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Bonn seit 1945 bis heute


Die "Stunde Null" der Bundesrepublik Deutschland brachte die bedeutendste Wendung der Bonner Stadtgeschichte in der Nachkriegszeit mit sich. Als Bundeshauptstadt wurde Bonn in den Jahren 1949 bis 1991 zur Bühne der Weltpolitik. Im Zuge der Deutschen Wiedervereinigung verlor Bonn jedoch seinen Hauptstadtstatus.

"Die ersten Bonner waren schon um acht Uhr zum Marktplatz geeilt. Das dreieckige Forum […] war bald gepresst voll. 20 000 Menschen harrten geduldig aus bis endlich um 13.43 Uhr Kennedy und Adenauer eintrafen. Als der Präsident um 13.55 Uhr an das Mikrophon trat wurde er mit einem Aufschrei der Begeisterung begrüßt. Der Jubel dauerte minutenlang. Tausende schrieen Stakkato: "Kennedy, Kennedy!"

Enthusiastisch beschreibt die Berliner Illustrierte das Eintreffen von John F. Kennedy auf dem Bonner Marktplatz. Als Regierungssitz wurde die Stadt Bonn Schauplatz zahlreicher Staatsakte für Gäste aus dem In- und Ausland. Der begeisterte Empfang des amerikanischen Präsidenten im Jahre 1963 zählt zu den herausragenden Ereignissen der 42-jährigen Bundeshauptstadtära. Auch das StadtMuseum hat in der linken Hälfte des Raumes dem berühmten Staatsgast noch einmal den roten Teppich ausgelegt. Beinahe in Lebensgröße zeigt das Foto an der linken Kopfwand Kennedy vor dem Rathaus. Seine Dankesgeste könnte auch von der historischen ZDF-Kamera eingefangen worden sein, die auf ihrem Holzstativ auf die Szenerie gerichtet ist. Zahlreiche Fernsehstationen sendeten die Rede, in der Kennedy als Führer der freien Welt zu den Bonnern sprach.

Erst 14 Jahre zuvor waren die Deutschen von der Diktatur des Nationalsozialismus befreit worden. Fotos auf den Wandtafeln dokumentieren das Ende des Zweiten Weltkrieges in Bonn. Spätestens als im März 1945 amerikanische Truppen in die zerstörte Stadt einrückten, wirkten die trotzigen Durchhalteparolen der Nationalsozialisten nur noch wie blanker Hohn.

Bonn wurde zunächst einer britischen Militärregierung unterstellt. Die Sparkasse am Friedensplatz diente als Hauptquartier der Alliierten. Wichtigste Aufgabe war zunächst die Wiederherstellung einer funktionierenden Verwaltung, die Lösung der Ernährungs- und Wohnraumprobleme sowie der Beginn von Enttrümmerung und Wiederaufbau. Die wenigen Dokumente in den Tischvitrinen lassen die dramatischen Lebensumstände und die individuellen Schicksale nur ansatzweise erahnen. Viele Familien waren durch den Krieg auseinander gerissen worden. Gewissheit über den Verbleib der Angehörigen brachten oft nur öffentliche Aushänge, die Vermisste und Kriegsgefangene auflisteten. In überfüllten Barackensiedlungen wurden die Ausgebombten notdürftig einquartiert.

Unverzüglich begannen die Aufräumarbeiten in der zerstörten Innenstadt sowie der Wiederaufbau der Rheinbrücke. Die Schere zur feierlichen Eröffnung der neuen Rheinbrücke 1949, die später nach Kennedy benannt wurde, ist in einer Vitrine unter der Wandtafel ausgestellt.

Der Krieg hatte viele Menschen um Hab und Gut gebracht, die Infrastruktur war stark zerstört, das Wirtschaftsleben lag am Boden. Symp-tomatisch für den Zustand zwischen Anarchie und Neubeginn ist die apokalyptisch anmutende Marktszene von 1948. Obwohl der einstige Prunkplatz in Schutt und Asche lag, hatte sich zwischen den Trümmern ein reger Tauschhandel etabliert. Der Schwarzmarkt blühte, während Lebensmittel weiterhin rationiert waren.

Erst mit der Währungsreform von 1948 setzte langsam der wirtschaftliche Aufschwung ein, der im Wirtschaftwunder münden sollte. Mit bescheidensten Mitteln versuchte die Bevölkerung daran teilzuhaben. Für viele ließ sich der wirtschaftliche Start zunächst holprig an, wie der behelfsmäßig zusammengezimmerte Eiswagen der Firma Hermann Josef Liessem, Bonner Mineralwasser Fabrik, auf der rechten Seite verdeutlicht. Um hingegen das rasante Tempo des Wirtschaftsbooms der fünfziger und sechziger Jahre zu messen, wäre das Tachometer des sportiven Fahrrads an der gegenüberliegenden Wand kaum ausreichend. Plötzlich war man wieder wer und konnte sich auch wieder etwas leisten. Das mit allen erdenklichen Extras ausgestattete Herrenrad aus einem Bonner Fachgeschäft zeigt das Wirtschaftswunder auf der Mikroebene.

Auch wenn die Hakenkreuzfahnen eilig zu Tischdecken umgeschneidert worden waren, herrschte in vielen Köpfen noch braunes Gedankengut vor. Die Alliierten begannen deshalb schon bald nach Kriegsende eine groß angelegte Kampagne zur Entnazifizierung der Bevölkerung. Verfolgte des NS-Regimes erhielten Sonderausweise. Um nach zwölf Jahren NS-Diktatur die Demokratie in Deutschland zu verankern, förderten die Alliierten ebenfalls früh das Erscheinen von neuen regionalen Zeitungen. Einige Exemplare aus den Umbruchsjahren hängen zur Lektüre für die Besucher an der Fensterwand, so Bonner Ausgaben des Kölner Kuriers, der Kölner Rundschau und des General Anzeigers.

Bestimmt wurden die Schlagzeilen von der leidenschaftlichen öffentlichen Debatte über die künftige Bundeshauptstadt. Am 11. Mai 1949 kam es zu dem Ereignis, das die größte Wende in der Bonner Stadtgeschichte der Nachkriegszeit bedeutete. Bonn setzte sich gegen zunächst viel aussichtsreichere Kandidaten wie Frankfurt als Bundessitz durch. Die Wahl zur vorläufigen Bundeshauptstadt am 3. November 1949 gewann Bonn unerwartet deutlich.

Nicht zuletzt der Einfluss des künftigen Bundeskanzlers Konrad Adenauer, der ganz in der Nähe von Bonn in Rhöndorf wohnte, dürfte eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt haben. Zuvor hatte bereits der Parlamentarische Rat in Bonn getagt - zwischen präparierten Tieren wohlgemerkt, denn allein das Museums Koenig bot repräsentative Räumlichkeiten, die vom Krieg unversehrt geblieben waren. Ein Notbehelf stellte zunächst auch die Pädagogische Akademie in Gronau dar, die 1949 zum Bundeshaus umgebaut wurde und in deren Aula Konrad Adenauer schließlich am 23. Mai desselben Jahres das Grundgesetz verkündete.

Geradezu in atemberaubendem Tempo wuchs die Stadt über die bisherigen Grenzen. Tausende von Neubürgern, darunter viele Beamte, zogen in die neue Bundeshauptstadt. Ganze Wohnviertel mussten neu gebaut werden. Je länger das "Provisorium" Bonn Hauptstadt blieb, desto aufwendiger wurden die Bauten. Zeugnis davon ist das Regierungsviertel am Rhein. 1969 wurden weitere Orte der Umgebung eingemeindet, darunter auch Bad Godesberg, Beuel und Duisdorf.

Trotz des Einzugs des Politzirkus, der die Stadt für über vier Jahrzehnte zur Bühne der Weltpolitik machte, bewahrte Bonn seinen beschaulichen Charme, der sich kaum mit der hektischen Betriebsamkeit in Berlin vergleichen lässt. In der "Bonner Republik" ging eher bedächtig denn pompös zu, wie auch der Blick in Konrad Adenauers Arbeitszimmer und der in der Mitte des Raumes aufgestellte Kabinettsstuhl zu bestätigen scheinen. Viele der auf den Fotos abgelichteten Politiker erscheinen wie Persönlichkeiten einer anderen Ära. Was bleibt sind "Reliquien" der politischen Klasse, die man in der linken Hochvitrine bestaunen kann: Ludwig Erhards Zigarren, Kanzler Schmidts Schnupftabak und eine Krawatte Helmut Kohls.

Die großen Ereignisse der bundesrepublikanischen Geschichte darzustellen ist sicher nicht Aufgabe des StadtMuseums Bonn. Im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn kann man sich ausführlich darüber informieren. Natürlich fanden einige Ereignisse von landesweiter Bedeutung auch ihren Widerhall in Bonn. Stellvertretend sei hier auf die Studentenbewegung von 1968 verwiesen. In der Hochvitrine rechts zeigt eine Aufnahme eine Diskussionsveranstaltung mit dem engagiert debattierenden Studentenführer Rudi Dutschke und dem versonnen rauchenden Johannes Rau. Vor dem Beethoven-Denkmal halten einige Aktivisten Mahnwache für den getöteten Studenten Benno Ohnesorg. Die Bonner Universität war indes keine Hochburg der Studentenbewegung.

Im Laufe der Jahrzehnte konsolidierte sich die "vorläufige" Hauptstadt Bonn immer mehr. 1989 feierte man "2000 Jahre Bonn". In der Hochvitrine sind einige Andenken zu sehen. Bonn schien einer ungetrübten Zukunft entgegenzusehen, als durch die friedliche Revolution in der DDR von 1989/90 eine neuerliche dramatische Wendung eintrat. Im Verlauf der Hauptstadtdebatte wurde klar, dass Berlin wieder der zukünftige Regierungssitz sein sollte. Mit dem Hauptstadtbeschluss vom 20.6.1991 verlor Bonn seine Funktion als Hauptstadt. Eine Medaille schreibt das äußerst knappe Abstimmungsergebnis mit 320 gegen 337 Stimmen unwiederbringlich fest. Um die wirtschaftlichen Nachteile auszugleichen, verabschiedete man eine "Ausgleichsvereinbarung", die den Status Bonns als "Bundesstadt" sichert und die Arbeitsteilung zwischen Bonn und Berlin regelt. Die Ansiedlung wirtschaftstarker Unternehmen und internationaler Organisationen etablierte Bonn als Dienstleistungs- und Wissenschaftsstandort. Auch die Bereiche Kunst und Kultur sind in Bonn wichtige Standortfaktoren.

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