|
Bonner Kolonialwarenladen
Ein Duft von frisch gemahlenem Kaffee und Bohnerwachs. Solch Aroma muss den Kunden
wohl in die Nase gestiegen sein, wenn sie einst den kleinen Kolonialwarenladen in der
Sternenburgstraße 66 in Bonn-Poppelsdorf betraten. Beinahe ein ganzes Jahrhundert lang versorgte
das schummrig-charmante Ladenlokal die meist aus der unmittelbaren Umgebung stammende Kundschaft
mit Lebensmitteln und allerlei anderen Nützlichkeiten für den Hausgebrauch. 1893 eröffnet, wurde
das Ladengeschäft 1988 von den Besitzern aus Altersgründen aufgegeben.
Von ihrem Originalzustand, wie er auf der Zeichnung an der Fensterwand dargestellt ist,
war die Einrichtung zu dem Zeitpunkt ihres Erwerbs durch das StadtMuseum weit entfernt. Hundert Jahre
ununterbrochene Nutzung schlugen sich in Form eines klebrig festen Films aus Staub und Fett auf Tisch
und Regalen nieder. Die ursprüngliche Furnierbemalung musste bei der Restaurierung leider geopfert werden.
Auch wenn es sich hier im Vergleich um ein eher einfach ausgestattetes Ladenlokal handelt, kann es doch
als typischer "Tante-Emma-Laden" gelten. Meist waren diese Geschäfte so klein, dass sich nur eine
Verkaufsperson um die Wünsche der Kunden kümmerte. Die Kundschaft setzte sich in der Regel aus Nachbarn
zusammen, so dass beim Einkauf zumeist eine persönliche und familiäre Atmosphäre herrschte.
Kommunikativer Mittelpunkt war die Verkaufstheke. Auf der thront heute noch die kupferne Registrierkasse.
Abgerechnet, wie der Anzeige unschwer zu entnehmen ist, wurde in Mark und Pfennig. Mess- und
Schneidewerkzeuge in allen Variationen zeigen, dass Verkaufen damals noch viel mehr als heute mit präziser
Handarbeit zu tun hatte. Unzählige beschriftete Schubladen im Regal hinter der Theke verdeutlichen die
Angebotspalette des Kolonialwarenladens.
Auf die ursprüngliche Bedeutung des Begriffs Kolonialwaren, aber auch auf den latenten Chauvinismus der
Jahrhundertwende macht die Bronzestatue des Mohren mit Schale vor der Theke aufmerksam. Als Kolonialwaren
galten überseeische Erzeugnisse und Rohstoffe, insbesondere Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Kakao, Gewürze und
Tee. Eben Lebensmittel aus den damals noch existenten Kolonien. Mit der Zeit erweiterten die kleinen
Ladengeschäfte aber ihr Angebot. Vom Waschmittel bis zum Backpulver, von Schulheften bis zum Nähzeug
fand sich so gut wie alles im Sortiment, was von der Kundschaft nachgefragt wurde.
Das Mobiliar des Schmuckstückes stammt vom Ende des vorletzten Jahrhunderts, die zusammengetragenen Artikel
aber aus den verschiedenen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts. Es scheint, als ob die bauchigen Flaschen,
die soliden Kisten und Kästchen und die altertümlichen Werbeschilder die Aufmerksamkeit der Besucher auf
eine beinahe vergessene Warenwelt lenken und ebenso Auskunft über die Bonner Wirtschaftsstruktur der
Vergangenheit geben wollten. Alte Emaildosen und Kaffeebehälter aus Blech der bekannten Bonner Röstereien
Zuntz und Inhoffen stehen neben einer Werbetafel der Dampf-Kaffee Brennerei "Bonna".
"Traumaplast"-Wundpflaster und das "Pucki Webekästchen" wurden damals noch in Bonn gefertigt. Eine
typisch rheinische Spezialität sind die Konservendosen mit Apfelkompott, die zu einer Pyramide im Regal
aufgetürmt sind. Aus einem großen Krug wurde Senf portionsweise abgefüllt. Keksschachteln aus allen
Epochen reihen sich neben Waschmittelpackungen von Persil aus der Nachkriegszeit.
Kolonialwarenläden wie der hier ausgestellte hielten sich teilweise über Jahrzehnte. Erst die Ausbreitung
der Supermärkte und Kaufhäuser nach dem Zweiten Weltkrieg entzog vielen von ihnen die Existenzgrundlage.
Die Bewahrung eines solchen Schmuckstückes im StadtMuseum liefert uns Aufschlussreiches zur Alltagskultur
des 19. Jahrhunderts und führt uns zurück in eine Zeit, in der Knorr Eier-Spagetti noch ohne "h"
geschrieben wurden und "zum Saubermachen-Henkelsachen" verwendet wurden.
|
|
|
RUBRIKEN
|
|
Service
Öffnungszeiten, Lageplan, Eintrittspreise
mehr [...] Führungen
Termine, Informationen
mehr [...]
Kinder ins Museum
mehr [...]
Veranstaltungen
Eine Übersicht über unsere Veranstaltungen finden Sie hier
mehr [...]
Ausstellungen
Eine Übersicht unserer zukünftigen Ausstellungen auf einen Blick
mehr [...]
Sammlung Delander
Die vollständige Sammlung von Kurt Delander
mehr [...]
Rundgang
Erleben Sie die Räume des StadtMuseums auf einem virtuellen Rundgang.
mehr [...]
Ernst-Moritz-Arndt-Haus
Die Dependance des StadtMuseums
mehr [...]
Publikationen
Unsere Veröffentlichungen
mehr [...]
Bonner Köpfe
Portraits berühmter Bonner Persönlichkeiten
mehr [...]
Jubiläen
Wichtige Daten bekannter und berühmter Persönlichkeiten
mehr [...]
Highlights der vergangenen Jahre
mehr [...]
Vermietung
Anmietung der Sonderausstellungsräume im Museum und des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses
mehr [...]
Förderverein und Stifter
Förderverein und Förderer
City Museen
mehr [...]
Galerie
Alle Abbildungen dieser WebSite auf einen Blick
mehr [...]
Linktipps
Ausstellungen und Museen in Bonn und Umgebung, nationale Museumslinks
mehr [...]
|
| IMPRESSUM |
|
StadtMuseum
Bonn
|
|