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Fotoatelier und Modesalon
aus der Zeit um 1900

 

Nur durch einen Zwischengang getrennt werden hier, mit jeweils originalen Einrichtungsgegen- ständen, ein Fotoatelier und ein Modesalon aus der Zeit um 1900 präsentiert. Sie dokumentieren jeweils den in dieser Zeit im städtischen Milieu typischen Umbruch vom Maleratelier zum Fotoatelier bzw. die Etablierung von Geschäften mit modischer Konfektionsware zu Lasten der vorher in großer Zahl tätigen Schneidereien.


Suchte man auch nach der Erfindung der Fotografie Mitte der 40er-Jahre des 19. Jahrhunderts noch häufig Porträtmaler auf, um sich auf Familienbildern verewigen zu lassen, finden auch Fotografien immer größeren Zuspruch. Zuerst natürlich bei reisenden Künstlern, für die die kleinen Porträtbilder ideale Widmungsartikel für die Anhänger waren. Bestes Beispiel dafür ist die meistfotografierte Persönlichkeit des 19. Jahrhunderts, Franz Liszt. Ihn zu fotografieren war für die Fotografen ein lukratives Geschäft, weil sich überall Abnehmer für die Fotos gefunden haben. Häufig waren die ersten Fotografen vorher selbst als Maler, vorrangig als Porträt-maler, tätig und unterhielten entsprechende Ateliers, so auch die Familie Schafgans, die heute noch ein in Bonn legendäres Fotoatelier betreibt.

Die aufwendige Einrichtung des Fotoateliers mit Sofas und opulenten Bildern rührt von der Funktion der frühen Fotografie als "Ersatz" für die Porträtmalerei her. Ähnlich wie sich die Bürger im 19. Jahrhundert vor repräsentativen Hintergründen porträtieren ließen, war die Anfertigung einer Fotografie damals keine einfache alltägliche Knipserei, sondern eine aufwendige und nur zu besondern Anlässen durchgeführte Aktion, die man in angemessener Umgebung durchführte. Oft erscheinen die fotografierten Menschen vor Kulissen, die an Bühnenbilder erinnern.

Zentrales Objekt im Raum ist eine Plattenkamera mit Stativ aus einem Bonner Atelier in der Sternstraße, dazu eine weitere große Kamera nebst Ausleuchtungsgeräten. Im Hintergrund auf dem Tisch sind einige Originalbeispiele der damaligen Fotografie ausgestellt.

Die zentralen Möbelstücke im Bonner Modesalon sind eine kleine Spiegeltheke von ca. 1910 und ein großer Spiegel - Originalinventarstücke aus einem Bonner Geschäft. Auf jeweils angepassten Figurinen befinden sich einige modische Originalkleider aus der Zeit zwischen ca. 1870 und 1925. Das ausladende, rüschenbesetzte Kleid mit dem ausgesteiften "Hinterteil", dem so genannten Cul de Paris, zwang die Dame noch zur Einschnürung durch ein Korsett. Für die 20er-Jahre des 20. Jahrhunderts ist ein leichtes und luftiges Kleid typisch - hier von einer zeitgenössischen Modepuppe vorgeführt. Das Kleid bot seiner Trägerin in jeder Hinsicht mehr Bewegungsfreiheit. Dies war auch ein Ausdruck des gesellschaftlichen Wandels.

Auf und in den Vitrinen werden zahlreiche Accessoires präsentiert, die - jedes in seiner Zeit - ein modisches Muss gewesen sind. Es gab zwar keine "It-Bags", aber der Besitz von Stolen aus Marabufedern und eleganten Handschuhen verriet sowohl Wohlstand wie modischen Geschmack seiner Trägerin. Es handelte sich hier zum Teil um luxuriöse Artikel, deren Anschaffungskosten weit über den Wochenlohn eines Arbeiters hinausgingen.

Der hier abgedeckte Zeitraum bringt auch einen tiefgreifenden Wandel des Textilgeschäfts ans Licht: Die große Zahl der kleinen Schneiderbetriebe mit individueller Ware wurde langsam von Modegeschäften mit Konfektionsware abgelöst.

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