Auch die neue große Orgel im Kölner Dom stammt von Klais.
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