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Bonn von ca. 1930 bis 1945
Auch in Bonn führte die Weltwirtschaftskrise zu massenhafter Arbeitslosigkeit und
in der Folge zu Not und Elend. Die politischen Parteien und Verbände radikalisierten sich. Nachdem
in Berlin Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt hatte, übernahmen
in Bonn, Beuel, Bad Godesberg und Duisdorf nach der Märzwahl 1933 Nationalsozialisten die Rathäuser.
Die Gesellschaft wurde nationalsozialistisch ausgerichtet, politische Gegner und Menschen, die nicht
in das nationalsozialistische Weltbild passten, gerieten in die Verfolgung. Der Zweite Weltkrieg,
der Europa beherrschte, zeigte sich in Bonn ab dem Jahre 1942 stärker. Der Luftalarm wurde zum
Alltag. Der 18. Oktober 1944 brannte sich besonders in die Erinnerung der Bonnerinnen und Bonner
ein: Die ganze Innenstadt fiel in Schutt und Asche, über 400 Menschen kamen ums Leben. Mit dem
Einmarsch der Amerikaner am 8. März 1945 hatte die Schreckensdiktatur ein Ende.
Als "blutigen Sonntag" bezeichnete der General-Anzeiger den 7. Dezember 1930 und
berichtete über die schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten
an der Rheinbrücke. Mit Fäusten wurde geprügelt, mit Spaten geschlagen, Messer gezogen und - es fielen
Schüsse. Mehrere Leicht- und Schwerverletzte waren zu beklagen, ein SA-Mann starb später an den Folgen
eines Querschlägers. Eindrücklich dokumentieren die Fotos von Waffen, die die Polizei an diesem Tage
beschlagnahmte, die Gewaltbereitschaft der Kontrahenten. Hintergrund war die Verschärfung der
wirtschaftlichen und sozialen Krise gegen Ende der Weimarer Republik durch den Zusammenbruch der
Weltwirtschaft. Menschen wurden arbeitslos, Familien verarmten, Hunger grassierte, die Auseinandersetzungen
zwischen den politischen Gruppen verschärften sich. Trotzdem blieb der Staat noch eine Republik, in dem
die Parteien miteinander konkurrierten. Die ausgestellten Wahlzettel und Wahlplakate zeugen von der noch
herrschenden politischen Vielfalt.
Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler und der Verabschiedung der "Reichstagsbrandverordnung"
und des "Ermächtigungsgesetzes" wurde dann die Republik zu Grabe getragen. Grundrechte traten außer Kraft,
die Regierung als Gesetzgeber legitimiert. In Bonn nutzten Nationalsozialisten die Gunst der Stunde und
übernahmen die Ämter des Oberbürgermeisters und der Bürgermeister.
Politische Gegner und Juden wurden entlassen, manch einer kam sogar in "Schutzhaft". Dem Beueler
SPD-Gemeindeverordneten Josef Leven wurde in einem Entlassungsschreiben des Landrates unverhohlen gedroht:
"Weil Ihre Weiterbeschäftigung als Gemeindeverordneter eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit
darstellt, fordere ich Sie hiermit auf, sich der weiteren Ausübung zu enthalten, widrigenfalls ich Sie
[ ...] in polizeiliche Schutzhaft nehmen müsste."
Die politische Vielfalt verschwand, die NS-Plakate deuten die propagandistische Durchdringung der
Bevölkerung an. Ein weiteres äußeres Zeichen wie schnell die Diktatur sich etablierte: Straßen und Plätze
wurden schon im April 1933 nach "Nazi-Größen" umbenannt, Bonn bekam seine Adolf-Hitler-Straßen-Schilder.
Der Bonner Oberbürgermeister Ludwig Rickert nahm an seinem neuen Schreibtisch Platz und empfing die in der
Schublade ausgestellten Glückwunschtelegramme gesellschaftlicher Gruppen. Der "Schreibtischtäter" ordnete
von hier aus alle Maßnahmen für die Stadt, etwa die vom NSDAP-Kreisleiter geforderte Entlassung des‚
Vollblutjuden' Waldmann aus dem städtischen Orchester. Die Kooperation mit der Gestapo wurde besiegelt.
Hinter dem Schreibtisch hängt das Großfoto vom NSDAP-Kreisparteitag 1939. Die NSDAP war ein mächtiger
Verbündeter der Bonner Verwaltung und zeigte sich im Zenit der Macht. Gut durchorganisiert war die Partei,
in Gaue, Kreise, Ortgruppen, wichtige Parteiorganisationen waren die SA und SS. Einen Überblick über die
Träger der verschiedenen Funktionen gibt der auf dem Schreibtisch liegende Ordner.
Im Touchscreen werden die wichtigsten Funktionsträger der Stadt, der NSDAP (Kreis- und Ortgruppenleiter),
der SA und der SS auch im Bild vorgestellt. Hier findet man auch Informationen über Aktionen der
Hitlerjugend und des Bundes Deutscher Mädel. Das Kapitel Besuch von "NS-Prominenz" erinnert daran,
dass Adolf Hitler weit über siebzig Mal im Rheinhotel Dreesen logierte. 1938 kam es hier zum Treffen mit
dem britischen Premier Chamberlain, wodurch Bad Godesberg für einige Zeit in den Schlagzeilen vieler
Zeitungen stand.
Während der 1930er Jahre wurde die Gesellschaft gleichgeschaltet und ideologisiert. NSDAP und
Parteiorganisationen kümmerten sich um ihr jeweiliges Klientel. Die wichtigsten Funktionsträger für die
Bevölkerung waren die Ortgruppenleiter des Kreises Bonn, die ganzseitig im Parteiorgan "Westdeutscher
Beobachter" vorgestellt werden. Für die Zehn- bis Achtzehnjährigen war die Hitlerjugend zuständig, schon
als Zehnjähriger musste man eintreten und erhielt einen Ausweis des Deutschen Jungvolks. Und: Nur der
"Arier" mit dem durch den Ahnenpass dokumentierte Ariernachweis galt etwas.
Viele Ausstellungsstücke lassen das "Dritte Reich" geordnet erscheinen. Jeder Beschäftigte musste ein
DAF-Arbeitsbuch führen. Der kinderreichen Mutter wurde das Mutterkreuz verliehen. Kleine
Propagandaheftchen, in hoher Auflage an die Bevölkerung verteilt, sollten den Erfolg des "Dritten Reiches"
dokumentieren.
Da stören die quaderförmigen Türme mit ihren acht Fensterchen im Raum. In ihnen sind Dokumente ausgestellt,
die andere Geschichten erzählen: Das Foto vom aufgebahrten Otto Renois, dem ersten Opfer der NS-Herrschaft
in Bonn; die Fotos von antijüdischen Transparenten 1935; der Aktendeckel des Erbgesundheitsgerichts,
hinter dem Schicksale von Zwangsterilisierten und Euthanasieopfer stehen; das Foto der kahlgeschorenen
Barbara S., so behandelt, nur weil sie angeblich einen Liebesbrief an einen polnischen Kriegsgefangenen
geschrieben hatte; eine Karte aus dem Konzentrationslager Sachsenhausen von einem Kommunisten, der seine
Strafhaft längst verbüßt hatte und dorthin "überführt" wurde; die Fotos der jüdischen Familie Beer, die
deportiert wurde und umkam; das Arbeitsbuch einer Zwangsarbeiterin, die aus Russland verschleppt wurde;
die KZ-Buchenwald-Nummer des Zentrumsmannes Joseph Roth; schließlich der Briefumschlag mit der Vorladung
für den Volksgerichtshof vom christlichen Gewerkschafter Heinrich Körner. Eine Kugel durchschlug diesen
Briefumschlag, als Körner kurz nach seiner Befreiung durch Berlin irrte.
Die Türme mit ihren Dokumenten weisen auch darauf hin, dass in der benachbarten Gedenkstätte den Opfern
und Verfolgten in Bonn gedacht und ihr Leiden dokumentiert wird.
Die aggressive und imperialistische Außenpolitik Hitlers führte unwillkürlich in den Krieg. Fast ganz
Europa wurde von deutschen Truppen besetzt, aber als sich der Krieg zu einem Weltkrieg ausweitete, traf
er auch deutsche Städte und verwüstete sie. Bonn spürte den Krieg deutlich ab den Jahren 1942 und 1943.
Die Fotos vom Bombenangriff in der Friesdorfer Klufterstraße dokumentieren drastisch, was die Folgen eines
Bombenangriffs waren: Tod und Zerstörung. Eindrucksvoll auch das Foto vom Beethovendenkmal 1945 mitten in
Trümmern. Aber auch sonst war der Alltag durch den Krieg bestimmt. Jederzeit Luftalarme, man verbrachte,
wie das seltene Foto aus einem Luftschutzkeller zeigt, ganze Nächte dort. Lebensmittelkarten sorgten für
die Versorgung. Informationen über den Kriegsverlauf wurden durch Zeitungen und den Volksempfänger
verbreitet, natürlich nur solche, die regimekonform waren. Feindsender abzuhören oder alliierte Flugblätter
weiterzugeben stand unter Strafe. Auch andere Verstöße gegen die weitreichende Kriegsgesetzgebung wurden
streng bestraft, auf Plündern stand die Todesstrafe. Nicht nur an der Front, sondern auch an der
‚Heimatfront' wurde der Kieg total geführt, auch Gasangriffe schloss man nicht aus, weshalb Volksgasmasken
verteilt wurden.
In dem von Deutschland zu verantwortenden Krieg starben Millionen von Soldaten: Polen, Franzosen, Russen,
Engländer, Amerikaner, Deutsche … . Die meisten von ihnen waren junge Männer mit einem kurzen Leben, wie
das des Josef Engel aus Bad Godesberg, der 1941 in der Sowjetunion fiel. Eine Vitrine zeigt Dokumente
seines Lebens - auf dem Sperrmüll gefunden.
Das Jahr 1944 brachte weitere schwere Bombenangriffe, aber die Stadt blieb noch relativ unzerstört. Dann
kam der 18. Oktober 1944: Britische Bomber entluden ihre Bombenlast über der Bonner Innen- und Altstadt,
die fast vollständig in Trümmer fiel. Über 400 Menschen kamen ums Leben. Das während dieses Angriffs
aufgenommene Farbfoto kann die Auswirkungen nur andeuten. Und es folgten weitere Angriffe; Tragödien
spielten sich in Luftschutzräumen ab. Die letzten fünf Monate brachten doppelt soviele Tote wie der Krieg
der Jahre zuvor.
Anfang März waren die Amerikaner von der Eifel soweit vorgerückt, dass sie am 8. März 1945 begannen, die
Stadt zu besetzen. Dies gelang ohne großen Widerstand. Am Abend sprengte ein Hauptmann befehlsgemäß die
alte Rheinbrücke. Die verantwortlichen Führer der Nationalsozialisten hatten sich schon auf die rechte
Rheinseite zurückgezogen. Während in Beuel noch bis zum 20. März weitergekämpft wurde, übergab der
Rechtsdezernent Max Horster am Morgen des 9. März 1945 den Amerikanern die Stadt. Das Foto vom zerstörten
Bonn dokumentiert das Ausmaß der Schäden.

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