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Vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches

 

Nach dem Ende der römischen Herrschaft übernahmen die Franken im 5. Jahrhundert die Herrschaft in Bonn. Das ehemalige Römerlager wurde nun von einer Zivil-bevölkerung bewohnt. Neben der so genannten Bonnburg entwickelte sich im Bereich des heutigen Münsters ein neuer Siedlungsschwerpunkt. Im vierten Jahrhundert ist eine kleine "cella memoria" nachweisbar, in der die Römer ihrer Toten gedachten. Die Legende berichtet, dass hier Cassius und Florentius, römischen Soldaten der thebäischen Legion, verehrt wurden. Sie sollen in Bonn als Märtyrer gestorben sein. Zur Versorgung des wachsenden Pilgerstroms gründete man ein Stift und erbaute Vorläufer des heutigen Münsters. In unmittelbarer Nähe entstand schließlich auch eine kleine Marktsiedlung.

Das Bonner Münster wurde in seiner heutigen Gestalt vom 11. bis zum 13. Jahrhundert erbaut. Bis zur Aufhebung des Cassiusstiftes - eines der vornehmsten Stifte in Kurköln - im Zuge der Säkularisierung im 18. Jahrhundert durch die Franzosen, war das Münster Stiftskirche. Ihre Stiftsherren verwalteten die südlichen Bezirke des Erzbistums Köln und hatten wichtige Positionen im Kurfürstentum inne. Eine spätmittelalterliche Ansicht des Münsters und der damals davor gelegenen Pfarrkirche St. Martin aus dem 15. Jahrhundert findet sich auf den Glasfenstern des Klosters Ehrenstein, wovon einige Reproduktionen zu sehen sind. Daneben zeigen Bilder der Künstler Fritz von Wille und F. Heine das Münster und den Kreuzgang aus verschiedenen Perspektiven im 19. und frühen 20. Jahrhundert.

Fritz von Wille: Bonner Münster, 1880



Fritz von Wille: Bonner Münster, Blick von Kreuzgang in die Kirche, 1880





Einen Eindruck des mittelalterlichen Innenraums vermittelt das Gemälde des niederländischen Architekturmalers Gerrit Berckheyde aus dem 17. Jahrhundert. Es zeigt den im 18. Jahrhundert abgerissenen gotischen Lettner, der das noch ohne Gestühl ausgestattete Langhaus und den nur den Stiftsherren vorbehaltenen Chor voneinander trennte.

Zeugnis der romanischen Steinmetzkunst im Rheinland ist ein Doppelkapitell aus dem 13. Jahrhundert, das in Köln oder Brauweiler gefunden wurde. Aus Bonn stammt eine Säule aus der im 19. Jahrhundert abgerissenen Martinskirche - ein hinter dem Ostchor des Münsters um 1100 erbauter romanischer Rundbau, der als Pfarrkirche diente. Ein Mörser des 14. Jahrhunderts diente möglicherweise als Weihwasser- becken in der Ippendorfer Kapelle St. Barbara. Die Kreuzigungsgruppe gehörte zum Sterntor der Bonner Stadtbefestigung, von dem Teile im 19. Jahrhundert versetzt wurden. Bei der Skulptur eines Engels mit dem Bonner Stadtwappen handelt es sich um einen im 15. Jahrhundert wieder verwendeten römischen Inschriftenstein.

Die früheste erhaltene Stadtansicht Bonns befindet sich auf einem Gemälde des 15. Jahrhunderts des "Meisters der Verherrlichung Mariens" im Kölner Wallraf-Richartz-Museum. Auf den Reproduktionen ist hinter den Heiligen Christopherus, Petrus, Gereon und der Anna-Selbdritt-Gruppe das Panorama der Stadt Köln mit ihrem Umland erkennbar. Ganz in der Ferne erscheint vor dem Siebengebirge die Silhouette der Stadt Bonn mit den Türmen des Münsters. Dies ist auf dem daneben hängenden Ausschnitt in vergrößerter Form hervorgehoben.

Kreuzigungsgruppe 16. Jh.





Kreuzigungsgruppe vom Sterntor, 16. Jahrhundert






Nach der Schlacht bei Worringen 1288, in deren Folge der Kölner Kurfürst und Erzbischof aus seinem Metropolitansitz Köln vertrieben worden war, rückte Bonn ins Zentrum politischer Entscheidungen. Zunächst war die Stadt nur einer von mehreren Aufenthaltsorten der Kurfürsten. Seit dem 16. Jahrhundert residierten diese dann dauerhaft in der Stadt. Diese Verbindung führte dazu, dass Bonn von folgenschweren politischen Entscheidungen der Erzbischöfe meist direkt betroffen war.

Ein Gemälde zeigt den Erzbischof Hermann von Wied. Sein Versuch 1543 die Reformation in Kurköln einzuführen war eine reichspolitisch brisante Angelegenheit. Der Erzbischof Gebhard Truchseß von Waldburg ist ebenfalls auf einem Gemälde zu sehen. Er wurde angeblich nach einer Affäre mit der adeligen Stiftsdame Agnes von Mansfeld von deren Brüdern gezwungen, die Beziehung durch eine Heirat zu legalisieren. Um seine machtvolle Position als Kurfürst zu behalten, versuchte auch er in seinem Territorium die Reformation durchzusetzen. Dies hätte zu einer protestantischen Mehrheit im Kollegium der Kurfürsten geführt und die Wahl eines Kaisers aus dem Hause Habsburg zukünftig fast unmöglich gemacht. Gebhard wurde sofort von Kaiser und Papst abgesetzt und durch den Wittelsbacher Ernst von Bayern ersetzt. Szenen aus dem nachfolgenden Kölner Krieg zwischen 1583 und 1589 sind auf Stichen dargestellt.

Ernst von Bayern gelang es mit Hilfe alliierter Truppen, seine Macht zu sichern. Dies hatte grundlegende Bedeutung für die rheinische und die Bonner Geschichte. Kurköln blieb bis zum Einmarsch französischer Revolutionstruppen 1792 katholisch. Darüber hinaus lenkten bis 1761 fünf Wittelsbacher als Kurfürsten die Geschicke der Stadt. Ihr machtpolitisches Interesse richtete sich auf die europäische Politik. Mehrmals war Bonn dadurch in die Kriege des 17. Jahrhunderts verwickelt. Im Jahr 1689 wurde die Stadt nach Belagerung völlig zerstört.

Nicht nur die äußeren Verhältnisse wurden nach den fehlgeschlagenen Reformationsversuchen neu geordnet, sondern auch die innere Verwaltungsstruktur. Sie wurde in einer Polizeiordnung des Jahres 1585 bis zum Ende der Kurfürstenzeit 1794 fast unverändert festgeschrieben. Ausgestellt ist eine Auflage der Verfassung von 1773. Die Funktion des Kurfürsten als Stadtherr in Bonn umfasste auch die Gerichtshoheit. Der Bonner Löwe, eine Skulptur aus dem 12. Jahrhundert, markierte ursprünglich auf dem Münsterplatz die kurfürstliche Gerichtsstätte.

Der kurfürstliche Hofstaat in Bonn umfasste eine Fülle von Ministern und Amtsinhabern, die für verschiedene Aufgaben zuständig waren. Gestochene Haupt- und Wandkalender dokumentierten die Bedeutung einzelner Positionen im Kurstaat. Eine wichtige Aufgabe erfüllte auch der Kammerherr, dessen Rangzeichen die Kammerschlüssel waren. Ein Hofkammerrat und Kabinettsekretär des Kurfürsten Clemens August verfasste für diesen ein Gebetbuch, den "Christlichen Seelenschatz auserlesener Gebetter". Als bedeutender geistlicher Würdenträger besaß Clemens August auch einen persönlichen Weihwasserkessel mit Monogramm.

Ein wichtiges Element in der städtischen Gesellschaftsordnung waren die Handwerkszünfte. Jeder Handwerker, der in Bonn arbeiten wollte, musste ihnen angehören. Auch das gesellige und religiöse Leben der Handwerker spielte sich in Veranstaltungen der Zünfte ab. Stellvertretend sind Gegenstände der Bonner Schuhmacherzunft ausgestellt. Die Zunftlade diente zur Aufbewahrung der Dokumente und stand im Mittelpunkt ritueller Handlungen, wie die Aufnahme eines Meisters in die Zunft.

Deckelterring 19. Jh.



Deckelterrine, Poppelsdorfer Fayencemanufaktur Anfang 19. Jahrhundert





Gewerbliche Produkte aus dem kurfürstlichen Bonn haben sich nur in geringer Zahl erhalten. Ein typisches Gebrauchsgut war einfaches Zinngeschirr. Bonner Zinngießer versahen es mit dem Bonner Stadtwappen. Im 18. Jahrhundert gründete der Kurfürst Clemens August, fasziniert vom berühmten Meißner Porzellan, eine Porzellanmanufaktur in Bonn. Die ersten Ergebnisse, von denen Beispiele in der Ausstellung zu sehen sind, erreichten nicht die Qualität des Vorbilds. Dennoch wurde dadurch der Grundstein einer blühenden Keramikindustrie im 19. Jahrhundert in Bonn gelegt.

 

 

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