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Adele Schopenhauer



Adele Schopenhauer



geboren 12.06.1797 Hamburg, gestorben 25.08.1849 Bonn



Begraben auf dem Alten Friedhof in Bonn

Der von ihrer Freundin Sibylle Mertens-Schaaffhausen in Auftrag gegebene Grabstein trägt die Inschrift:
„Qui riposa
Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer
vissuta 52 anni
egregia di cuore, d’ingegno, di talento,
ottima figlia,
affetuosa e costante agli amici
Sostenne con nobilissima dignità d’animo
mutamenti di fortuna,
e lunga dolorosa malattia
con pazienza serena,
ebbe fine de’ mali a di’ 25 Ag. 1849.
Erse il monumento la sconsolata amica
Sibilla Mertens-Schaaffhausen.


[Hier ruht Luise Adelaide Lavinia Schopenhauer nach einem Leben von 52 Jahren ausgezeichnet von Herz, Geist, Talent, beste Tochter, zärtlich und treu ihren Freunden ertrug sie mit edelster Seelenwürde Wechselfälle des Schicksals, und lange schmerzhafte Krankheit mit heiterer Geduld. Sie fand das Ende ihrer Leiden am 25. Aug. 1849. Das Grabmal errichtete die untröstliche Freundin Sibylle Mertens-Schaaffhausen]

Sibylle Mertens-Schaaffhausen lernte die gleichaltrige Adele Schopenhauer 1828 kennen und Adele wurde bald zum Dauergast im Plittersdorfer Auerhof. Im Frühsommer 1829 kam auch die Mutter Adele Schopenhauers ins Rheinland, und bezog mit ihrer Tochter den Zehnthof in Sinzig, den Sibylle Mertens den beiden fast mittelosen Damen Schopenhauer für eine günstige Miete zur Verfügung stellte. Der Zehnthof blieb von 1829 bis 1832 der Wohnsitz von Adele und Johanna Schopenhauer, wenn diese auch die Wintermonate vor allem in Bonn verbrachten. Adele Schopenhauer war in Weimar im Hause ihrer Mutter aufgewachsen, die als Schriftstellerin recht bekannt gewesen ist, aber sich wirtschaftlich nicht behaupten konnte. Durch einen Bankbankrott und durch einen zu teuren Lebenstil verlor Johanna Schopenhauer nicht nur das Familienvermögen sondern auch das Erbe der Tochter, während ihr Sohn Arthur sein Geld auf Kosten seiner Mutter und Schwester weitgehend retten hatte können. Da Adele Schopenhauer ohne Vermögen und ohne äußere Schönheit gewesen ist, lag es allein an ihrer Klugheit, ihrer Bildung und ihren künstlerischen Fähigkeiten, wozu insbesondere ihre Scherenschnitte gehörten, die ihr Freundschaft und anteilnehmende Beachtung u.a. von Johann Wolfgang von Goethe sicherten, dessen (spätere) Schwiegertochter Ottilie Adeles Jugendfreundin gewesen ist.

Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens wurden bald zu engen Freundinnen, wie ein früher Brief Adeles an ihre Freundin Ottilie von Goethe bezeugt: „Es ist meine Bestimmung, ihr Wohl und Weh dem meinen sehr eng zu verbinden, ich glaube, wir trennen uns nicht so bald. Sie lebt in mir, und mir ist sie in dem neuen Leben unentbehrlich, denn ihre Liebe, ihre Hingebung erhalten mich. Ihre Fehler, Eigenheiten, Unarten, Gewohnheiten, Krankheiten, Tollheiten und alle heiten der ganzen Person sind mir summa summarum bekannt, und ich halte es eben aus und liebe sie wie sie ist. Ich glaube, am besten vergleichst Du uns ein paar Leuten, die sich spät finden und dann einander heiraten. Stürbe sie - so spräng ich jetzt in den Rhein, denn ich könnte nicht ohne sie bestehen.“

Die enge Beziehung zwischen Adele Schopenhauer und Sibylle Mertens war Louis Mertens (+ 1842), dem Ehemann von Sibylle Mertens-Schaaffhausen ein Dorn im Auge. Ohnehin seit je in schlechtestem Verhältnis zu seiner Frau, und von ihren Freunden und Freundinnen ihr in keiner Weise als ebenbürtig anerkannt, wollte er offenbar weitere Beeinträchtigungen seines „Familienlebens“ nicht hinnehmen und hat sogar versucht, Adele Schopenhauer das Haus zu verbieten. Jedenfalls wünschte sich Adele Schopenhauer, „daß den Mertens der Teufel holen möchte, damit ich frei würde mit ihr, doch schenkt er ihm die trefflichste Gesundheit.“

Obwohl Adele Schopenhauer auch an anderen Frauenfreundschaften Sibylle Mertens-Schaaffhausen gelitten hat (u.a. zu Annette von Droste-Hülshoff und Anna Jameson) ist die Verbindung der beiden Frauen eine lebenslang enge geblieben. Nach dem Tod von Louis Mertens 1842 nahm Adele das Angebot ihrer Freundin an, und zog zu ihr ins große Bonner Haus in der Wilhelmstraße. Die letzten gemeinsamen Jahre verbrachten die beiden Frauen weitgehend zusammen im Rheinland und in Italien, wo sie eigentlich (in Rom) für immer bleiben wollten. Als jedoch Adele Schopenhauer bei einem Heimatbesuch bei Freunden in Weimar im Frühjahr 1849 plötzlich zusammenbrach und sich die Schwere ihrer Krankheit herausstellte, reiste Sibylle Mertens mitten in den Kriegs- und Revolutionswirren von Rom nach Weimar, um die todkranke Freundin nach Bonn zu bringen, und sie dort bis zum Tode zu pflegen und zu umsorgen. Begräbnistag war der 28. August 1849, der hundertste Geburtstag von Goethe. Mit Adele Schopenhauers Tod wurde die mit ihrer eigenen Familie wegen der jahrelangen Erbschaftsstreitigkeiten zerfallene Sibylle Mertens kaum fertig, und trug sich sogar mit Selbstmordgedanken: „mein Schmerz ist nur um Eines - um Adelens Tod! Es ist wirklich in ihr ein Theil meines innersten Lebens abgerißen worden und ich bin nur ein Krüppel.“ Sibylle Mertens-Schaaffhausen überlebte ihre Freundin um 8 Jahre und starb – dem Rheinland wegen ihrer Familie völlig entfremdet – im Oktober 1857 in Rom, wo sie 1856 ihren letzten Wohnsitz genommen hatte. (I.B.)

Zu Gedichten von Adele Schopenhauer vgl: http://www.wortblume.de/dichterinnen/schope_i.htm


Zur Neuerwerbung von Johanna Schopenhauers Testament


Die Geschichte von Johanna Schopenhauers Rente
Stephan M. Hübner, Marketing und Kommunikation Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main) 17.05.2008

FRANKFURT. Mit Unterstützung der Schopenhauer-Gesellschaft konnte das Archivzentrum der Frankfurter Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg ein wichtiges Dokument zur Geschichte der berühmten Familie Schopenhauer aus dem Jahr 1820 erwerben. Die für 750 Euro ersteigerte Urkunde wurde auf der 10. Auktion des Historischen Wertpapierhauses vom 2. bis 4. Mai 2008 in Würzburg zur Versteigerung angeboten. Sie belegt, dass der 1766 in Danzig geborenen Johanna Schopenhauer, Mutter des berühmten Frankfurter Philosophen Arthur Schopenhauer (1788 bis 1860), sowie deren Tochter Adele vom wirtschaftlich angeschlagenen Handelshaus Abraham Ludwig Muhl & Co. eine Leibrente von 300 Reichstalern zugesprochen wurde. Johanna und Adele waren in der Folge des Bankrotts des Handelshauses Muhl von 1819 in wirtschaftliche Nöte geraten. Johanna hatte 70 Prozent ihrer gesamten dortigen Einlagen verloren. Der ebenfalls betroffene Arthur Schopenhauer ließ sich nicht auf einen Vergleich des Handelshauses ein und konnte somit - im Gegensatz zur Mutter und Schwester - seine eigenen Finanzanlagen nach dreijähriger intensiver Verhandlung retten. Aufgrund seiner jahrelangen Meinungsverschiedenheiten mit der mütterlichen Hofrätin und Schriftstellerin Johanna verweigerte Arthur in der Folgezeit die finanzielle Unterstützung, so dass Johanna ihren aufwendigen Lebensstil in Jena nicht mehr weiter finanzieren konnte. Die Schriftstellerei wurde bis zu ihrem Tod im Jahre 1838 zu ihrer vorrangigen Einnahmequelle. Die Urkunde mit der Signatur Schop, XXVI, 40 ist sehr gut erhalten. Drei der acht auf Blütenpapier geschriebenen, doppelseitigen Folioseiten wurden handschriftlich verfasst. Sämtliche Seiten sind rechts bestoßen und haben eine Knickfalte. Im Absender wird das Handelshaus Abraham Ludwig Muhl & Co. genannt. Das Archivzentrum freut sich, ein solch zentrales Dokument zur wissenschaftlichen Untersuchung des schwierigen Verhältnisses von Arthur Schopenhauer zu seiner Mutter Johanna Schopenhauer in seinen Beständen zu wissen. Die Vermögens- und Familienverhältnisse der Familie Schopenhauer können anhand der umfangreichen Unterlagen aus dem Nachlass von Arthur Schopenhauer von Montag bis Freitags jeweils von 9.30 bis 16.30 Uhr nach Voranmeldung und im Rahmen der Benutzungsordnung eingehend untersucht werden. ---- Informationen: Dr. Mathias Jehn, Leiter des Archivzentrums. Tel: (069) 798-39007, m.jehn@ub.uni-frankfurt.de

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